Falsche Quellen

Panne bei Enisa: EU-Cyberbehörde patzt bei KI-Einsatz

Enisa
Bildquelle: Bendix M/Shutterstock.com

Ausgerechnet die Enisa, die das Cybersicherheitsniveau in Europa verbessern soll, hat offenbar beim Einsatz von KI-Tools geschludert. Forscher aus Gelsenkirchen decken gravierende Mängel in offiziellen Dokumenten auf.

Künstliche Intelligenz hält Einzug in Behörden, doch nicht immer läuft der Einsatz reibungslos. Die Europäische Agentur für Cybersicherheit (Enisa) hat in Berichten über Hackerangriffe selbst KI-Werkzeuge verwendet und dabei erhebliche Qualitätsprobleme produziert, wie der Spiegel berichtet.

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Gelsenkirchener Forscher entlarven fehlerhafte Quellenangaben

Wissenschaftler vom Institut für Internet-Sicherheit der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen stießen bei der Überprüfung auf systematische Fehler. Professor Christian Dietrich und sein Kollege Raphael Springer fanden heraus, dass die Behörde in mindestens zwei Veröffentlichungen KI einsetzte, ohne dies kenntlich zu machen.

Das Ergebnis: Fast fünf Prozent der Fußnoten in einem der untersuchten Berichte enthielten nicht funktionierende Links. “Man hätte nur einmal draufklicken müssen”, so Dietrichs Kommentar zur offensichtlichen Qualitätslücke. Der Professor kritisiert vor allem die fehlende Sorgfalt: “Mich stört maßgeblich, dass eine öffentliche Behörde, die in meinen Augen die sehr wichtige Aufgabe hat, verlässliche, nachvollziehbare Berichte herauszugeben, das in diesem Fall nicht getan hat.”

Behörde gibt Fehler zu

Die Enisa, die über ein jährliches Budget von knapp 27 Millionen Euro verfügt, bestätigte gegenüber dem Magazin die Probleme. Man übernehme Verantwortung für die “Mängel”. Die Erklärung der unter Leitung von Juhan Lepassaar stehenden Agentur: Bei “kleineren redaktionellen Überarbeitungen” sei KI zum Einsatz gekommen. Dabei seien durch “menschliche Fehler” einige funktionierende Links verändert worden. An der Validität der inhaltlichen Aussagen ändere dies jedoch nichts.

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Ausgerechnet die Cybersicherheitsbehörde

Die Ironie des Falls liegt auf der Hand: Die in Griechenland ansässige Enisa hat nach eigener Darstellung die Aufgabe, zur Cyberpolitik der EU beizutragen und das Vertrauen in digitale Produkte und Dienste zu stärken. Sie entwickelt Zertifizierungssysteme für Cybersicherheit und soll die EU-Mitgliedstaaten auf kommende Herausforderungen in diesem Bereich vorbereiten. Wer anderen Vertrauenswürdigkeit bescheinigen soll, muss diese zunächst selbst unter Beweis stellen – eine Lektion, die die Enisa nun schmerzhaft lernen musste.

Lars

Becker

Redakteur

IT Verlag GmbH

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