Die Digitalsparte des Lidl-Mutterkonzerns Schwarz Gruppe baut ihre Cloud-Infrastruktur massiv aus und hat mit Stackit den Anspruch, AWS, Azure und Google Cloud Konkurrenz zu machen.
Schwarz Digits, die IT-Tochter hinter Lidl und Kaufland, will hoch hinaus: „Wir wollen der Hyperscaler Nummer 1 in Europa werden”, sagt Bernd Wagner, seit November 2024 Chef des Cloud-Anbieters Stackit gegenüber der Börsen-Zeitung. Der ehemalige Google-Cloud-Manager wechselte damals die Seiten, vom US-Konzern zum deutschen Herausforderer.
Stackit startete 2018 als rein internes IT-Werkzeug für die Schwarz Gruppe und öffnete sich 2022 für externe Kunden. Heute umfasst das Portfolio Cloud-Dienste, Cybersecurity über die Marke XM Cyber sowie Beteiligungen wie etwa am KI-Unternehmen Aleph Alpha.
11 Milliarden Euro für ein einziges Rechenzentrum
Den Worten folgen Taten: Im Spreewald entsteht gerade auf dem Areal eines ehemaligen Braunkohlekraftwerks bei Lübbenau ein neues Rechenzentrum. 11 Milliarden Euro lässt sich Schwarz Digits den Bau kosten, der 2027 fertig sein soll. Zum Vergleich: AWS plant für seine gesamte deutsche Cloud-Infrastruktur 7,8 Milliarden Euro ein.
Damit nicht genug. Schwarz Digits betreibt bereits sieben Rechenzentren in Europa und will 2026 in mindestens drei weitere Länder expandieren. Neben einem Ausbau in Österreich stehen laut Wagner weitere Standorte auf der Agenda.
Banken als strategische Partner
Stackit versucht gezielt, im Finanzsektor Fuß zu fassen. Mit der Helaba, der L-Bank und der Nord/LB hat das Unternehmen bereits Kooperationen abgeschlossen, heißt es im Artikel weiter. Im Mittelpunkt stehen KI-Anwendungen, etwa zur Identitätsprüfung von Kunden, zur Betrugsbekämpfung oder für schnellere Kreditentscheidungen. „Das sind Dinge, die wir mit der Helaba entwickeln und dann im Bankensektor etablieren wollen”, so Wagner. Der Ansatz ist dabei bewusst europäisch: Alle Partnerschaften sollen strikt nach EU-Datenschutzrecht abgewickelt werden, US-amerikanischen Regulierungen soll Stackit grundsätzlich nicht unterliegen.
Trump als Argument
Genau das ist Wagner auch ein politisches Anliegen. Eine Expansion in die USA kommt für ihn nicht in Frage: „Wir investieren nicht in den USA. Es ergibt keinen Sinn, denn somit würden wir sofort den Regularien des US Cloud Act unterliegen. Das würde unsere Vision ad absurdum führen.”
Mit Blick auf die aktuelle US-Politik wird Wagner deutlich: „Wir müssen befürchten, dass die US-Administration die Marktmacht von US-Banken, Zahlungsdienstleistern oder Cloudanbietern instrumentalisiert.” Europäische Unternehmen und Behörden, die ihre Daten bei AWS oder Azure lagern, könnten so zum Spielball amerikanischer Geopolitik werden, lautet die implizite Botschaft.
Underdog mit Rückenwind
AWS, Azure und Google Cloud kontrollieren zusammen mehr als 60 Prozent des weltweiten Cloud-Markts und investieren jährlich dreistellige Milliardenbeträge. Wagner lässt sich davon nicht einschüchtern: „Die Devise lautet: einfach mal machen. Die wirtschaftlichen Gründerväter wie Bosch, Siemens, Daimler haben ja auch nicht aufgegeben, weil sie Angst vor übermächtiger Konkurrenz hatten.”