Flipper Devices bittet die Community um Hilfe beim Flipper One. Die Linux-Plattform mit Dual-Prozessor-Architektur soll lokale LLMs und SDR unterstützen.
Der Hardware-Hersteller Flipper Devices, bekannt für das IT-Sicherheits- und Penetrationstest-Werkzeug Flipper Zero, hat ein neues Open-Source-Projekt namens Flipper One initiiert. Das Unternehmen wendet sich mit einem Aufruf an die weltweite Entwicklergemeinschaft, um Unterstützung bei der Fertigstellung einer offenen Linux-Plattform für vernetzte Geräte und Hardware-Experimente zu erhalten. Im Gegensatz zum etablierten Flipper Zero, dessen Schwerpunkt auf dem Offline-Zugriffsmanagement sowie klassischen Funktechnologien wie Nahfeldkommunikation, RFID, Infrarot und Sub-Gigahertz-Verbindungen liegt, stellt der Flipper One eine technologische Neuentwicklung dar.
Das Gerät ist als leistungsstarker, tragbarer ARM-Linux-Computer konzipiert, der über ausreichende Rechenkapazitäten verfügt, um Software-Defined-Radio-Analysen und die lokale Ausführung von großen Sprachmodellen im Bereich der künstlichen Intelligenz zu bewältigen. Das Unternehmen betont ausdrücklich, dass der Flipper One nicht als direkter Nachfolger oder Upgrade des Flipper Zero zu verstehen ist, sondern als eigenständiges Projekt mit gänzlich anderen Zielsetzungen agiert.
Flipper One basiert auf Dual-Prozessor-Architektur
Die Hardware-Architektur des Flipper One basiert auf einem dualen Prozessor-Konzept, das rechenintensive Betriebssystem-Aufgaben von den grundlegenden Hardware-Steuerungen trennt. Als Hauptprozessor dient der System-on-Chip Rockchip RK3576, der auf der ARM-Infrastruktur basiert und mit einem Arbeitsspeicher von acht Gigabyte RAM kombiniert ist. Dieser Hauptprozessor ist primär für die Verarbeitung der Linux-Workloads und der rechenintensiven Analyseprogramme zuständig. Flankiert wird der Hauptprozessor von einem separaten Mikrocontroller des Typs Raspberry Pi RP2350.
Diese Aufteilung stellt eine funktionale Trennung der Systemlast dar. Während der Rockchip-Prozessor das eigentliche Betriebssystem ausführt, verwaltet der RP2350-Mikrocontroller unabhängig davon die Anzeige auf dem Bildschirm, das Energiemanagement, die physischen Tasten sowie den gesamten Boot-Prozess des Geräts. Diese Architektur hat den praktischen Vorteil, dass die Basisfunktionen des Geräts und die Hardware-Steuerung voll funktionsfähig bleiben, selbst wenn das Hauptbetriebssystem komplett heruntergefahren oder ausgeschaltet ist. Das Zusammenspiel dieser beiden Recheneinheiten erfordert jedoch die Entwicklung spezialisierter Treiber, um eine stabile interne Kommunikation zu gewährleisten.

Viele Netzwerke sind integrierbar
Ein wesentliches Merkmal des Flipper One ist sein modularer Aufbau, der eine Erweiterung über verschiedene Standardschnittstellen ermöglicht. Das Gerät verfügt über M.2-Steckplätze und GPIO-Schnittstellen sowie über Unterstützung für Erweiterungen via PCIe, USB 3.1, SATA, UART, I2C und SIM-Karten. Durch diese Schnittstellen-Infrastruktur können Entwickler zusätzliche Hardware-Komponenten wie Software-Defined-Radios, Solid-State-Drives, sekundäre Wi-Fi-Karten, KI-Beschleuniger oder Modems für den Mobilfunkstandard 5G sowie für die satellitengestützte Kommunikation über Nicht-Terrestrische Netzwerke integrieren.
Diese Hardware-Ausstattung ermöglicht ein breites Spektrum an operativen Einsatzmöglichkeiten im Netzwerkbereich. Laut den Spezifikationen des Herstellers kann der Flipper One als klassischer Router, als sicheres VPN-Gateway oder als Netzwerkbrücke zwischen kabelgebundenen und drahtlosen Infrastrukturen eingesetzt werden. Darüber hinaus eignet sich das System aufgrund seiner Rechenleistung und des integrierten HDMI-Ausgangs zur Nutzung als tragbare Linux-Arbeitsstation für den autarken Betrieb, als Medien-Box für Fernseher oder als mobiles Terminal für Feldtechniker.

Problem mit ARM-Linux
Die Entwicklung des Flipper One läuft bereits seit mehreren Jahren, stellt das Unternehmen jedoch vor größere wirtschaftliche und softwaretechnische Herausforderungen als ursprünglich kalkuliert. Derzeit arbeiten separate Entwicklungsteams an den Bereichen Hardware-Design, Mechanik, Software-Anpassung für den RK3576-Prozessor, Mikrocontroller-Firmware, Benutzeroberfläche, Dokumentation und Qualitätssicherung. Flipper Devices kritisiert in diesem Zusammenhang den aktuellen Zustand des ARM-Linux-Ökosystems, da Chiphersteller häufig proprietäre Erweiterungen, geschlossene Bootloader-Blobs und herstellerspezifische Software-Pakete nutzen, die eine Anpassung außerhalb der Herstellerstrukturen erschweren.
Um eine vollständige Unabhängigkeit zu erreichen, kooperiert Flipper Devices mit dem Open-Source-Dienstleister Collabora. Das gemeinsame Ziel ist es, eine vollständige Unterstützung für den Rockchip RK3576-SoC direkt in den offiziellen, herstellerunabhängigen Mainline-Linux-Kernel zu integrieren und alle herstellerspezifischen Abhängigkeiten zu eliminieren. Zu den aktuellen Software-Hürden gehört neben dem Upstreaming der Dual-Prozessor-Treiber auch die Fertigstellung des eigenen Betriebssystems Flipper OS und des Steuerungs-Frameworks FlipCTL. Dieses Framework soll eine optimierte Linux-Benutzeroberfläche für kleine Bildschirme bereitstellen. Zudem müssen noch Kompatibilitätsprobleme bezüglich des USB-C-DisplayPort-Alt-Mode, der Hardware-Videocodierung für H.264 und HEVC sowie spezifischer Funktionen für die WLAN-Analyse gelöst werden.
Krise für RAM-Arbeitsspeicherchips hindert Vorankommen
Der Flipper One befindet sich derzeit in einer aktiven Entwicklungsphase und ist weit von einem fertigen oder versandbereiten Produkt entfernt. Die aktuellen Prototypen weisen unvollständige Hardware-Komponenten auf, architektonische Entscheidungen bezüglich der Schnittstellen sind teilweise noch offen und essenzielle Software-Infrastrukturen befinden sich im Alpha-Status. Neben den rein technischen Problemen wird das Projekt auch durch externe wirtschaftliche Faktoren beeinflusst. Der Firmengründer Pavel Zhovner verwies in diesem Zusammenhang auf die anhaltende Krise auf dem globalen Markt für RAM-Arbeitsspeicherchips, die finanzielle Risiken für die Kalkulation des Endprodukts mit sich bringt.
Flipper Devices betont, dass das Projekt auf die aktive Mithilfe der Community angewiesen ist. Unabhängige Ingenieure, Software-Entwickler, UI-Designer und Anwender sind aufgerufen, sich an der Entwicklung zu beteiligen, Code-Beiträge einzureichen oder Konzepte für die Hardware-Erweiterungen beizusteuern. Das Unternehmen plant, regelmäßige Berichte über den aktuellen Forschungs- und Entwicklungsstand über seine offiziellen Kommunikationskanäle im Netz zu veröffentlichen, um den Fortschritt transparent zu dokumentieren.
