Anzeige

Trojaner Falle

Eine Münchner Softwarefirma programmiert Trojaner für die Verbrechensbekämpfung - und ist nun selbst ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten.

Die Staatsanwaltschaft München hat die Büros des Münchner Spionagesoftware-Herstellers Finfisher wegen Verdachts illegaler Lieferungen ins Ausland durchsucht. Es habe in der vergangenen Woche Durchsuchungen größeren Umfangs gegeben, sagte eine Sprecherin der Staatswaltschaft am Mittwoch.

Finfisher programmiert unter anderem Trojaner-Software zum Ausspähen von Computern und Handys. Das Unternehmen hat in der Vergangenheit auch das Bundeskriminalamt beliefert. Die Münchner Anklagebehörde ermittelt wegen Verstoßes gegen das Außenwirtschaftsgesetz gegen unbenannte Manager des Unternehmens.

Finfisher ließ eine Bitte um Stellungnahme unbeantwortet. Die Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) wirft Finfisher vor, Spionage-Software ohne Genehmigung an die Türkei geliefert zu haben, und hatte deswegen Strafanzeige erstattet. «Deutsche Unternehmen dürfen sich nicht zu Handlangern repressiver Regime machen», erklärte Sarah Lincoln, Juristin und Verfahrenskoordinatorin bei der GFF. Zuvor berichteten BR und NDR.

Auf der Firmenwebseite wirbt Finfisher für «erstklassige Cyberlösungen und und Wissen für erfolgreiche Operationen gegen das organisierte Verbrechen». Demnach vertreibt das Unternehmen seine Software ausschließlich an Strafverfolgungsbehörden und Nachrichtendienste. Die Bundesregierung hatte 2018 veröffentlicht, dass das BKA die Finfisher-Software «Finspy» einsetzen darf.

Laut Münchner Staatsanwaltschaft wurden insgesamt 15 Büros und Wohnungen rund um München und ein Unternehmen aus der Unternehmensgruppe in Rumänien durchsucht. «Es besteht der Verdacht, dass Software ohne die erforderliche Ausfuhrgenehmigung des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle ausgeführt worden sein könnte», teilte eine Sprecherin der Ermittlungsbehörde mit.

Laut Gesellschaft für Freiheitsrechte soll die von Finfisher programmierte Spähsoftware Finspy 2017 auf einer türkischen Webseite eingesetzt worden sein, die als Mobilisierungsforum für die Oppositionsbewegung getarnt war.

In repressiven Regimen könne der Einsatz von Überwachungssoftware dramatische Folgen für die Betroffenen haben, warnte die Gesellschaft. In Ländern wie Syrien und Bahrain drohten den Überwachten nicht selten Haft und Folter.

dpa


Newsletter Anmeldung

Smarte News aus der IT-Welt

Sie möchten wöchentlich über die aktuellen Fachartikel auf it-daily.net informiert werden? Dann abonnieren Sie jetzt den Newsletter!

Newsletter eBook

Exklusiv für Sie

Als Newsletter-Abonnent erhalten Sie das Booklet „Social Engineering: High Noon“ mit zahlreichen Illustrationen exklusiv und kostenlos als PDF!

 

Weitere Artikel

Handschlag

Michael Berg ist neuer Channel Manager DACH bei F5

F5 hat mit Michael Berg einen neuen Channel Manager in der Region DACH (Deutschland, Österreich, Schweiz). In dieser Position wird er die F5-Strategie unterstützen, Multi-Cloud-Anwendungssicherheit und -bereitstellung anzubieten.
TikTok

TikTok testet "Q&A"-Funktion für Fan-Anfragen

Die chinesische Video-App TikTok testet eine "Q&A"-Funktion für Content-Produzenten, mit denen sie Fragen ihrer Fans in Live-Streams und Videos beantworten können. Kreative können ihren Inhalten eine eigene Option beifügen, mit dem ihre Follower Fragen…
Gerichtsurteil

BGH: Medien dürfen Promi-Fotos nicht ungefragt zu Werbezwecken nutzen

Medien dürfen Prominente laut Bundesgerichtshof (BGH) nicht ungefragt zu Werbezwecken einsetzen. Dies gilt insbesondere, wenn die Stars mit dem Thema, um das es geht, nichts zu tun haben.
Handschlag

Zuora ernennt Sri Srinivasan zum Chief Product and Engineering Officer

Zuora Inc., Anbieter Cloud-basierter Subscription-Management-Plattformen, gab die Ernennung von Sri Srinivasan zum Chief Product and Engineering Officer bekannt.
Google

Urheberrecht: Google und Frankreichs Verleger legen Grundlinien fest

Im Streit um Urheberrechte haben der Internetgigant Google und französische Verleger gemeinsame Kriterien für die Vergütung festgelegt. Ein entsprechendes Abkommen sei unterzeichnet worden.
Startup

Bitkom zur Reform der Mitarbeiterbeteiligung in Startups

Das Bundeskabinett hat über eine Reform der Mitarbeiterbeteiligung im Rahmen des Fondsstandortgesetzes beraten. Dazu erklärt Bitkom-Präsident Achim Berg.

Anzeige

Newsletter Anmeldung

Smarte News aus der IT-Welt

Sie möchten wöchentlich über die aktuellen Fachartikel auf it-daily.net informiert werden? Dann abonnieren Sie jetzt den Newsletter!

Newsletter eBook

Exklusiv für Sie

Als Newsletter-Abonnent erhalten Sie das Booklet „Social Engineering: High Noon“ mit zahlreichen Illustrationen exklusiv und kostenlos als PDF!