Physische Sicherheitssysteme entwickeln sich vom reinen Schutzinstrument zum strategischen Faktor für den Unternehmenserfolg. Das zeigt der aktuelle Report zur Lage der physischen Sicherheit 2026 von Genetec, für den weltweit über 7.300 Fachleute befragt wurden.
Von der Schutzfunktion zum Business-Enabler
Die Zeiten, in denen Zutrittskontrolle und Videoüberwachung ausschließlich als notwendiges Übel vor sich hin liefen, sind endgültig vorbei. Laut Studie tragen physische Sicherheitssysteme zunehmend zu übergeordneten Unternehmenszielen bei und fördern die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Abteilungen.
„Da Sicherheit immer stärker Teil der Gesamtstruktur von Unternehmen ist, entwickelt sie sich zu einem wichtigen Faktor für den geschäftlichen Erfolg – sie hilft Unternehmen dabei, kohärenter zu arbeiten, effektiver zu reagieren und sich auf langfristige Ziele zu konzentrieren“, erklärt Christian Morin, Vice President of Product Engineering bei Genetec. Kurzum: Aus dem Türöffner wird ein Business-Enabler.
Modernisierung und Integration im Fokus
Dass die Branche in Bewegung ist, zeigen die Zahlen: Mehr als 70 Prozent der Befragten setzen bereits auf vereinheitlichte oder integrierte Systeme. Bei der Modernisierung veralteter Technologien steht für 60 Prozent die Integration in neue Systeme im Vordergrund, 51 Prozent wollen vor allem Zugang zu neuen Funktionen erhalten.
Die Daten verdeutlichen einen klaren Trend zu funktionsübergreifenden Lösungen, die nicht nur Türen öffnen und Kameras steuern, sondern operative Einblicke liefern und bestehende Investitionen besser nutzen.
Langfristige Stabilität schlägt Preis
Interessant wird es bei der Anbieterauswahl: Hier legen Unternehmen besonderen Wert auf Verlässlichkeit. Für 73 Prozent der Endnutzer ist die langfristige Rentabilität und Stabilität des Anbieters das entscheidende Kriterium – deutlich wichtiger als Produktleistung (45 Prozent) und Preis (43 Prozent).
In Zeiten, in denen Tech-Startups schneller verschwinden als ihre Pressemitteilungen aus dem Cache, ein nachvollziehbarer Ansatz. Gefragt sind Partner, die Kontinuität gewährleisten und mehrjährige Modernisierungsprogramme begleiten können.
KI: Großes Interesse, aber auch Skepsis
Besonders spannend: Künstliche Intelligenz gehört erstmals zu den Top-Projekten für das kommende Jahr. Sie ist gleichauf mit den Klassikern Zutrittskontrolle und Videoüberwachung. Das Interesse an KI-Implementierungen hat sich seit dem Vorjahresbericht glatt verdoppelt. Besonders gefragt sind Anwendungen zur Alarmpriorisierung, Unterstützung bei Ermittlungen und Reduzierung von Störgeräuschen in belebten Umgebungen.
Doch die Euphorie hat Grenzen: 70 Prozent äußern Bedenken bezüglich Konzeption und Implementierung von KI-Systemen, insbesondere bei Datennutzung und Funktionsweise. Die Black Box will keiner im Sicherheitssystem haben. Die Branche sieht hier die Anbieter in der Pflicht, klare Leitlinien bereitzustellen.
Hybrid-Cloud als Königsweg
Beim Thema Cloud zeichnet sich ein pragmatischer Ansatz ab: Cloud-Technologien spielen zwar eine wachsende Rolle, doch das bevorzugte Modell ist hybrid. Anwender schätzen zwar automatische Updates, einfache Bereitstellung und unkomplizierte Wartung, wollen aber flexibel entscheiden, welche Workloads vor Ort bleiben und welche in die Cloud wandern.
Man könnte auch sagen: Das Beste aus beiden Welten, ohne sich komplett von einem Modell abhängig zu machen.
Ausblick 2026
Für das kommende Jahr prognostiziert der Report verstärkte Aktivitäten bei der Modernisierung von Zutrittskontrollsystemen, Cybersicherheitsinitiativen und dem Einsatz von Analysetools. Die vollständige Studie mit regionalen Erkenntnissen und detaillierten Prognosen steht auf der Genetec-Website zum Download bereit.
Die Umfrage wurde zwischen August und September 2025 unter Endanwendern, Vertriebspartnern, Planern und Herstellern aus sechs Weltregionen durchgeführt. In die Auswertung flossen nur vollständig ausgefüllte Fragebögen ein – was bei über 7.300 Teilnehmern für eine solide Datenbasis sorgt.