Mit hohen Gewinnversprechen und professionell gestalteten Internetseiten bringen Anlagebetrüger Menschen in Sachsen-Anhalt zunehmend um ihr Geld.
Sachsen-Anhalt: Anlagebetrüger erbeuten Millionen

Die erfassten Vermögensschäden hätten zur Jahresmitte 2026 bereits annähernd das Niveau des gesamten Vorjahres erreicht, teilte das Landeskriminalamt (LKA) auf Anfrage mit.
2025 registrierte die Polizei 389 Fälle von Anlagebetrug über Internet oder IT-Geräte. Der Schaden lag bei rund 13,3 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor waren es 205 Fälle mit rund 5,6 Millionen Euro Schaden. Damit stieg die Zahl der Fälle um fast 90 Prozent, der Schaden erhöhte sich sogar um mehr als das Doppelte.
Ein großer Teil der Straftaten werde aus dem Ausland begangen, teilte das LKA mit. Seit Januar wird Anlagebetrug in der polizeilichen Kriminalstatistik mit einer eigenen Schlüsselzahl geführt.
Bei vollendeten Taten zählte die Polizei 2025 insgesamt 378 Geschädigte. 206 von ihnen waren 60 Jahre oder älter, 172 jünger. Anlagebetrug treffe damit keineswegs nur ältere Menschen, die wenig Erfahrung mit digitalen Angeboten hätten.
So läuft die Masche ab
Beim sogenannten Cybertrading-Betrug werben Kriminelle etwa in sozialen Netzwerken mit vermeintlich lukrativen Geldanlagen in Aktien, Devisen oder Kryptowährungen. Nach der Registrierung auf einer Plattform melden sich angebliche Fachleute telefonisch oder per Messenger. Sie versprechen hohe Renditen bei geringem Risiko und zeigen den Opfern zunächst scheinbare Gewinne.
Oft beginne der Betrug mit einem kleinen Betrag, erläuterte das LKA. Betroffene sollen zunächst meist rund 250 Euro überweisen. Wegen der angeblich guten Entwicklung ihres digitalen Depots und auf Drängen eines «Brokers» zahlten sie später mehr ein. Wenn sie ihr Geld auszahlen lassen wollten, verlangten die Täter weitere Beträge – etwa für Gebühren, Steuern oder angebliche Versicherungen. Dann seien die Plattform und die angeblichen Berater oft nicht mehr erreichbar.
Besonders perfide sei der anschließende Versuch, bereits verlorenes Geld zurückzuholen. Betrüger meldeten sich dann erneut bei den Opfern und versprächen, das Geld gegen eine weitere Zahlung wiederzubeschaffen. Damit setzten sie die Masche mit anderen Mitteln fort, warnte das LKA.
Warnungen der Bank reichen oft nicht
Die Saalesparkasse registrierte bis zum 1. Oktober rund 60 Fälle von Anlagebetrug mit einem Schaden von mehr als einer Million Euro. Sie beobachte ein ähnliches Muster: Erst flössen kleinere Beträge auf ein deutsches Konto, später höhere Summen auf Konten im Ausland, etwa in Malta.
Dass selbst Warnungen der Bank häufig nicht ausreichen, zeigen deren Angaben für 2025: Von rund 500 auffälligen Transaktionen konnten Beschäftigte in etwa 220 Fällen eine Überweisung verhindern. In rund 280 Fällen hielten die Kunden trotz mehrfacher Hinweise an den Zahlungen fest. Täter versuchten, ihre Opfer gezielt von der Bank zu isolieren und gäben ihnen mitunter vor, wie sie auf Rückfragen antworten sollten.
Ein Kunde reagierte laut Sparkasse auf eine Instagram-Anzeige und überwies zunächst rund 300 Euro. Später zahlte er 50.000 und 120.000 Euro auf Konten in Malta. Dafür löste er Geldanlagen und eine Lebensversicherung auf. Erst mit Unterstützung des LKA erkannte er den Betrug. Einen weiteren drohenden Schaden von 100.000 Euro konnte die Sparkasse nach eigenen Angaben noch verhindern.
Das LKA rät zu besonderer Vorsicht bei angeblichen Geheimtipps und hohen Renditen ohne nennenswertes Risiko. Warnzeichen seien auch Zeitdruck, die Aufforderung zum Fernzugriff auf den eigenen Rechner sowie Überweisungen auf ausländische oder private Konten. Wer Zweifel habe, solle nicht zahlen, die Seriosität der Plattform etwa über die Unternehmensdatenbank der Finanzaufsicht Bafin prüfen und eine zweite Meinung bei Angehörigen, der Bank oder der Polizei einholen.
dpa





