Microsoft war im dritten Quartal 2026 die am häufigsten imitierte Marke bei Phishing-Angriffen.
Microsoft bleibt häufigstes Ziel von Marken-Phishing

Laut dem aktuellen Bericht von Check Point Research entfielen 33 Prozent der erfassten Fälle auf den Softwarekonzern. Zugleich beobachten die Sicherheitsforscher vermehrt Angriffe, bei denen Kriminelle Nutzer zur Ausführung schädlicher Befehle oder zur Installation von Fernzugriffssoftware bewegen.
Apple rückt auf Platz zwei vor
Microsoft baute seine Spitzenposition im Marken-Ranking weiter aus. Im zweiten Quartal hatte der Anteil noch bei 23 Prozent gelegen. Apple verbesserte sich mit acht Prozent auf den zweiten Platz und lag damit gleichauf mit Google. LinkedIn fiel mit sechs Prozent auf Rang vier zurück, Amazon erreichte mit vier Prozent den fünften Platz. Insgesamt entfiel mehr als die Hälfte der erfassten Phishing-Versuche auf diese fünf Marken.
Besonders häufig werden Unternehmen aus der Technologiebranche imitiert. Dahinter folgen soziale Netzwerke und Banken. Angreifer zielen damit auf Konten, über die sich berufliche Kommunikation, Cloud-Daten, persönliche Profile oder Finanzinformationen erreichen lassen.
Phishing-Angriffe zielen zunehmend auf Geräte
Die von Check Point Research beobachteten Kampagnen zeigen, dass es nicht mehr allein um gestohlene Passwörter oder Zahlungsdaten geht. Teilweise versuchen Angreifer, ihre Opfer dazu zu bringen, selbst Befehle auf ihren Geräten auszuführen oder Fernwartungssoftware zu installieren. Dafür nutzen sie bekannte Markennamen, gefälschte Supportseiten und vermeintlich notwendige Updates.
Eine Kampagne gab sich als KI-Dienst Claude aus. In einer gefälschten Zahlungsbenachrichtigung wurde behauptet, eine Abbuchung über 500 Euro sei fehlgeschlagen. Die Empfänger sollten ihre Zahlungsdaten aktualisieren, um eine Sperrung ihres API-Zugangs und ihrer Lizenzen zu verhindern. Auf diese Weise wollten die Angreifer sowohl an Finanzdaten als auch an Kontoinformationen gelangen.
Ein anderer Angriff imitierte die Website von Google Antigravity. Dort wurde ein vermeintlich legitimer Installationsbefehl für Linux angezeigt. Tatsächlich entschlüsselte dieser eine Base64-kodierte Anweisung, die ein Shell-Skript von einem externen Server herunterlud und ausführte. Dadurch hätten Angreifer aus der Ferne Code auf dem betroffenen System ausführen können.
Gefälschte Supportseiten und missbrauchte Fernwartung
Auch Apple und DocuSign dienten als Vorlagen für betrügerische Websites. In einem Fall führte ein gefälschter Apple-Supportartikel Mac-Nutzer dazu, Terminalbefehle auszuführen. Angeblich sollten diese die Systemleistung verbessern. Tatsächlich konnten solche Anweisungen dazu dienen, schädliche Aktionen auf dem Gerät auszulösen.
Bei einer weiteren Kampagne wurde auf einer nachgebauten DocuSign-Seite ein Dokument zur Überprüfung angezeigt. Für den Zugriff sollten Nutzer zunächst einen angeblich erforderlichen Reader aktualisieren. Über die Schaltfläche „Weiter“ wurde jedoch FleetDeck heruntergeladen. Das legitime Werkzeug zur Fernüberwachung und -verwaltung kann missbraucht werden, um unbefugten Zugriff auf Geräte zu erhalten.
Die Beispiele verdeutlichen, wie Angreifer bekannte Marken und alltägliche Arbeitsabläufe ausnutzen. Zeitdruck, vertraute Gestaltung und scheinbar notwendige Installationsschritte sollen dazu beitragen, dass Nutzer Warnsignale übersehen.
KI erleichtert die Erstellung gefälschter Inhalte
Nach Einschätzung von Omer Dembinsky, Data Research Manager bei Check Point Research, entwickelt sich Marken-Phishing weiter. Angreifer orientierten sich zunehmend an den Diensten, die Nutzer täglich verwenden, darunter auch KI- und Entwicklerplattformen. Zugleich versuchten sie häufiger, die Betroffenen zur Ausführung schädlicher Aktionen zu bewegen, statt lediglich Zugangsdaten abzugreifen.
Generative KI kann es Kriminellen erleichtern, überzeugende Nachrichten und nachgeahmte Websites in größerem Umfang zu erstellen. Unternehmen müssen daher nicht nur eingehende E-Mails absichern, sondern auch betrügerische Webseiten und ähnlich geschriebene Domains erkennen.
Prävention muss über den Posteingang hinausgehen
Check Point Research empfiehlt, Phishing-Nachrichten möglichst vor ihrer Zustellung zu blockieren und Systeme zur Erkennung von Markenmissbrauch und gestohlenen Zugangsdaten einzusetzen. Auch automatisierte Untersuchungs- und Reaktionsprozesse können helfen, Angriffe schneller einzudämmen.
Darüber hinaus sollten Unternehmen auf nicht genehmigte Fernwartungsprogramme achten und das Internet nach gefälschten Anmeldeseiten sowie ähnlich lautenden Domains durchsuchen. Ziel ist es, betrügerische Angebote möglichst früh zu erkennen und entfernen zu lassen, bevor Nutzer mit ihnen in Kontakt kommen.
(red/Check Point Research)





