Open-Source-Verband

OSBA warnt: „Buy European“ ist keine Souveränität

EU

Eine deutsch-französische Taskforce arbeitet an einer verbindlichen Definition digitaler Souveränität. Der größte Open-Source-Verband Europas fürchtet, dass dabei Abschottung mit Unabhängigkeit verwechselt wird.

Was bedeutet „digitale Souveränität“ eigentlich, und wer legt das fest? Diese Frage ist gerade dabei, weitreichende Folgen für die deutsche und europäische IT-Politik zu bekommen. Eine deutsch-französische „Taskforce für die Digitale Souveränität Europas“, die beim Souveränitätsgipfel am 18. November 2025 in Berlin gegründet wurde, erarbeitet derzeit eine verbindliche Definition des Begriffs. Diese soll künftig als Grundlage für Gesetzgebung, Förderprogramme und, besonders relevant, öffentliche Beschaffung dienen.

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Die Open Source Business Alliance (OSBA), nach eigenen Angaben mit über 260 Mitgliedsunternehmen der größte Open-Source-Verband Europas, wurde zu einer Befragung im Rahmen der Initiative eingeladen. Und nutzt die Gelegenheit für eine deutliche Warnung: Man dürfe nicht hinter die bereits etablierte Definition des IT-Planungsrates zurückfallen.

Drei Kriterien aus dem IT-Planungsrat

Der IT-Planungsrat beschreibt digitale Souveränität anhand von drei Voraussetzungen: Wechselfähigkeit, Gestaltungsfähigkeit und Einfluss auf Anbieter. Genau diese Punkte, so die Argumentation der OSBA, ließen sich mit Open-Source-Software in besonderem Maße erfüllen. Offener Code sei transparent überprüfbar, könne unabhängig betrieben und nach eigenen Bedürfnissen angepasst werden.

Rückenwind bekommt der Verband aus dem Ministerium, das den Prozess verantwortet. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger hatte im Mai 2026 auf der re:publica das Bekenntnis der Bundesregierung zu Open Source bekräftigt. „Open Source soll Leitprinzip werden und heute geht es um Verbindlichkeit“, sagte Wildberger. „Bei allen neuen Beschaffungen des Bundes hat Open Source Vorrang.“ Und weiter: „Der Code, den der Bund mit Steuergeld bauen lässt, gehört der Öffentlichkeit.“ Sein Fazit: „Public Money, Public Code.“ OSBA-Vorstandsvorsitzender Peter Ganten schließt sich dem ausdrücklich an und fordert, diese Haltung müsse sich unmittelbar in der neuen Definition widerspiegeln.

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„Buy European“ reicht dem Verband nicht

Der eigentliche Streitpunkt zeichnet sich schon ab: die Sorge, dass digitale Souveränität auf eine reine Standortfrage verkürzt wird. Ein „Buy European“-Ansatz, also der Vorrang europäischer Anbieter, sei keine echte Souveränität, argumentiert die OSBA. Wer auf einen europäischen Anbieter setze oder Daten in einem deutschen Rechenzentrum speichere, habe noch nichts gewonnen, solange Quellcode und Architektur intransparent blieben und tiefe Abhängigkeiten den eigenen Handlungsspielraum einschränkten.

Ganten formuliert es zugespitzt: „Es wäre gefährlich, die Definition kurzsichtig nur auf europäische Produkte zu reduzieren, denn europäische Closed-Source-Software bietet gegenüber außereuropäischen Wettbewerbern nur wenige Vorteile.“ Auch außereuropäische Open-Source-Software könne zur digitalen Souveränität beitragen. Sein Kernargument: „Digitale Souveränität ist keine Frage des Standortes, sondern der Kontrollierbarkeit, und diese wird durch Open Source gewährleistet.“

Aus dieser Logik leitet der Verband seine zentrale Forderung ab: einen konsequenten „Open Source First“-Ansatz statt einer aus seiner Sicht oberflächlichen „Buy European“-Politik. Resilienz entstehe nicht durch Abschottung. Nebenbei nimmt die OSBA auch die Wirtschaftsperspektive mit: Die freie Nutzung verfügbarer Komponenten senke Markteintrittsbarrieren, verkürze Innovationszyklen und schaffe echten Wettbewerb.

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Das Ökosystem stehe bereit

Ein Argument zielt direkt auf mögliche Einwände, der Aufbau souveräner Strukturen sei zu aufwendig. Ein skalierbares, digital souveränes Open-Source-Ökosystem existiere bereits heute in Deutschland und Europa und müsse nicht von Grund auf neu errichtet werden. Die Mitgliedsunternehmen seien bereit, dieses Potenzial in Beschaffung, Verwaltung und Infrastruktur zu heben.

Die Bedingung dafür bleibt aber dieselbe wie am Anfang: eine Definition, die diesen Weg nicht versperrt. „Eine Neudefinition digitaler Souveränität darf auf keinen Fall hinter dieses im IT-Planungsrat bestehende Verständnis zurückfallen“, warnt Ganten.

Lars

Becker

Stellvertretender Chefredakteur

IT Verlag GmbH

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