Neue Ansätze aus der Forschung

Lebende Muskeln treiben Mini-Roboter an

Roboter-Muskel

Ein Forschungsteam der National University of Singapore hat einen ungewöhnlichen Weg eingeschlagen, um die Leistungsfähigkeit von Mini-Robotern zu steigern.

Statt klassischer Antriebe setzen die Wissenschaftler um Tan Yu Jun und Zhou Jinrun auf gezüchtete biologische Muskeln, die gezielt trainiert werden. Das Ergebnis ist ein biohybrider Schwimmroboter, der neue Maßstäbe in seiner Klasse setzen könnte (via Pressetext).

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Der zentrale Ansatz der Forscher besteht darin, Muskelzellen nicht nur zu züchten, sondern auch aktiv zu trainieren. Inspiriert von körperlichem Training wie Armdrücken, wurden die Muskelstrukturen so angeordnet, dass sie gegeneinander arbeiten.

Dieses kontinuierliche „Krafttraining“ lief über mehrere Tage hinweg rund um die Uhr ab. Dabei steigerten die Muskeln ihre Leistungsfähigkeit eigenständig – ohne direkte Eingriffe durch die Wissenschaftler. Das Ergebnis: eine deutlich erhöhte Kontraktionskraft, die sich direkt auf die Bewegungsleistung des Roboters auswirkt.

Schneller als vergleichbare Bio-Roboter

Der entwickelte Schwimmroboter erreicht eine Geschwindigkeit von rund 467 Millimetern pro Minute. Während dieser Wert für klassische Maschinen eher moderat erscheint, gilt er im Bereich biohybrider Systeme als bemerkenswert hoch.

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Die Fortbewegung erfolgt über eine einfache, aber effektive Mechanik: Ein elektrisch stimulierter Muskel zieht sich zusammen und bewegt eine kleine Flosse, wodurch sich der Roboter im Wasser vorwärtsbewegt.

Vorteile gegenüber klassischen Robotern

Neben der Geschwindigkeit bietet der biologische Ansatz weitere entscheidende Vorteile. Die weichen Materialien machen die Systeme besonders flexibel und anpassungsfähig.

Dadurch eröffnen sich neue Einsatzmöglichkeiten, etwa:

  • als minimalinvasive Werkzeuge in der Medizin
  • für Umweltmessungen in sensiblen Ökosystemen wie Korallenriffen
  • als biologisch abbaubare Systeme, die sich nach ihrem Einsatz selbst zersetzen

Im Gegensatz zu herkömmlichen Robotern hinterlassen diese biohybriden Lösungen keine dauerhaften Rückstände.

Die Grundlage für den Trainingseffekt liegt in einem bekannten biologischen Verhalten. Junge Muskelzellen beginnen nach wenigen Tagen, sich eigenständig zusammenzuziehen und wieder zu entspannen.

Die Forscher nutzten diese Eigenschaft gezielt aus, indem sie die Zellen mechanisch miteinander verbanden. Durch das gegenseitige „Arbeiten“ der Zellen verstärkte sich deren Leistungsfähigkeit – ähnlich wie bei einem Muskeltraining im menschlichen Körper.

Die Entwicklung zeigt, wie sich biologische und technische Systeme immer stärker miteinander verbinden. Biohybride Roboter könnten künftig überall dort eingesetzt werden, wo klassische Technik an ihre Grenzen stößt – sei es durch Größe, Flexibilität oder Umweltverträglichkeit.

Die Kombination aus selbstlernenden biologischen Komponenten und technischer Steuerung eröffnet damit neue Möglichkeiten für Medizin, Umweltforschung und Robotik.

Pauline Dornig

Pauline

Dornig

Online-Redakteurin

IT Verlag GmbH

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