Wie werden Kryptowährungen eingefroren, beschlagnahmt und eingezogen?

Beschlagnahmte Kryptowährungen

Um Kryptowährungen von illegalen Akteuren zu identifizieren, zu konfiszieren und Opfer zu entschädigen, müssen nicht nur die Kryptoplattformen, sondern auch Ermittler im öffentlichen und privaten Sektor Zugang zu den notwendigen Werkzeugen haben.

Seit der Einführung von Bitcoin haben Regierungen weltweit Kryptowährungen im Wert von mehreren Milliarden US-Dollar beschlagnahmt. Beispielsweise stellten deutsche Behörden im April 2022 Bitcoins in Höhe von damals umgerechnet ca. 23 Mio. Euro sicher, als sie den weltweit größten Darknet-Marktplatz „Hydra Market“ schlossen. Auch wenn diese Beschlagnahme Schlagzeilen gemacht hat und einige Opfer entschädigt werden konnten, ist weniger bekannt, welche Maßnahmen und Aktivitäten dazu geführt haben.

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Die dabei angewendeten Verfahren unterscheiden sich, je nachdem, ob die verdächtigen Aktivitäten zuerst von den Kryptoplattformen selbst oder von Ermittlern aus dem privaten oder öffentlichen Sektor festgestellt werden.

Die Rolle der Kryptowährungsplattformen

Plattformen setzen Compliance-Tools ein, um Transaktionen von Kryptowährungen zu analysieren und um die geltenden Regularien einzuhalten. Verdächtige Aktivitäten lassen sich etwa durch die Art und Weise, wie Transaktionen strukturiert sind, oder durch die Illegalität des Absenders bzw. Empfängers erkennen. Sollten Unregelmäßigkeiten erkennbar sein, können die Plattformen verschiedene Maßnahmen ergreifen und müssen in bestimmten Fällen einen Bericht über verdächtige Aktivitäten vorlegen. In Deutschland ist hierfür die Financial Intelligence Unit (FIU) des Zolls zuständig. Sie analysiert als Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen Verdachtsmeldungen nach dem Geldwäschegesetz. Plattformen können bei fragwürdigen Transaktionen eine Legitimation vom Nutzer verlangen, seine Transaktionen begrenzen, sein Geld vorübergehend einfrieren oder ihn sperren.

Die Wahl der Maßnahmen hängt von der Höhe des mit der Transaktion verbundenen Risikos, der Antwort des Nutzers auf eine Informationsanfrage, den bisherigen Aktivitäten des Nutzers und den regulatorischen Verpflichtungen der Plattform ab.

Transaktionen zu verfolgen und verdächtige Aktivitäten zu melden, ist im Kryptowährungssektor besonders wichtig, da die Plattformen die eingehenden Gelder vor Erhalt oft nicht kontrollieren können. Die Transaktionen werden über die Blockchain abgewickelt und lassen sich erst verifizieren, wenn die Einzahlung auf eine Adresse unter der Kontrolle der Plattform erfolgt ist. So können Plattformen zwar keine Zahlungen verhindern, die beispielsweise aus einer Kampagne zur Terrorismusfinanzierung stammen, aber sie haben die Möglichkeit zu verhindern, dass diese Gelder in herkömmliches Geld eingelöst oder an eine andere Adresse weitergeleitet werden. Darüber hinaus können Plattformen, die Verfahren zur Identität des Kunden (Know Your Customer – KYC) und zur Bekämpfung der Geldwäsche (Anti-Money Laundering – AML) implementiert haben, einen auffälligen Kontoinhaber melden. Um ihren Ruf zu wahren, sind Kryptowährungsplattformen hochgradig daran interessiert, verdächtige Transaktionen zu erkennen und zu melden.

Verfahren zur Identität des Kunden (Know Your Customer - KYC)
Bild: Mithilfe von Verfahren zur Identität des Kunden (Know Your Customer – KYC) können Plattformen auffällige Kontoinhaber identifizieren.

Herangehensweisen im privaten Umfeld

Geschädigte Nutzer, die ihre Kryptowährung aufspüren und wiedererlangen möchten, können sich auch an Privatdetektive, Anwälte, forensische Ermittler und Vollstreckungsexperten wenden, die sich auf die Rückgabe von Vermögenswerten an Opfer spezialisiert haben. Bezüglich Datensammlung, Blockchain-Analyse und Informationsanfragen ist der Ermittlungsprozess vergleichbar wie der von Kryptowährungsplattformen. Jedoch werden die Fälle vor Zivilgerichten noch sehr unterschiedlich behandelt. Teilweise mit den klassischen Vermögenssicherungsverfügungen, aber neuerdings auch mit pragmatischen Ansätzen um die dezentralisierte und pseudonyme Natur der Blockchain zu berücksichtigen. Beispiele hierzu sind:

  • Anordnungen, die den Status von Krypto als Eigentum bestätigen, um zu ermöglichen, dass die üblichen Rechtsbehelfe zur Sicherung und Wiedererlangung von Eigentum auf Krypto ausgeweitet werden
  • Weltweite Sicherstellungsanordnungen (um alle Vermögenswerte einer Person zu sperren, gegen die am Ende des Verfahrens wahrscheinlich vollstreckt wird)
  • Dienst außerhalb der Gerichtsbarkeit, um zu ermöglichen, dass in einem Land getätigte Bestellungen in anderen Ländern zugestellt werden (was angesichts der grenzenlosen Natur von Krypto sehr wichtig ist)

Es gab eine Reihe von Ermittlungen, die zeigen, wie Vermögenswerte identifiziert und bis zum Gerichtsverfahren gesichert werden können. Abgesehen von der Insolvenz von Krypto-Börsen wie bspw. Mount Gox, wurden Fälle, die zur Wiedererlangung von Krypto-Vermögenswerten im privaten Sektor führen, jedoch erst ab etwa 2018 bekannt. Viele dieser Fälle werden einvernehmlich beigelegt und schnell gelöst, vermutlich weil die Täter befürchten, ihre Anonymität offenlegen zu müssen und deswegen keinen Widerspruch leisten.

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Ermittlungen im öffentlichen Sektor

Wenn Ermittler des öffentlichen Sektors, meist nach Meldungen von Opfern oder Kryptowährungsplattformen, eine illegale Aktivität vermuten, gehen sie in der Regel in drei Schritten vor. Zunächst sammeln sie die Adressen der beteiligten Kryptowährungen sowie Details der Transaktionen und beteiligten Parteien. Darüber hinaus ermitteln sie mithilfe von Blockchain-Analysetools die Art, Herkunft und Bestimmung der Gelder. So soll festgestellt werden, ob sie auf identifizierten Plattformen eingezahlt wurden, mit illegalen Aktivitäten in Verbindung stehen und wie sie bewegt wurden. Schließlich laden sie die identifizierten Kryptowährungsunternehmen, mit denen der oder die Verdächtigen Geschäfte getätigt haben, vor und fordern Informationen von ihnen an.

Die Ermittler können so feststellen, ob die Kryptowährungen aus illegalen Aktivitäten wie dem Verkauf von Betäubungsmitteln, Ransomware, Betrug oder Gaunereien stammen. Sie können auch herausfinden, ob sie mit anderen legitimen Quellen für Kryptowährungen vermischt wurden oder ob die Kryptowährungstransaktionen selbst legitim sind, das Fiat-Geld, mit dem sie gekauft wurden, jedoch aus einer kriminellen Aktivität stammt.

Beschlagnahme von Vermögenswerten

Wenn ein Fall umfassend genug ist, um einen Verdächtigen anzuklagen und zu verhaften, arbeiten die Ermittler mit dem Unternehmen zusammen, bei dem die Kryptowährungen angelegt wurden, um diese einzufrieren oder in eine von den Behörden kontrollierte Wallet zu übertragen. In einigen Fällen verbleiben die Vermögenswerte in der persönlichen Wallet des Verdächtigen; er kann sich dann bereit erklären, die Gelder im Austausch für eine Strafmilderung herauszugeben. Wird der Angeklagte freigesprochen, werden ihm die Vermögenswerte zurückgegeben, wird er schuldig gesprochen, werden seine Vermögenswerte beschlagnahmt. Im Falle einer Verurteilung wird ein separates Verfahren eingeleitet, um etwaige Eigentumsrechte Dritter an den Vermögenswerten, die die Regierung einziehen möchte, festzustellen.

Nachdem alle Eigentumsrechte festgestellt wurden, werden die verbleibenden Kryptowährungen gegen klassische Währungen versteigert und bei den Behörden und Institutionen, die an dem Fall beteiligt waren, verwahrt. Diese Vermögenswerte gehen dann in der Regel an die Opfer zurück oder werden von der Staatskasse vereinnahmt.

Fazit

Ermittler im öffentlichen und privaten Sektor müssen Zugang zu den notwendigen Werkzeugen haben, um Kryptowährungen zuverlässig identifizieren und beschlagnahmen zu können. Sie müssen in der Lage sein, Beweise für die Verwendung von Kryptowährungen auf Computern, Geldbörsen, Softwareanwendungen oder sogar auf schriftlichen Notizen zu finden. Auch Schulungen zum Umgang mit Beweismitteln aus dem Kryptowährungsumfeld sind von entscheidender Bedeutung. Strafverfolgungsbehörden und Ermittler brauchen eine sichere Möglichkeit, Kryptowährungen, die mit illegalen Aktivitäten im Zusammenhang stehen, zu identifizieren und damit zusammenhängende Transaktionen zu analysieren. Aus diesem Grund hat Chainalysis zusammen mit seinen Partnern eine sichere End-to-End-Lösung entwickelt, um illegale Handlungen mit Kryptowährungen aufzudecken, mögliche Täter zu identifizieren und die zugehörigen Werte zu konfiszieren.

Maik Jordt Chainalysis

Maik Jordt

Chainalysis -

Head of Sales

Maik Jordt zeichnet als Head of Sales für den Einsatz der Chainalysis-Lösungen in der Privatwirtschaft in Deutschland verantwortlich. Sein Fokus liegt dabei auf dem Banken- und Finanzsektor, von klassischen Finanzinstituten bis hin zu Krypto-Börsen sowie den Aufsichtsbehörden.
Dani Haston Chainalysis

Dani Haston

Chainalysis -

Head of Global Asset Management

Dani Haston ist seit Anfang 2021 Head of Global Asset Management bei Chainalysis. Davor arbeitete sie 15 Jahre als Rechtsanwältin. Bei Chainalysis schult Haston Ermittler auf der ganzen Welt zu Kryptothemen sowie Ermittlungen und Compliance unter Verwendung der Tools von Chainalysis.
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