Geteilte Chatverläufe des KI-Dienstes DeepSeek werden von Google indexiert. Dadurch sind vertrauliche Inhalte über Suchmaschinen auffindbar.
Öffentlich freigegebene Unterhaltungen der KI-Plattform DeepSeek werden von der Suchmaschine Google erfasst und indexiert. Wie der Sicherheitsforscher David Konitzny von Peec AI feststellte, betrifft dies Unterhaltungen, für die Anwender über die Teilen-Funktion einen öffentlichen Link im Verzeichnis /share/ der Domain chat.deepseek.com erstellt haben. Über gezielte Suchanfragen mit dem Operator site:chat.deepseek.com/share lassen sich diese Chatverläufe von Dritter Seite aufrufen und einsehen.
David Konitzny äußerte sich zu der Entdeckung folgendermaßen: „Das ist genau die Art von Offenlegung, von der viele von uns dachten, dass die Branche bereits gelernt hätte, sie nach den Vorfällen im Jahr 2024 zu verhindern. Nun, anscheinend nicht.“
Fehlende Warnhinweise und Risiken für vertrauliche Daten
Beim Erstellen eines Links informiert DeepSeek den Anwender darüber, dass jeder Nutzer mit dem Link Zugriff auf die Konversation erhält. Ein expliziter Hinweis darauf, dass der Link von Suchmaschinen erfasst und in deren Suchergebnissen gelistet werden kann, fehlt jedoch in der Benutzeroberfläche. Der Forscher beschrieb die Konsequenzen der unvollständigen Warnung wie folgt:
„In der Praxis bedeutet das, dass ‚jeder‘ potenziell auch Personen umfassen kann, die die URL über eine Suchmaschine entdecken, und nicht nur diejenigen, mit denen der Link absichtlich geteilt wurde.“
David Konitzny, Sicherheitsforscher von Peec AI
Da Anwender KI-Assistenten häufig zur Bearbeitung interner Aufgaben nutzen, können die indexierten Chatverläufe persönliche Informationen, Geschäftsberichte, Quellcodes oder vertrauliche Dokumente enthalten. Konitzny wies darauf hin, dass neben dem reinen Modell auch die Gestaltung der Benutzeroberfläche entscheidend für den Datenschutz ist: „Ein leistungsfähiges Modell kann immer noch erhebliche Datenschutzrisiken bergen, wenn die darum herum gebauten Systeme nicht mit der gleichen Sorgfalt entwickelt werden. Ich finde es nach wie vor bemerkenswert, wie einfach es sein kann, Chat-Gespräche öffentlich zugänglich zu machen und in einigen Fällen höchst persönliche Informationen aufzudecken, die nie für ein breiteres Publikum bestimmt waren.“
Löschung geteilter Links in den Einstellungen von DeepSeek
Anwender können bereits erstellte Verknüpfungen nachträglich entfernen, um das Auslesen durch Suchmaschinen zu beenden. Die Löschung erfolgt in den Einstellungen des Dienstes unter dem Menüpunkt Daten und der Verwaltung geteilter Links. Nach der Entfernung der Links wird der Zugriff über das Web unterbrochen. Auswertungen der untersuchten Stichprobe zeigten, dass die Zahl der indexierten Links im Jahr 2026 anstieg, wobei Unterhaltungen auf Russisch etwa 31 Prozent und auf Englisch rund 20 Prozent der beobachteten Daten ausmachten.
(red)