Studie

Führungskräfte beklagen Lücken beim Wissenstransfer

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Viele Unternehmen verlieren wertvolles Know-how, weil Wissen nicht konsequent weitergegeben wird. Eine aktuelle Studie zeigt Defizite bei Qualifikation und Weiterbildung von Mitarbeitenden.

Interne Wissensweitergabe oft unzureichend

Rund 60 Prozent der Führungskräfte in Deutschland und Österreich sehen Nachholbedarf beim Wissenstransfer im Unternehmen. Das zeigt der aktuelle Hernstein Management Report 2026, der 1.600 Führungskräfte zu Lernen und Wissensweitergabe befragte. Besonders informelle Methoden wie Learning by Doing oder der Austausch unter Kollegen spielen eine wichtige Rolle, werden jedoch häufig nicht durch klare Prozesse ergänzt.

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„Wissensweitergabe ist in vielen Unternehmen noch nicht ausreichend strukturell verankert“, erklärt Gabriele Fantl, Leiterin des Bereichs Vertrieb und Projektmanagement des Bildungsinstituts Hernstein der FHWien der Wirtschaftskammer Wien. „Wenn Wissen stark an einzelne Personen gebunden bleibt, kann das unterschiedliche Ursachen haben – etwa fehlende Übergabeprozesse, begrenzte zeitliche und personelle Ressourcen oder Unsicherheit darüber, wie Wissen geteilt werden soll. Häufig wird dem strukturierten Offboarding, also einem geregelten Austrittsprozess aus dem Unternehmen, zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. In beiden Fällen geht dem Unternehmen wertvolles Wissen verloren. Wissensmanagement kann dazu beitragen, Wissen systematisch zu sichern und zugänglich zu machen. Voraussetzung dafür ist eine Unternehmenskultur, die Austausch fördert und von der Führungsebene aktiv getragen wird“, so Fantl weiter.

Neue Mitarbeitende oft nicht optimal vorbereitet

Neben Wissenslücken innerhalb des Unternehmens bemängeln Führungskräfte auch Qualifikationsdefizite bei Neueinstellungen. „Das beginnt bei der dualen Berufsausbildung für Auszubildende, betrifft aber ebenso Einarbeitungs- oder Qualifizierungsprogramme sowie Learning-on-the-Job. Rund sieben von zehn Führungskräften sind der Ansicht, dass neue Mitarbeitende nicht ausreichend qualifiziert in die Unternehmen kommen. Ein möglicher Grund dafür ist der Fachkräftemangel in vielen Branchen, zugleich gewinnen unternehmensspezifische Anforderungen an Bedeutung“, erklärt Fantl.

Unternehmen stehen damit vor der Herausforderung, ihre Mitarbeitenden systematisch weiterzubilden und praxisnah auf die Anforderungen vorzubereiten.

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Lernen im Arbeitsalltag bleibt entscheidend

Die Studie zeigt, dass informelles Lernen im Arbeitsalltag besonders hoch geschätzt wird. 84 Prozent der Führungskräfte halten kollegiale Beratung und Learning by Doing für essenziell. Formale Lernmaßnahmen sind ebenfalls wichtig: 75 Prozent sehen interne Schulungen als relevant, 60 Prozent externe Angebote.

„Informeller Austausch und kollegiale Beratung ermöglichen einen unmittelbaren Wissenstransfer im Arbeitskontext und fördern Zusammenarbeit und Vertrauenskultur. Gleichzeitig bieten externe Schulungen strukturierte Impulse, neue Perspektiven und methodische Vertiefung. Entscheidend ist das Zusammenspiel beider Lernformen“, sagt Fantl. „Informelles Lernen ist dabei häufig stark von einzelnen Personen abhängig. Ohne klare Standards oder Dokumentation besteht das Risiko, dass Wissen nicht systematisch gesichert wird. Mit steigender Managementebene gewinnt daher auch die gezielte externe Weiterbildung weiter an Bedeutung“, ergänzt sie.

Weiterbildung gewinnt an Relevanz

Die Mehrheit der Führungskräfte ist überzeugt, dass ständige Weiterbildung angesichts der schnellen Veränderungen in Unternehmen notwendig ist. Je höher die Managementebene, desto deutlicher diese Einschätzung. Gründe sind unter anderem gestiegene Anforderungen an Soft Skills und Mitarbeiterführung, wachsende Prozesskomplexität sowie die Schnelllebigkeit der Arbeitswelt.

„Acht von zehn Führungskräften sind der Ansicht, dass Weiterbildung mit mehr Gehalt verbunden sein sollte“, betont Fantl. Gleichzeitig nennen 21 Prozent hohe Kosten und 19 Prozent fehlende passende Angebote als Hürden für eine stärkere Weiterbildung.

Themenschwerpunkte und bevorzugte Formate

Bei den Inhalten der Weiterbildung stehen Social Skills (13 Prozent) sowie Krisen- und Konfliktmanagement (10 Prozent) im Vordergrund. Präsenzformate genießen dabei die größte Beliebtheit, egal ob intern oder extern angeboten.

Über die Studie:

Der Hernstein Management Report erhebt seit über 20 Jahren ein jährliches Stimmungsbild unter Führungskräften und Unternehmerinnen und Unternehmern. Befragte Personen: 1.600 Führungskräfte sowie Unternehmerinnen und Unternehmer, davon 1.000 in Deutschland und 600 in Österreich. Maximale Schwankungsbreite: +/- 2,5 Prozent. Befragungsart: Online-Befragung, durchgeführt von Triple M Matzka Markt- und Meinungsforschung.

(vp/Hernstein)

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