Europa will im globalen KI-Wettlauf vorne mitmischen, doch der Strom könnte knapp werden. Rechenzentren verschlingen immer mehr Energie und gefährden Klimaziele, Wirtschaft und Wettbewerbsfähigkeit.
Europas KI-Träume stoßen an Grenzen
Mit dem geplanten „AI Continent Action Plan“ sollen Europas Rechenzentren massiv ausgebaut werden, um digitale Innovationen voranzutreiben. Doch der steigende Energiebedarf könnte die Stromnetze stark belasten. Forschende des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW Kiel) warnen vor einem regelrechten Trilemma für den Kontinent.
KI und Energie: Zwei Pläne, ein Problem
IfW-Kiel-Expertin Matilde Ciani warnt: “KI-Politik darf nicht von Energiepolitik getrennt werden. Europa plant ehrgeizige digitale Infrastruktur, ohne sicherzustellen, dass das Stromsystem dies auch tragen kann.” In ihrem aktuellen Policy Brief rechnet sie vor, dass die Verdopplung der Rechenzentrumskapazitäten bis 2030 zwischen 98,5 und 168 Terawattstunden Strom verschlingen könnte. Das entspricht etwa dem gesamten Stromverbrauch Polens und macht bis zu fünf Prozent des EU-Gesamtbedarfs aus.
Für die EU bedeutet das ein Dreifachproblem: Klimaziele könnten leiden, das Wirtschaftswachstum eingeschränkt werden und der Kontinent könnte im globalen KI-Wettbewerb zurückfallen.
Erste Anzeichen für eine Abkühlung
Während Europa seine Pläne vorantreibt, zeigt der Markt Anzeichen der Konsolidierung. Marktforscher von Jon Peddie Research berichten, dass seit der Jahrtausendwende rund 29 Milliarden Dollar in KI-Technologien geflossen sind. Viele Start-ups, insbesondere im Bereich KI-Chips, könnten jedoch bald vom Markt verschwinden.
Realistische Planung ist entscheidend
Ciani betont, dass die zusätzlichen Rechenzentren nur dann realistisch betrieben werden könnten, wenn die Stromnachfrage in anderen Sektoren konstant bleibt. Angesichts der zunehmenden Elektrifizierung von Verkehr und Wohnraum ist dies jedoch kaum vorstellbar. “Ohne Gegenmaßnahmen droht der EU ein Trilemma: Abhängigkeit von fossiler Energie, Einschränkungen beim Wirtschaftswachstum oder ein weiteres Zurückfallen im internationalen KI-Wettlauf”, heißt es in der Untersuchung.
Wege aus dem Dilemma
Die Expertin empfiehlt, den Ausbau von KI-Rechenzentren eng mit der Schaffung neuer CO2-armer Stromquellen zu verbinden. Eine stärkere Verzahnung von Energie- und Digitalplanung sei notwendig. Öffentliche-private Partnerschaften könnten den Aufbau erneuerbarer Energien parallel zur KI-Infrastruktur vorantreiben und so die Versorgung sichern.
(vp/pressetext)