Apple reduziert maximalen Arbeitsspeicher

Hardware-Engpass: Apple streicht 128-GB-Option beim Mac Studio

Mac Apple
Bildquelle: Ekaterina_Minaeva/Shutterstock.com

Chip-Knappheit und lokaler KI-Hype zwingen Apple zur Reduzierung der Speicheroptionen beim Mac Studio und Mac mini. Lieferzeiten steigen auf bis zu 12 Wochen.

Apple hat stillschweigend die Konfigurationsoptionen für seine Desktop-Rechner Mac Studio und Mac mini beschnitten. Nachdem bereits im März die 512-GB-Variante des Mac Studio vom Markt genommen wurde, ist nun auch die Option auf 128 GB Unified Memory (gemeinsamer Arbeitsspeicher) verschwunden. Professionelle Anwender und KI-Entwickler können das Spitzenmodell aktuell nur noch mit maximal 96 GB Arbeitsspeicher erwerben. Auch beim Mac mini wurde die maximale Kapazität von 64 GB auf 48 GB reduziert. Hintergrund dieser drastischen Portfolio-Bereinigung ist eine Kombination aus einer globalen Knappheit bei Speicherchips und einer beispiellosen Nachfrage durch lokale KI-Anwendungen.

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Lokale KI-Modelle befeuern Nachfrage nach Unified Memory

Der Auslöser für den aktuellen „Bestell-Ansturm“ auf Apple-Hardware liegt in der Architektur des Unified Memory begründet. Da CPU und GPU auf denselben Speicherpool zugreifen, eignen sich Macs hervorragend für das lokale Ausführen großer Sprachmodelle (LLMs). Besonders die im Frühjahr 2026 explosionsartig gestiegene Popularität der Anwendung „OpenClaw“, eines Frameworks für agentische KI, hat die Nachfrage nach hohen Speicherkapazitäten in die Höhe getrieben.

Entwickler bevorzugen kompakte Rechner wie den Mac Studio, da diese durch die hohe Speicherbandbreite in der Lage sind, komplexe KI-Agenten lokal auszuführen, ohne auf teure Cloud-Infrastrukturen angewiesen zu sein. Diese enorme Nachfrage traf im ersten Quartal 2026 auf einen angespannten Markt für Speicherchips. Tim Cook, CEO von Apple, bestätigte bereits im jüngsten Earnings Call der Firma, dass man aktiv um die Sicherung von Speicherbeständen kämpfe („chasing memory supply“).

Kürzungen der Speicherkonfigurationen in Etappen

Die Reduzierung der verfügbaren SKUs (Stock Keeping Units) erfolgte in Etappen. Beim Verkaufsstart konnte der Mac Studio noch mit bis zu 512 GB Unified Memory konfiguriert werden. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal im Bereich der Kompakt-Workstations. Anfang März 2026 wurde diese Option aufgrund des „AI RAM Squeeze“ gestrichen, während der Preis für das 256-GB-Upgrade zeitweise auf 2.000 US-Dollar angehoben wurde.

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Nun folgte der nächste Schritt: Die 128-GB- und 256-GB-Optionen sind vollständig aus dem Apple Store verschwunden. Für den Mac Studio mit M4 Max Chip markieren 96 GB nun das obere Ende der Fahnenstange. Beim Mac mini wurde das Maximum von 64 GB auf 48 GB herabgesetzt. Diese Maßnahmen dienen offenbar dazu, die verbleibenden Chip-Bestände auf eine größere Anzahl von Geräten zu verteilen und die Produktion überhaupt aufrechtzuerhalten.

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Lieferzeiten steigen auf bis zu drei Monate

Trotz der Reduzierung der Hardware-Optionen und der Preiserhöhungen im Frühjahr haben sich die Lieferzeiten für Apple-Desktops nicht entspannt. Aktuelle Daten aus dem Apple Store zeigen eine drastische Verzögerung:

  • Mac Studio (M4 Max): Konfigurationen mit 64 GB Unified Memory haben eine Lieferzeit von sechs bis sieben Wochen. Varianten mit 36 GB oder dem neuen Maximum von 96 GB benötigen zwischen neun und zehn Wochen bis zum Versand.
  • Mac mini (M4): Während das Basismodell mit 16 GB noch innerhalb von drei bis vier Wochen geliefert werden kann, steigt die Wartezeit bei Upgrades auf 24 GB oder 48 GB auf zehn bis zwölf Wochen an.

Käufer, die heute eine leistungsstarke Workstation für lokale KI-Berechnungen benötigen, müssen somit mit einer Wartezeit von bis zu drei Monaten rechnen. Apple hat bereits gewarnt, dass diese Engpässe noch bis tief in das zweite Quartal 2026 anhalten könnten.

Auswirkungen auf das MacBook-Portfolio und den „MacBook Neo“

Der Chip-Mangel beschränkt sich nicht nur auf die Desktop-Sparte. Auch bei den tragbaren Computern zeigen sich erste Risse in der Lieferkette. Während das MacBook Air mit 24 GB RAM noch gut verfügbar ist, müssen Käufer der 32-GB-Version bereits zwei bis drei Wochen warten. Bei den MacBook Pro Modellen mit 48 GB Unified Memory und mehr liegt die Wartezeit aktuell bei ein bis zwei Wochen.

Besonders betroffen ist auch das neue „MacBook Neo“, das sich seit seinem Release als extrem populär bei Studenten und Einsteigern erwiesen hat. Hier berichten Kunden von Lieferzeiten zwischen zwei und drei Wochen für Standardkonfigurationen. Lediglich im mittleren Preissegment, etwa beim Standard-iMac oder den Basis-Konfigurationen des MacBook Air, scheint die Versorgungslage derzeit stabil zu sein.

Apple-Chef Tim Cook betonte, dass die Beschaffungssituation einen erheblichen Einfluss auf die Ergebnisse des zweiten Quartals haben wird. Da professionelle Anwender oft auf hohe Speicherkapazitäten angewiesen sind, könnte die Streichung der High-End-Optionen zu Umsatzverlusten führen, da Kunden auf Workstations anderer Hersteller ausweichen könnten, sofern diese über dedizierte GPU-Speicherlösungen verfügen. Dennoch bleibt der Vorteil der Unified Memory Architektur für KI-Workloads ein starkes Argument für das Apple-Ökosystem, was den aktuellen Nachfrageüberhang trotz der Hardware-Beschnitte erklärt.

Autorenbild Lisa Löw

Lisa

Löw

Junior Online-Redakteurin

IT-Verlag

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