Risiko für Krypto-Sicherheit

Claude AI stellt Bitcoin-Vermögen nach 11 Jahren wieder her

Bitcoin

Nach elf Jahren Sperre hat ein Nutzer 5 Bitcoin mithilfe von Claude AI zurückerhalten. Eine unvollständige Seed-Phrase und alte Dateien gaben den Ausschlag.

Der Verlust von Zugangsdaten zu digitalen Geldbörsen gehört zu den größten Risiken auf dem Kryptomarkt. Ein aktueller Fall zeigt nun, dass künstliche Intelligenz eine entscheidende Rolle bei der Wiedererlangung verloren geglaubter Vermögenswerte spielen kann. Einem Bitcoin-Besitzer ist es nach elf Jahren gelungen, mithilfe des KI-Modells Claude von Anthropic Zugriff auf 5 Bitcoin (BTC) zurückzuerhalten. Die Geschichte, die über soziale Netzwerke unter dem Pseudonym @cprkrn publik wurde, verdeutlicht das Potenzial von KI-Systemen bei der Analyse fragmentierter Datenbestände und der Rekonstruktion kryptografischer Geheimnisse.

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Die elfjährige Sperre und der gescheiterte Passwortversuch

Die Problematik begann vor über einem Jahrzehnt, als der betroffene Nutzer unter dem Einfluss von Substanzen das Passwort für sein Bitcoin-Wallet änderte. Das gewählte Passwort lol420fuckthePOLICE!*:) entfiel ihm in der Folgezeit vollständig. Über einen Zeitraum von elf Jahren unternahm der Besitzer zahlreiche Versuche, das Passwort zu erraten. Laut eigenen Angaben wurden dabei etwa 7 Billionen Kombinationen getestet. Zum Vergleich: Elf Jahre entsprechen lediglich etwa 0,000347 Billionen Sekunden, was die Intensität der automatisierten Rateversuche unterstreicht.

Trotz des Einsatzes spezialisierter Software blieb der Zugriff auf die 5 BTC verwehrt. Die Bitcoin befanden sich in einem älteren Wallet-Format, das auf der Plattform blockchain.com erstellt worden war. Ohne das korrekte Passwort oder eine vollständige Wiederherstellungssequenz galten die digitalen Münzen als verloren. In der Krypto-Welt führt der Verlust der privaten Schlüssel oder des dazugehörigen Passworts in der Regel zum endgültigen Verschwinden des Kapitals, da es keine zentrale Instanz gibt, die den Zugang zurücksetzen kann.

Claude als Archivar und technischer Berater für College-Computer

Die Wende in dem Fall trat ein, als der Nutzer in einem alten Notizbuch auf seinem ehemaligen College-Computer Hinweise auf eine unvollständige Seed-Phrase fand. Eine Seed-Phrase besteht normalerweise aus einer Liste von 12 bis 24 Wörtern, die den Zugriff auf das gesamte Guthaben eines Wallets ermöglichen, unabhängig von der verwendeten Hardware oder dem spezifischen Passwort. In diesem Fall war die Phrase jedoch lückenhaft und bezog sich auf ein altes Wallet-Backup, nicht direkt auf das aktuell gesperrte Wallet auf seinem Primärrechner.

Anstatt erneut manuell zu experimentieren, entschied sich der Nutzer, die Dateien seines alten Computers sowie die fragmentierte Seed-Phrase dem KI-Modell Claude zur Analyse vorzulegen. Die Herausforderung bestand darin, die unvollständigen Informationen so zu verarbeiten, dass daraus ein funktionsfähiger privater Schlüssel extrahiert werden konnte. Claude fungierte hierbei als digitaler Archivar und technischer Berater, der die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Dateiversionen und der unvollständigen Wortliste herstellte.

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Private Schlüssel identisch

Die KI analysierte die alten Backup-Dateien und identifizierte eine Wallet-Datei, die für die Rettungsaktion entscheidend war. Der entscheidende technische Kniff lag in der Tatsache, dass die privaten Schlüssel, welche die Gelder schützen, oft über verschiedene Wallet-Versionen hinweg identisch bleiben. Auch wenn das Passwort des aktuellen Wallets geändert wurde, blieb die kryptografische Verbindung zu dem alten Backup bestehen.

Gemäß der Zusammenfassung der Operation durch Claude dauerte der gesamte Rettungsprozess acht Wochen. In dieser Zeit wurden verschiedene Tools wie BTCRecover und Hashcat eingesetzt, die jedoch zunächst erfolglos blieben. Die KI half dabei, die Parameter für diese Programme zu optimieren und die logische Struktur der unvollständigen Seed-Phrase zu vervollständigen. Insgesamt wurden rund 3,5 Billionen Passwörter getestet. Die Kosten für die Anmietung externer Grafikprozessoren (GPU-Leistung) beliefen sich während der gesamten Operation auf lediglich 15 US-Dollar.

Millionen verlorener Bitcoin als schlafende Lotterielose

Der Erfolg der Wiederherstellung hat eine Debatte darüber ausgelöst, wie viele verlorene Bitcoin auf alten Datenträgern schlummern. Experten schätzen, dass Millionen von Bitcoins aufgrund vergessener Passwörter oder verlorener Backups für immer aus dem Umlauf verschwunden sind. Mandrik, ein bekannter Akteur in der Bitcoin-Szene, der jahrelang den Support für nicht-verwaltete Wallets leitete, berichtete von einer erschütternden Anzahl von Anfragen verzweifelter Nutzer. Er schätzt die Zahl der verlorenen Münzen auf über eine Million BTC.

Die Integration von KI-Systemen wie Claude in den Wiederherstellungsprozess könnte dazu führen, dass alte Festplatten und Computer nun wie Lotterielose betrachtet werden. Solange physischer Zugriff auf die Daten besteht, bietet die KI eine neue Ebene der Analyse, die über das reine Brute-Forcing von Passwörtern hinausgeht. Die Fähigkeit der KI, Muster in unvollständigen Notizen zu erkennen und diese mit technischen Spezifikationen der Blockchain zu verknüpfen, stellt einen signifikanten Fortschritt für die Krypto-Forensik dar.

KI als Risiko für Krypto-Sicherheit

Der Nutzer hat die wiedergewonnenen Mittel umgehend auf eine neue Adresse übertragen, um die Sicherheit zu gewährleisten. Als Zeichen seiner Dankbarkeit kündigte er scherzhaft an, sein Kind nach Claude oder dem Anthropic-CEO Dario Amodei zu benennen. Der Fall unterstreicht jedoch auch eine Sicherheitswarnung: Wenn eine KI in der Lage ist, mithilfe alter Dateien und fragmentierter Notizen ein Wallet zu entschlüsseln, gewinnt der physische Schutz von Backup-Medien und alten Computern an Bedeutung. Was für den rechtmäßigen Besitzer eine Rettung darstellt, könnte in den Händen von Angreifern ein Werkzeug zur unbefugten Entschlüsselung alter Datensätze sein.

Autorenbild Lisa Löw

Lisa

Löw

Junior Online-Redakteurin

IT-Verlag

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