Der US-amerikanische Sicherheitsanbieter CrowdStrike und die IT-Tochter des Lidl-Mutterkonzerns Schwarz wollen gemeinsam souveräne Cybersicherheit für europäische Unternehmen anbieten, inklusive Datenverarbeitung in EU-Rechenzentren.
CrowdStrike und Schwarz Digits haben eine langfristige strategische Partnerschaft vereinbart. Kern der Kooperation ist die Integration der CrowdStrike Falcon-Plattform in Stackit, die europäische Cloud-Infrastruktur von Schwarz Digits. Damit soll die KI-gestützte Sicherheitslösung künftig vollständig innerhalb der EU betrieben werden können.
Datenhoheit als zentrales Verkaufsargument
Der Zeitpunkt der Ankündigung ist kein Zufall. Mit dem EU Cyber Resilience Act und der NIS2-Richtlinie wächst der Druck auf Betreiber kritischer Infrastrukturen. Viele europäische Unternehmen scheuen US-amerikanische Cloud-Dienste, weil Telemetriedaten dabei potenziell außerhalb der EU landen könnten.
CrowdStrike-Chef-Business-Officer Daniel Bernard bringt die Kernfrage auf den Punkt: „Wie lässt sich KI im großen Maßstab einsetzen, ohne Kompromisse bei der Datenhoheit und Datensicherheit einzugehen?” Die Partnerschaft mit Stackit sei die Antwort darauf. Kunden könnten KI-native Schutzmaßnahmen auf EU-eigener Infrastruktur implementieren und „gleichzeitig die Leistung, Transparenz und Wirksamkeit beibehalten, die sie von CrowdStrike erwarten”.
Zugang über den Stackit Marketplace
Über den Stackit Cloud Marketplace sollen Kunden auf Falcon-Funktionen in den Bereichen Endpoint, Cloud, Identity und Exposure Management zugreifen können, ergänzt um Echtzeit-Bedrohungsinformationen. Die Telemetrie- und Erkennungsverarbeitung findet dabei laut den Unternehmen ausschließlich in europäischen Rechenzentren statt.
Co-CEO Christian Müller betont die technische Seite: Die direkte Integration in die EU-betriebene Infrastruktur trage dazu bei, „das Spannungsfeld zwischen erstklassiger Leistung und strengen Datenaufbewahrungsvorschriften zu verringern”. Kunden erhielten modernen Schutz, „der keine Kompromisse bei Geschwindigkeit und technischer Interoperabilität eingeht”.
Als erste gemeinsame Produkte nennen die Partner den Seraphic Secure Enterprise Browser sowie ein KI-basiertes SIEM der nächsten Generation.
Schwarz Digits drückt aufs Tempo
Für Schwarz Digits ist die Kooperation ein weiterer Versuch, Stackit als europäische Cloud-Alternative zu positionieren. Erst kürzlich erhob man den Anspruch, größter Hyperscaler in Europa zu werden. Co-CEO Rolf Schumann formuliert es grundsätzlicher: „Digitale Souveränität ist kein theoretisches Konzept, sondern ein entscheidender Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit Europas im KI-Zeitalter.” Es gehe um die „Freedom of Choice”, die Kunden forderten, und um „die strategische Resilienz, die Europa braucht, um wettbewerbsfähig zu bleiben”.
Zielgruppen sind vor allem Organisationen aus dem Gesundheitswesen, dem Finanzsektor, der öffentlichen Verwaltung und der Verteidigung. Die Unternehmen der Schwarz Gruppe selbst wollen ihre Cybersicherheitslösungen künftig auf der Falcon-Plattform konsolidieren. Konkrete Preise oder Verfügbarkeitsdaten wurden bislang nicht kommuniziert.