Die Hackergruppe Shadowbyt3$ fordert 500.000 US-Dollar von Starbucks. Sicherheitsforscher bezweifeln jedoch die Echtheit des geleakten Datenpakets.
Die kriminelle Gruppierung Shadowbyt3$ hat auf ihrem Blog im Darknet ein Datenpaket veröffentlicht, das angeblich aus einer erfolgreichen Infiltration der Cloud-Systeme der US-amerikanischen Kaffeehauskette Starbucks stammt. Die Angreifer behaupten, den Einbruch bereits Anfang April 2026 durchgeführt zu haben. Konkret soll der Zugriff über einen falsch konfigurierten Amazon Web Services Simple Storage Service Speicherbehälter, einen sogenannten AWS S3 Bucket, erfolgt sein.
Die Hacker geben an, mehr als zehn Gigabyte an sensiblen Daten erbeutet zu haben, darunter den Quellcode von zentralen Webanwendungen sowie die Firmware von Kaffeemaschinen. Da das Unternehmen nicht auf die Kontaktaufnahme reagiert habe und die geforderte Lösegeldsumme von 500.000 US-Dollar nicht bezahlt wurde, stellten die Akteure die Daten nun öffentlich ins Netz. Unabhängige Sicherheitsanalysten haben das Material mittlerweile einer eingehenden technischen Prüfung unterzogen und äußern erhebliche Zweifel an der Authentizität der veröffentlichten Beweise.
Forscher stufen Daten als unglaubwürdig ein
Das von Shadowbyt3$ als Beleg geteilte Datenpaket besteht nach den Erkenntnissen von Cybersicherheitsforschern größtenteils aus oberflächlichen Inhalten, die wenig Substanz aufweisen. Die Stichproben umfassen vor allem Screenshots von Verzeichnisstrukturen und Dateilisten. Zwar ist auf einem der Bilder ein Ordner mit dem Namen Starbucks_stolen_data zu sehen, dies lässt sich jedoch leicht manuell manipulieren. Ein weiterer Teil des Datensatzes enthält tatsächlich den Quellcode einer Webanwendung. Bei der Überprüfung dieses Programmcodes konnten die Analysten jedoch keinerlei Verknüpfungen, spezifische Programmierpfade oder eindeutige Hinweise finden, die eine Verbindung zu Starbucks belegen.
Stattdessen stießen die Forscher in dem Paket auf Bilddateien von Smoothies und Getränken, die offensichtlich von einer beliebigen Kaffeekette stammen könnten. Aus diesen Gründen stufen die Experten die Behauptungen der Hackergruppe zum aktuellen Zeitpunkt als nicht glaubwürdig ein. Es wird vermutet, dass die Angreifer versuchen, durch den bekannten Markennamen mediale Aufmerksamkeit zu generieren und den Druck für Erpressungsversuche künstlich zu erhöhen.
Strategischen Risiken von Quellcode-Diebstählen
Obwohl die Beweise im aktuellen Fall schwach sind, verdeutlicht die Meldung eine bekannte Bedrohung für globale Unternehmen. Der Verlust von proprietärem Quellcode stellt für jede Organisation ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Wenn Angreifer oder aggressive Marktkonkurrenten Zugriff auf den zugrundeliegenden Programmcode einer Unternehmenssoftware erhalten, können sie diesen gezielt nach bisher unbekannten Schwachstellen durchsuchen. Diese Erkenntnisse ermöglichen es kriminellen Akteuren im Anschluss, tief in die internen Netzwerke einzudringen und komplexe Folgeangriffe vorzubereiten.
Das angebliche Entwenden von Firmware-Binärdateien für vernetzte Kaffeemaschinen und Automatisierungssysteme wie die Mastrena II oder FreshBlends zeigt zudem, dass die Absicherung von operativer Technologie in den Fokus von Erpressern rückt. Die Manipulation solcher physischen Geräte in Tausenden von Filialen könnte den operativen Betrieb massiv stören, weshalb der Schutz von Cloud-Speichern eine zentrale Rolle im Risikomanagement einnimmt.
Verifizierter Personal-Datendiebstahl im März
Dass die Cybersicherheitsgemeinschaft so sensibel auf die Meldung reagiert, liegt auch an einem realen Sicherheitsvorfall, den Starbucks erst wenige Wochen zuvor bewältigen musste. Im März 2026 meldete der Konzern ein verifiziertes Datenleck, das die persönlichen Daten von Hunderten von Mitarbeitern betraf. Zwischen dem 19. Januar und dem 11. Februar 2026 war es Angreifern gelungen, über eine gezielte Phishing-Kampagne Zugriff auf das interne Personalverwaltungsportal Partner Central zu erlangen. Die Kriminellen nutzten gefälschte Anmeldeseiten, um die Zugangsdaten der Angestellten abzufangen. Von diesem Vorfall waren insgesamt 889 Mitarbeiter, vor allem aus dem Filialbereich in Nordamerika, betroffen.
Die unbefugten Dritten erlangten Zugriff auf sensible personenbezogene Informationen, darunter vollständige Namen, Geburtsdaten, Sozialversicherungsnummern sowie Bankverbindungen und Routing-Nummern. Das Unternehmen reagierte mit der Bereitstellung von kostenlosen Identitätsschutz-Diensten für die Betroffenen und leitete eine Verschärfung der Authentifizierungsverfahren für interne Portale ein. Kundendaten waren von diesem Phishing-Angriff nicht betroffen.
Lieferketten-Risiken bei Starbucks
Der Kaffeekonzern, der weltweit fast 41.000 Filialen in 88 Ländern betreibt und mehr als 380.000 Mitarbeiter beschäftigt, stand auch in der Vergangenheit vor logistischen Herausforderungen durch Cyberangriffe. Ende des Jahres 2024 war das Unternehmen indirekt von einem schweren Ransomware-Angriff auf seinen Technologiepartner Blue Yonder betroffen. Da die Software dieses Zulieferers für die Personaleinsatzplanung und die Lieferketten-Logistik genutzt wurde, mussten Filialleiter in Nordamerika wochenlang die Arbeitszeiten der Angestellten manuell mit Stift und Papier erfassen.
Zudem gab es bereits im Jahr 2022 einen bestätigten Datendiebstahl bei der Niederlassung in Singapur, bei dem die Kundendaten von mehr als 219.000 Personen entwendet und im Darknet zum Verkauf angeboten wurden. Diese historischen Vorfälle zeigen, dass die logistische Komplexität eines multinationalen Milliardenkonzerns kontinuierlich Angriffsflächen bietet, sei es über direkte Phishing-Versuche, Schwachstellen in der Lieferkette oder die fehlerhafte Konfiguration von Cloud-Ressourcen.