Die EU-Kommission schlägt ein gemeinsames Bewertungssystem für den Energie- und Wasserverbrauch großer Rechenzentren vor.
Die Europäische Kommission hat am Montag ein gemeinsames Bewertungssystem für den Energieverbrauch von Rechenzentren in der EU vorgeschlagen. Ziel ist es, den Energie- und Wasserverbrauch der Anlagen transparenter, nachhaltiger und effizienter zu machen.
Verbrauch könnte sich bis 2030 fast verdoppeln
Rechenzentren gehören laut Kommission zu den am schnellsten wachsenden Sektoren weltweit und verbrauchen in der EU derzeit rund 68 Terawattstunden Strom. Durch die steigende Nachfrage nach künstlicher Intelligenz könnte dieser Verbrauch nach Angaben der Internationalen Energieagentur bis 2030 auf rund 114 Terawattstunden steigen, was mehr als 3 Prozent des gesamten EU-Stromverbrauchs entspräche. Der Vorschlag fällt zudem in eine Zeit, in der Brüssel plant, die Kapazität von Rechenzentren in den kommenden fünf bis sieben Jahren zu verdreifachen, um die wachsende Nachfrage nach KI-Rechenleistung zu decken und die digitale Souveränität der EU zu stärken.
Das vorgeschlagene System soll für Rechenzentren mit einer installierten IT-Leistung von mindestens 500 Kilowatt gelten. Betreiber kleinerer Anlagen können freiwillig teilnehmen. Erfasst werden sollen unter anderem Energie- und Wasserverbrauch, die Nutzung von Abwärme sowie die zusätzliche Erzeugung sauberer Energie. Die Bewertung soll über elektronische Label erfolgen, die automatisch aus der bereits bestehenden europäischen Datenbank für Rechenzentren erstellt werden.
Zweiter Schritt nach der Meldepflicht von 2024
Der aktuelle Vorschlag baut auf einer Regelung aus dem März 2024 auf, mit der die Kommission eine europäische Datenbank für Rechenzentren sowie eine Meldepflicht für entsprechende Kennzahlen eingeführt hatte. Betreiber von Anlagen mit mindestens 500 Kilowatt IT-Leistung müssen seither jährlich Daten an diese Datenbank melden, erstmals zum 15. September 2024. Der jetzige Vorschlag legt als zweiter Schritt fest, wie diese bereits gemeldeten Daten künftig zur Bewertung und Kennzeichnung einzelner Rechenzentren genutzt werden sollen.
Nutzung von Abwärme als zusätzliches Ziel
Nach Angaben der Kommission könnte allein die Wiederverwendung der Hälfte der in europäischen Rechenzentren anfallenden Abwärme eine Wärmemenge liefern, die dem Bedarf von rund 4 Millionen Haushalten entspricht. Energiekommissar Dan Jørgensen erklärte dazu:
„Um sicherzustellen, dass der digitale Wandel wirklich im Dienst unserer Gesellschaft steht, müssen wir die wachsende Energienachfrage von Rechenzentren angehen. Das Verständnis ihres Energie- und Ressourcenverbrauchs ist der wesentliche erste Schritt, um sie nachhaltig in unser Energiesystem zu integrieren. Digitale Souveränität muss mit energiepolitischer Verantwortung einhergehen.“
Dan Jørgensen, Energiekommissar
Der Vorschlag durchläuft nun eine zweimonatige Prüfphase durch das Europäische Parlament und den Rat, bevor er in Kraft treten kann. Wird er angenommen, sollen die ersten Nachhaltigkeitslabel für einzelne Rechenzentren im Jahr 2027 vergeben werden. Die Kommission kündigte zudem an, Betreiber von Rechenzentren, Energieversorger, Netzbetreiber und Behörden zu einer breiteren Vereinbarung zur Verbesserung des europäischen Energiesystems zu konsultieren.
(red)