Dokument gestrichen

Microsoft nimmt RAM-Empfehlungen für Windows 11 zurück

Windows 11
Bildquelle: sdx15/Shutterstock.com

Microsoft hat mehrere Support-Beiträge aus dem Windows Learning Center entfernt, in denen früher empfohlen wurde, für Windows 11 mit mindestens 32 GByte Arbeitsspeicher zu planen.

Die Löschung wurde von der Seite Windows Latest entdeckt. Ein betroffenes Dokument trug den Titel „How to optimize your gaming PC setup“ und war ursprünglich im November 2025 veröffentlicht worden. Wer die alte Adresse aufruft, landet inzwischen ohne Erklärung auf der Startseite des Learning Centers.

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Was in den gelöschten Texten stand

In dem Dokument hatte Microsoft geschrieben, 16 GByte RAM reichten für die meisten Spieler aus, während 32 GByte für ambitionierte Nutzer mit anspruchsvollen Titeln oder umfangreichen Mods geeignet seien. Copilot+-PCs wurden dabei als einfacher Weg zu dieser Speicherausstattung genannt. Ein weiteres, inzwischen ebenfalls gelöschtes Dokument bezeichnete 32 GByte als sorgenfreien Bereich für Windows-11-Gaming. Beide Texte verschwanden jeweils kurz nachdem sie wegen der gestiegenen Speicherpreise für Kritik von Nutzern gesorgt hatten.

Widerspruch zur eigenen Hardware

Die Löschung fällt zusammen mit einer Produktlinie, die dieser früheren Empfehlung entgegensteht. Copilot+-PCs sind laut Microsofts eigenem Branding an mindestens 16 GByte RAM gebunden. Im Juni erschienen mit dem Surface Pro 12 und dem Surface Laptop 13 aber Basisversionen mit nur 8 GByte RAM, zu Preisen von 849 beziehungsweise 949 US-Dollar. Diese Modelle erfüllen damit die Copilot+-Vorgaben nicht. Bereits einen Monat vorher war aufgefallen, dass auch der Surface Laptop for Business trotz Copilot+-Kennzeichnung mit 8 GByte RAM für 1299 US-Dollar angeboten wird.

Auch die Beschreibung auf den Verkaufsseiten änderte sich. Bis zum 25. Juni wurde dort für die 8-GByte-Variante formuliert, sie sei gut geeignet für alltägliche Aufgaben wie Surfen, Streaming, Schularbeiten und Produktivitäts-Apps. Das steht im Gegensatz zur vorherigen Linie, nach der ernsthafte Nutzung deutlich mehr Speicher erfordere.

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Warum Windows 11 überhaupt so viel Speicher braucht

Ein technischer Grund für den hohen RAM-Bedarf liegt in der Bauweise von Windows 11. Weite Teile der Oberfläche laufen über React und WebView2, und ein großer Teil der verbreiteten Windows-Anwendungen sind Electron-basierte Web-Wrapper anstatt native Programme. Beide Technologien gelten als speicherintensiv. So soll allein Copilot nach dem Start auf einem 32-GByte-System knapp 1 GByte belegen.

Ein Markt unter Druck

Hinter der Kehrtwende steckt ein PC-Markt, der sich sichtbar abschwächt. Laut IDC sanken die weltweiten PC-Auslieferungen im zweiten Quartal 2026 um 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der erste Rückgang nach neun Wachstumsquartalen in Folge. Für das Gesamtjahr rechnet IDC mit einem Minus von 11,3 Prozent, wobei die Knappheit bei Arbeitsspeicher voraussichtlich bis 2027 anhält. IDC-Analyst Jitesh Ubrani geht davon aus, dass Hersteller darauf sowohl mit neuer Hardware als auch mit einem effizienteren Betriebssystem reagieren werden. Zusätzlich bleibt Windows 10 trotz offiziellem Support-Ende im Einsatz, unter anderem wegen verlängertem Sicherheitssupport, obwohl es deutlich weniger Speicher benötigt als sein Nachfolger.

Microsofts Antwort: ein schlankeres Windows

Am 31. Juli reagierte Microsoft mit einer Ankündigung zur Speicheroptimierung für Geräte mit 8 GByte RAM und mehr. Ziel sei es, den Speicherbedarf von Windows zu senken und eine schnelle, reaktionsfreudige Nutzung auf den Geräten der Kundschaft sicherzustellen. Als Zeitrahmen wurde das Ende des Jahres 2026 genannt.

Ein konkretes Beispiel für diese Richtung ist die native Oberflächentechnologie WinUI, die im Vergleich zu WebView2 als sparsamer gilt. Die Druckverwaltung wurde vor kurzem in WinUI 3 neu umgesetzt, nachdem bereits der Eigenschaften-Dialog und weitere ältere Dialogfenster auf diese Weise überarbeitet wurden. Microsoft räumte gleichzeitig ein, dass auch native Anwendungen teilweise noch mehr Speicher benötigen als nötig, und kündigte an, Entwickler künftig stärker von Web-Wrapper-Anwendungen wegzuführen, verbunden mit einer umfassenderen Überarbeitung der Oberfläche auf Basis von WinUI.

Kein Umbruch bei den Marktanteilen

Trotz der Diskussion um Speicherbedarf und Preise hat Windows 11 bislang keine deutlichen Marktanteile verloren. Berichte über angebliche starke Zuwächse von Linux auf dem Desktop erwiesen sich als Verzerrung durch KI-Crawler-Bots.

Am Ende steht Microsoft zwischen zwei Positionen, die sich nur schwer vereinen lassen. Eine allgemeine Empfehlung von 32 GByte lässt sich angesichts der Preise kaum noch vertreten, gleichzeitig verkauft das Unternehmen weiterhin Geräte mit 8 GByte RAM, die unter dem aktuellen Windows 11 sichtbar an ihre Grenzen kommen. Die angekündigte Speicheroptimierung ist der Versuch, beide Seiten dieses Problems gleichzeitig zu lösen.

(red)

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