Nur 18 Prozent Workflow-Integration

KI-Investitionen 2026: Warum das Umsatzplus meist ausbleibt

KI Büro

Unternehmen nutzen KI vorrangig zur Effizienzsteigerung. Veraltete IT-Systeme und fehlende Prozessanbindung verhindern echtes Wachstum.

Der Einsatz künstlicher Intelligenz in der globalen Wirtschaft hat einen Reifegrad erreicht, der über reine Pilotprojekte hinausgeht. Dennoch zeigt eine aktuelle Untersuchung von Harvard Business Review Analytic Services, dass der finanzielle Durchbruch in Form von neuem Umsatzwachstum für die Mehrheit der Unternehmen weiterhin in weiter Ferne liegt. Während Investitionen in die Technologie massiv steigen, bleibt die Wirkung oft auf interne Optimierungen begrenzt. Die Daten werfen ein Schlaglicht auf die strukturellen Defizite, die eine skalierbare Wertschöpfung verhindern.

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Nur 30 Prozent generieren mit KI neue Umsatzquellen

Die Ergebnisse der Befragung von 385 Führungskräften im März 2026 verdeutlichen ein klares Ungleichgewicht zwischen operativen Gewinnen und strategischem Wachstum. Rund 64 Prozent der Organisationen verzeichnen messbare Produktivitätssteigerungen. Weitere 58 Prozent geben an, ihre operative Effizienz verbessert zu haben. Diese Erfolge finden jedoch primär innerhalb bestehender Strukturen statt. Wenn es um die Generierung neuer Umsatzquellen geht, sinkt der Anteil der erfolgreichen Unternehmen auf lediglich 30 Prozent.

Diese Diskrepanz lässt darauf schließen, dass KI derzeit vor allem als Werkzeug zur Kostenreduktion verstanden wird. Experten beobachten hier ein Muster, das an frühere Digitalisierungswellen erinnert: Neue Technologien werden auf alte Prozesse aufgesetzt, anstatt die Geschäftsmodelle grundlegend zu transformieren. Solange die KI lediglich Aufgaben beschleunigt, aber keine neuen Marktchancen erschließt, bleibt ihr Beitrag zum Unternehmensergebnis defensiv.

Strukturelle Isolation bremst den Business Impact

Ein wesentliches Hindernis für den Erfolg ist die mangelnde Integration der KI in die täglichen Arbeitsabläufe. Die Studie belegt, dass nur 18 Prozent der Unternehmen die Technologie direkt in ihre Workflows eingebettet haben. Die Mehrheit von 34 Prozent nutzt KI stattdessen als eigenständige Werkzeuge, die parallel zu den eigentlichen Prozessen existieren. Diese funktionale Trennung führt dazu, dass wertvolle Daten und Erkenntnisse nicht dort ankommen, wo operative Entscheidungen getroffen werden.

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Dabei ist der Zusammenhang zwischen Integration und Nutzen statistisch belegbar. Von den Unternehmen, die KI tief in ihre Prozesse einbinden, berichten 71 Prozent von einem substanziellen Mehrwert. Im Gegensatz dazu bleibt der Effekt bei isolierten Anwendungen oft marginal und schwer skalierbar. Die Herausforderung besteht darin, die KI von einem Beistell-Tool zu einem integralen Bestandteil der Prozesskette zu machen.

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Technische Altlast bremst KI-Strategien

Die technische Altlast, oft als Legacy-Systeme bezeichnet, erweist sich als Bremsklotz für moderne KI-Strategien. 69 Prozent der Befragten geben an, dass ihre bestehende IT-Infrastruktur die Skalierung von KI-Anwendungen verhindert. Diese Systeme sind oft nicht für den Datenaustausch in Echtzeit ausgelegt, der für fortschrittliche Modelle notwendig wäre.

Neben der Hardware stellen auch Datensilos (34 Prozent) und mangelnde Systemkompatibilität (31 Prozent) erhebliche Hürden dar. Unternehmen, die den Fokus auf die Modernisierung ihrer Altsysteme legen, verzeichnen laut der Studie die höchsten Erfolgsquoten. Rund 76 Prozent der Organisationen, die ihre Infrastruktur erneuert haben, konnten dadurch den messbaren Nutzen ihrer KI-Projekte signifikant steigern. Die Integration von Datenquellen und die Orchestrierung von Workflows über verschiedene Anwendungen hinweg werden somit zu den entscheidenden Erfolgsfaktoren.

Vorsicht bei autonomen Agenten in Kernbereichen

Ein neuer Fokus der technologischen Entwicklung im Jahr 2026 liegt auf autonomen KI-Agenten. Diese Systeme können eigenständig Aufgabenpakete abarbeiten, ohne dass jeder Schritt manuell angestoßen werden muss. Doch während diese Agenten in der Softwareentwicklung (35 Prozent) und im IT-Betrieb (31 Prozent) bereits etabliert sind, herrscht in den physischen Kernbereichen der Unternehmen große Zurückhaltung. In der Fertigung (10 Prozent) und der Lieferkette (11 Prozent) ist der Einsatz bisher verschwindend gering.

Der Grund für dieses Zögern liegt in der Komplexität und dem Risiko dieser Bereiche. Fehler in der Produktion oder Logistik haben unmittelbare physische und finanzielle Folgen. Da viele Unternehmen noch keine ausreichenden Governance-Strukturen für autonome Systeme besitzen, bleibt das Vertrauen in die KI-Agenten hier begrenzt.

Sicherheitslücke bei der Governance

Das Thema Sicherheit und Kontrolle wird durch den Trend zu agentischen Systemen immer dringlicher. 92 Prozent der Entscheider sind sich einig, dass KI-Agenten feste, regelbasierte Leitplanken benötigen. Dennoch verfügt bisher weniger als die Hälfte der befragten Firmen (48 Prozent) über solche definierten Regeln. Diese Lücke zwischen Erkenntnis und Umsetzung birgt erhebliche Risiken: Ohne klare Vorgaben können autonome Agenten unvorhersehbare Entscheidungen treffen, die systemübergreifend Instabilitäten auslösen könnten.

Strategische Weichenstellung durch Prozessdesign

Um das volle Potenzial der künstlichen Intelligenz auszuschöpfen, rückt im laufenden Jahr das Prozessdesign in den Mittelpunkt der Unternehmensstrategie. Rund die Hälfte der befragten Organisationen konzentriert sich darauf, Regeln und Leitplanken für die KI-Nutzung zu definieren und Workflows funktionsübergreifend zu standardisieren.

Unternehmen, die den Fokus von der reinen Produktivitätssteigerung einzelner Mitarbeiter hin zur systemischen Integration in die Kernprozesse verschieben, werden in der Lage sein, KI als echten Wachstumstreiber zu nutzen. Die Modernisierung der IT-Landschaft und die Etablierung klarer Governance-Strukturen sind dabei die notwendigen ersten Schritte.

Autorenbild Lisa Löw

Lisa

Löw

Junior Online-Redakteurin

IT-Verlag

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