Kommentar

Kryptomarkt: Unveränderlichkeit treibt Bitcoin

„Wir analysieren Unveränderlichkeit und Programmierbarkeit im Hinblick auf digitale Vermögenswerte und kommen zu dem Schluss, dass für eine Diversifizierung wahrscheinlich eine Kombination aus beidem ideal ist“, erklärt Matthew Sigel, Leiter der Abteilung Digital Assets Research bei VanEck in seinem aktuellen Kryptomarkt-Kommentar.

Unveränderlichkeit und Programmierbarkeit stehen für gegensätzliche Richtungen, doch beides kann für die Beteiligten von Nutzen sein. Am einen Ende des Spektrums: Eine Unze Gold, die seit Jahrtausenden unverändert ist. Ihre Reinheit kann von einem Chemiestudenten leicht überprüft werden. „Am anderen kann sich ein Anteil am Stammkapital einer SPAC befinden: Oft für fast 10 US-Dollar pro Aktie einlösbar, bevor ein M&A-Deal abgeschlossen wird, aber zugleich abhängig von den Launen des Sponsors, der seine Pläne ändern und ein Angebot für ein Unternehmen abgeben könnte, das ein völlig anderes Geschäftsmodell besitzt als das ursprünglich in Aussicht gestellte“, so Sigel.

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Kompromisse zwischen Unveränderlichkeit und Programmierbarkeit gelten auch für digitale Vermögenswerte. „Die Teilnehmer des Bitcoin-Netzwerks lieferten sich 2015-2017 einen brutalen Bürgerkrieg, der damit endete, dass sich die Blockgröße nicht veränderte“, sagt Sigel. „Dieses Ergebnis war für die Unternehmen enttäuschend, unterstrich aber die Unveränderlichkeit von Bitcoin als eines seiner wichtigsten Verkaufsargumente.“ So hat zum Beispiel die Veröffentlichung von Taproot im November 2021, einem Bitcoin-Netzwerk-Upgrade, mit dem Multi-Signature-Transaktionen billiger und schneller werden sollen, ganze vier Jahre gedauert.

Am anderen Ende des Spektrums zwischen unveränderlich und programmierbar stehen sogenannte Open-Source-Smart-Contract-Protokolle wie Ethereum (ETH). Diese zeichnen sich dank der technischen Architektur und der flexibleren Geldpolitik durch eine größere Anpassungsfähigkeit aus. In Bezug auf die Architektur ermöglicht Ethereum Unternehmern die Ausführung zensurresistenter, ständig aktiver Apps, die mit einem dezentralen Computer, der virtuellen Ethereum-Maschine, interagieren können. „Die Flexibilität vieler Proof-of-Stake-Chains ist einer der Gründe, warum einige Regulierungsbehörden gezögert haben, sie als Güter zu betrachten: Der Code ändert sich, in der Regel zum Schutz wirtschaftlicher Interessen“, erklärt Sigel.

Ethereums Governance ist auch insofern programmierbarer als die von Bitcoin, als dass Ethereum bereits einmal im Jahr 2017 mit einer Hard Fork sozusagen wiedergeboren wurde, nachdem Hacker 3,63 Millionen ETH durch einen Re-entrancy-Angriff aus der ursprünglich dezentralen autonomen Organisation (DAO) abgezogen hatten. Insgesamt wurde der Quellcode von ETH seit 2015 im Durchschnitt zweimal pro Jahr aktualisiert, um die Netzwerkfunktionalität und -sicherheit zu verbessern.

„Man könnte argumentieren, dass Ethereum im Wettbewerb mit gewinnorientierten Banken, Zahlungsverkehrs- und Web 2.0-Unternehmen eine solche Agilität benötigt, um erfolgreich zu sein“, so Sigel. „Der Vorteil von Bitcoin hingegen, das sich gegenüber einem Papiergeldsystem eher träge verhält, welches sich durch die Inflation im Laufe der Zeit als regressiv und politisch beeinflussbar entpuppt, liegt in seiner Unveränderlichkeit.“

www.vaneck.com
 

 

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