SAP übernimmt den Datenspezialisten Reltio. Ziel ist es, Informationen aus Nicht-SAP-Systemen besser in die eigene KI-Plattform einzuspeisen.
Die Übernahme dürfte vor allem der Business Data Cloud zugutekommen, die SAP Anfang 2025 zusammen mit Databricks gestartet hat. SAP-Vorstand Muhammad Alam sieht in der Zersplitterung von Unternehmensdaten eines der größten Hindernisse für den Einsatz von KI: “„Künstliche Intelligenz kann ihr volles Potenzial nicht erreichen, wenn Daten über Geschäftsbereiche, Plattformen und Domänen hinweg verteilt sind, ohne Verbindung zueinander oder ohne den notwendigen Kontext”, heißt es in einer Pressemitteilung. Hier soll nun Reltio ansetzen.
Das 2011 gegründete Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, zusammengehörige Datensätze aus verschiedenen Quellen und Formaten zu erkennen und zu einem einheitlichen, bereinigten Datensatz zusammenzuführen. Reltio nennt das einen “Golden Record”. Das funktioniert für Kundendaten ebenso wie für Produkt-, Lieferanten- oder Standortinformationen. Zu den Nutzern der Technologie gehören unter anderem Pfizer, Radisson und Warner Bros. Technisch setzt Reltio seit 2024 auf Googles verteiltes Datenbanksystem Spanner, nachdem das Unternehmen zuvor auf Cassandra aufgebaut hatte.
Ein Richtungswechsel bei der Datenstrategie
Bislang war die Business Data Cloud vor allem darauf ausgelegt, SAP-eigene Daten nach außen zu öffnen und mit Partnern wie Snowflake, Google BigQuery oder Microsoft Fabric zu teilen. Mit Reltio kehrt sich die Richtung um: Jetzt geht es darum, externe Daten in die SAP-Welt hereinzuholen, dort zu bereinigen und für KI-Anwendungen nutzbar zu machen.
SAP will auf dieser Grundlage KI-Agenten entwickeln, die über das gesamte Anwendungsportfolio hinweg arbeiten können, also von ERP über Personalwesen und CRM bis hin zu Lieferkette und Einkauf.
Das Bekanntheitsproblem der Business Data Cloud
SAP braucht bei der Business Data Cloud dringend Fortschritte. Eine Umfrage der deutschsprachigen Anwendervereinigung DSAG vom Dezember zeichnete ein ernüchterndes Bild: 83 Prozent der befragten Mitglieder kannten die BDC kaum oder überhaupt nicht.
Hinzu kommt Unmut bei Kunden, die sich mitten in der Cloud-Migration befinden. Die DSAG stellte auch fest, dass Unternehmen, die bei der Umstellung ins Stocken geraten, dennoch die vollen Cloud-Gebühren entrichten müssen, obwohl sie das System noch gar nicht produktiv einsetzen können.
Ob Reltio der Business Data Cloud den erhofften Auftrieb verschaffen kann, muss sich erst zeigen. SAP hat aber offenbar verstanden, dass eine KI-Plattform, die nur eigene Daten verarbeitet, für viele Unternehmen zu kurz greift.