Administrator auf Mallorca festgenommen

Schlag gegen Crimenetwork: Polizei zerschlägt erneut kriminellen Marktplatz

Handschellen

Die deutsche Polizei hat die zweite Version von Crimenetwork abgeschaltet. Ein 35-jähriger Administrator wurde verhaftet, Daten von 22.000 Nutzern sichergestellt.

Den deutschen Strafverfolgungsbehörden ist in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern ein bedeutender Schlag gegen die deutschsprachige Cyberkriminalität gelungen. Wie das Bundeskriminalamt und die zuständigen Schwerpunktstaatsanwaltschaften mitteilten, wurde die zweite Iteration des illegalen Online-Marktplatzes „Crimenetwork“ (CNW) zerschlagen und vollständig vom Netz genommen. Im Zuge der Operation wurde der mutmaßliche Administrator der Plattform, ein 35-jähriger deutscher Staatsbürger, auf der spanischen Insel Mallorca festgenommen. Die Ermittler stellten umfangreiche Beweismittel und Vermögenswerte sicher.

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Crimenetwork: Hohe Resilienz gegenüber Polizei

Die Geschichte von Crimenetwork ist geprägt von einer hohen Resilienz gegenüber polizeilichen Maßnahmen. Die ursprüngliche Plattform war über zwölf Jahre lang eine der zentralen Anlaufstellen im deutschsprachigen Raum für den Handel mit illegalen Gütern. Im Dezember 2024 gelang den Behörden ein erster großer Schlag, bei dem die Seite abgeschaltet und ein mutmaßlicher Betreiber verhaftet wurde. Zu diesem Zeitpunkt zählte Crimenetwork über 100.000 Käufer und rund 100 spezialisierte Verkäufer. Schätzungen zufolge wurden zwischen 2018 und 2024 Kryptowährungen im Wert von über 100 Millionen US-Dollar über das Portal transferiert.

Trotz dieses Eingriffs dauerte es nur wenige Tage, bis eine zweite Version des Marktplatzes auf einer komplett neu aufgebauten Infrastruktur online ging. Diese „Wiedergeburt“ zog innerhalb kürzester Zeit eine große Zahl der alten Nutzerschaft an. Bis zur aktuellen Abschaltung im Mai 2026 war die Plattform wieder auf über 22.000 registrierte Nutzer und mehr als 100 aktive Händler angewachsen. Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich bei dem Großteil der Nutzer um deutschsprachige Akteure handelt.

Kriminelles Portfolio und operative Strukturen

Das Angebot auf der zweiten Version von Crimenetwork entsprach weitestgehend dem des Vorgängers. Es handelte sich um ein breit gefächertes Sortiment illegaler Waren und Dienstleistungen. Im Fokus standen insbesondere:

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  • Gestohlene Daten: Kreditkartendaten, Zugangsdaten zu Online-Banking-Portalen und persönliche Identitätsdatensätze.
  • Betäubungsmittel: Der Handel mit verschiedenen illegalen Substanzen nahm einen erheblichen Teil des Transaktionsvolumens ein.
  • Gefälschte Dokumente: Ausweise, Führerscheine und andere offizielle Dokumente wurden professionell zum Kauf angeboten.
  • Cybercrime-as-a-Service: Malware-Bausätze, Botnetz-Zugänge und Anleitungen für Betrugsmaschen.

Die Plattform fungierte als Treuhandinstanz zwischen Käufern und Verkäufern, um das Risiko von Betrug innerhalb der kriminellen Gemeinschaft zu minimieren. Die Betreiber finanzierten sich dabei über Provisionszahlungen bei jedem erfolgreichen Handel.

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Crimenetwork machte Umsatz von mehr als 3,6 Millionen Euro

Die Ermittlungen zur finanziellen Schlagkraft der zweiten Plattformgeneration offenbarten beachtliche Zahlen. Den gesicherten Beweisen zufolge generierte Crimenetwork 2.0 in seiner vergleichsweise kurzen Laufzeit einen Umsatz von mehr als 3,6 Millionen Euro (ca. 4,2 Millionen US-Dollar). Die Zahlungen wurden ausschließlich über anonymisierte oder pseudo-anonymisierte Kryptowährungen abgewickelt.

Primär kamen Bitcoin (BTC), Litecoin (LTC) und die auf Anonymität spezialisierte Währung Monero (XMR) zum Einsatz. Die Nutzung von Monero erschwerte den Ermittlern die Nachverfolgung der Zahlungsströme erheblich, da diese Kryptowährung Transaktionsdetails wie Sender, Empfänger und Betrag verschleiert. Dennoch gelang es den Cybercrime-Spezialisten der Polizei, die Geldflüsse so weit zu analysieren, dass sie eine Verbindung zum Administrator herstellen konnten. Im Rahmen der Festnahme wurden Vermögenswerte in Höhe von rund 194.000 Euro beschlagnahmt, die direkt aus den kriminellen Aktivitäten der Plattform stammen sollen.

Festnahme auf Mallorca

Der Zugriff auf den mutmaßlichen Hauptadministrator erfolgte durch spanische Polizeikräfte in enger Abstimmung mit den deutschen Behörden. Der 35-jährige Verdächtige hielt sich in Mallorca auf, von wo aus er mutmaßlich die technische Infrastruktur des Marktplatzes steuerte. Die Verhaftung markiert das Ende einer monatelangen Überwachung und verdeckten Ermittlung.

Spanien gilt häufig als Rückzugsort für Akteure der Cybercrime-Szene, was die Bedeutung der internationalen Rechtshilfeabkommen unterstreicht. Neben der Verhaftung wurden bei Hausdurchsuchungen zahlreiche Hardware-Komponenten, Datenträger und Smartphones sichergestellt. Die technische Infrastruktur des Marktplatzes wurde zeitgleich durch Spezialisten der deutschen Polizei in einem koordinierten Zugriff übernommen und deaktiviert.

Auswertung der Nutzerdaten als nächster Schritt

Eine der wichtigsten Errungenschaften dieses Einsatzes ist die Sicherstellung „umfangreicher Nutzer- und Transaktionsdaten“. Die Ermittler verfügen nun über Datenbanken, die Aufschluss über die Identität der 22.000 Nutzer sowie über die Details der abgewickelten Geschäfte geben könnten. Erfahrungsgemäß folgen auf die Abschaltung eines solchen Marktplatzes hunderte, wenn nicht tausende Ermittlungsverfahren gegen die Käufer und Verkäufer der Plattform.

Die Polizei betonte, dass die Analyse dieser Daten nun Priorität habe, um tiefere Einblicke in die kriminellen Strukturen und die Vernetzung der Akteure zu gewinnen. Für die Nutzer von Crimenetwork bedeutet dies ein erhebliches rechtliches Risiko, da auch vermeintlich anonyme Transaktionen durch die Kombination von Forensik auf der Plattform und Blockchain-Analyse nachträglich zugeordnet werden können. Die Polizei kündigte an, jeden identifizierten Fall konsequent zu verfolgen, um ein klares Signal gegen die scheinbare Anonymität im Darknet und auf Untergrundforen zu setzen.

Autorenbild Lisa Löw

Lisa

Löw

Junior Online-Redakteurin

IT-Verlag

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