Framework für autonome KI-Agenten

Hermes Agent als Alternative zu OpenClaw

Hermes Agent Workspace Bildquelle: Screenshot / Hermes Workspace
Bildquelle: Screenshot / Hermes Workspace

Das quelloffene Framework Hermes Agent bietet Entwicklern eine lernfähige Systemarchitektur und etabliert sich als Alternative zur Laufzeitumgebung OpenClaw.

Die Landschaft der autonomen KI-Agenten und deren Steuerungs-Infrastrukturen verzeichnet eine tiefgreifende technologische Differenzierung. Während frühere Generationen von KI-Assistenten meist rein sitzungsgebunden agierten und nach dem Schließen einer Anwendung sämtliche Kontexte verloren, stehen im Entwicklerbereich nun persistente Laufzeitumgebungen im Fokus. Neben dem weit verbreiteten Framework OpenClaw hat sich der von Nous Research entwickelte „Hermes Agent“ als eine der am häufigsten diskutierten Open-Source-Alternativen etabliert. Beide Systeme dienen als strukturelles Gerüst (Scaffolding) um große Sprachmodelle (LLMs) wie Anthropic Claude oder OpenAI-Modelle herum. Sie ermöglichen den autonomen Zugriff auf Dateisysteme, Web-Scraping-Werkzeuge und Kommunikationskanäle wie Telegram, Slack oder WhatsApp. Ein direkter Vergleich zeigt jedoch grundlegende Unterschiede in der Systemarchitektur, der Stabilität und dem Ressourcenverbrauch.

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Hermes Agent für Entwickler von LLM-Feintuning und Agenten-Forschung

Hinter den beiden Plattformen stehen unterschiedliche Entwicklungsphilosophien und Community-Größen. OpenClaw wurde ursprünglich von dem Software-Ingenieur Peter Steinberger ins Leben gerufen, der im Anschluss an das Projekt zu OpenAI wechselte. Mittlerweile wird OpenClaw von einem erweiterten Kernteam betreut und verzeichnet im Mai 2026 rund 350.000 Stars auf der Entwicklerplattform GitHub. Die Popularität des Systems führte unter anderem dazu, dass der Chipkonzern Nvidia mit „NemoClaw“ eine eigene, hardwareoptimierte Enterprise-Abspaltung (Fork) für geschäftliche Produktionsumgebungen auf den Markt brachte.

Der Hermes Agent hingegen wurde im Februar 2026 von Nous Research veröffentlicht. Das ist das Forschungslabor, das auch für die Modellfamilien Hermes, Nomos und Psyche verantwortlich zeichnet. Das unter der MIT-Lizenz stehende Framework ist mit rund 140.000 GitHub-Stars im Vergleich zu OpenClaw quantitativ kleiner, verzeichnet jedoch ein Wachstum innerhalb der spezialisierten Entwickler-Community. Während OpenClaw eine breitere, auch für Einsteiger zugängliche Dokumentation und eine Vielzahl von Tutorials bietet, zieht der Hermes Agent vorwiegend Entwickler aus dem Bereich des LLM-Feintunings und der dedizierten Agenten-Forschung an.

Kontinuierliche Lernschleife gegen reaktive Planung

Der primäre architektonische Unterschied liegt in der Verarbeitung von Aufgaben und der Speicherung von Wissen. OpenClaw basiert im Wesentlichen auf einer klassischen „Plan-Execute-Reflect“-Schleife (Planen, Ausführen, Reflektieren). Das System erhält eine komplexe Aufgabe, zerlegt diese über das integrierte Sprachmodell in Einzelschritte, führt die Werkzeuge aus und gibt das Ergebnis zurück. Es ist darauf optimiert, eine breite Palette an Werkzeugen und Integrationen direkt ohne tiefe Konfiguration anzubieten.

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Im Gegensatz dazu verfolgt der Hermes Agent einen Ansatz, der auf einer geschlossenen, kontinuierlichen Lernschleife (Learning Loop) aufbaut. Das Framework ist darauf ausgelegt, aus den gesammelten Erfahrungen bei der Ausführung von Aufgaben eigenständig neue Fähigkeiten (Skills) zu generieren, diese bei wiederholter Nutzung zu verfeinern und sitzungsübergreifend ein persistentes Modell des Benutzers aufzubauen. Während OpenClaw Aufgaben primär reaktiv abarbeitet, verändert sich der Hermes Agent bei wiederkehrenden, strukturierten Automatisierungsprozessen durch das Abspeichern von Erfahrungswerten im laufenden Betrieb.

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Multi-Agenten-Architektur und Ressourceneffizienz im VPS-Betrieb

Ein weiterer technologischer Unterschied betrifft die Strukturierung komplexer Workflows. OpenClaw operiert standardmäßig im Rahmen einer Single-Agenten-Architektur. Komplexe Aufgabenstellungen werden durch eine detaillierte Vorab-Planung innerhalb desselben Agenten gelöst, anstatt Aufgaben an spezialisierte Untereinheiten zu delegieren. Das System setzt für den stabilen Betrieb zudem eine anspruchsvollere Infrastruktur voraus. Das Konfigurieren von Automatisierungsskripten (Cronjobs) und die kontinuierliche Systemstabilität erfordern tiefergehende manuelle Eingriffe.

Der Hermes Agent verfügt hingegen über eine native Multi-Agenten-Unterstützung. Bei komplexen Aufgaben, wie dem automatisierten Web-Scraping und der anschließenden Datenanalyse, ist das Framework in der Lage, eigenständig spezialisierte Sub-Agenten für Teilbereiche zu generieren. Diese führen ihre dedizierten Aufgaben aus, filtern die Ergebnisse und spielen die strukturierten Daten an den Hauptagenten zurück. Zudem erweist sich der Hermes Agent im Betrieb als ressourceneffizienter: Das Framework kann mit einem einzigen Installationsbefehl auf einer einfachen CPU-Instanz (Virtual Private Server, VPS) betrieben werden, was die laufenden Hosting-Kosten im Dauerbetrieb im Vergleich zu GPU-lastigen Systemen reduziert.

ChatGPT-Abo als Inferenz-Schnittstelle nutzen

Beim Management von Schnittstellenkosten bietet der Hermes Agent eine spezifische Integration: Das System unterstützt die Authentifizierung über OpenAI Codex OAuth. Dies ermöglicht es Entwicklern, ein bestehendes reguläres ChatGPT-Abonnement direkt als Inferenz-Schnittstelle für den autonomen Agenten zu nutzen, anstatt jede Token-Anfrage einzeln über API-Verbrauchskosten abrechnen zu müssen. OpenClaw hingegen erfordert in der Regel die direkte Anbindung an OpenAI-kompatible API-Endpunkte oder Inferenz-Provider wie OpenRouter, was bei kontinuierlichen Dauerläufen zu unvorhersehbaren Kosten führen kann.

Hinsichtlich der Betriebsstabilität zeigt die Praxis im Jahr 2026 deutliche Diskrepanzen. Aufgrund des großen Teams und der hohen Entwicklungsgeschwindigkeit werden für OpenClaw in sehr kurzen Abständen Aktualisierungen veröffentlicht. Diese Updates führten in der Vergangenheit wiederholt zu bahnbrechenden Änderungen (Breaking Changes), die laufende Instanzen beeinträchtigten und manuelle Reparaturen durch die Administratoren erforderlich machten. Der Hermes Agent gilt im praktischen Dauereinsatz als wartungsärmer, da Code-Änderungen konservativer eingepflegt werden.

Technische Integration über das Agent Communication Protocol

Trotz der konkurrierenden Marktpositionierung müssen die beiden Frameworks in der Praxis nicht zwangsläufig als gegenseitiger Ausschluss verstanden werden. Entwickler nutzen vermehrt die Möglichkeit, beide Systeme parallel zu betreiben und miteinander zu verknüpfen. Dies erfolgt über das sogenannte Agent Communication Protocol (ACP).

Durch die Konfiguration dieses Kommunikationsprotokolls in den jeweiligen Konfigurationsdateien können OpenClaw und der Hermes Agent direkt Daten und Befehle austauschen. In einem solchen Szenario agiert OpenClaw häufig als übergeordnetes Interface für die Koordination von Drittanbieter-Messengern wie WhatsApp oder Slack, während komplexe, lernbasierte Analyseaufgaben über das ACP an den Hermes Agenten ausgelagert werden. Dieses duale Setup dient Unternehmen zudem als Redundanz-Sicherung, falls eine der beiden Laufzeitumgebungen aufgrund von Software-Updates temporär ausfällt.

Autorenbild Lisa Löw

Lisa

Löw

Junior Online-Redakteurin

IT-Verlag

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