Cyberattacken auf Verkehrssysteme, Sabotage an Energieleitungen oder gezielte Desinformation im Netz: Viele Menschen in Deutschland halten solche Szenarien längst nicht mehr für unwahrscheinlich.
Eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom zeigt jedoch ein deutliches Missverhältnis zwischen Bedrohungswahrnehmung und tatsächlicher Vorsorge.
Eine deutliche Mehrheit der Befragten rechnet mit ernsthaften Krisen infolge sogenannter hybrider Angriffe. Darunter fallen digitale Attacken, Sabotageakte oder koordinierte Desinformationskampagnen. Mehr als vier Fünftel halten eine schwere Krise in Deutschland für wahrscheinlich. Viele sehen zudem durch die geopolitischen Spannungen in Europa eine wachsende Gefahr. Ein erheblicher Teil geht sogar davon aus, dass sich die Lage in den kommenden Jahren weiter zuspitzen könnte. Die Sorge vor einer destabilisierten Infrastruktur ist in der Bevölkerung angekommen.
Kaum Vorbereitung im eigenen Haushalt
Trotz der verbreiteten Unsicherheit fühlen sich nur wenige Menschen gut vorbereitet. Lediglich eine kleine Minderheit hält den eigenen Haushalt für gut gerüstet. Mehr als die Hälfte gibt an, überhaupt keine ausreichenden Vorkehrungen getroffen zu haben. Zwar planen einige, ihre Vorsorge zu verbessern, doch ein ähnlich großer Anteil möchte auch künftig nichts unternehmen.
Gleichzeitig beklagen viele, nicht ausreichend über Bedrohungen informiert zu sein. Ein Großteil wünscht sich mehr Aufklärung und eine stärkere Sensibilisierung der Bevölkerung.
Wovor die Menschen am meisten Angst haben
Besonders groß ist die Sorge vor Ausfällen in der Energieversorgung. Auch Störungen im Finanzwesen, im Gesundheitsbereich oder bei der Wasserversorgung bereiten vielen Menschen Unbehagen. Etwas weniger ausgeprägt, aber weiterhin deutlich, sind Ängste vor Problemen bei Telekommunikation, Verwaltung oder im Verkehr.
Diese Prioritäten zeigen, dass vor allem Bereiche als kritisch wahrgenommen werden, die den Alltag unmittelbar betreffen und deren Ausfall schnell spürbare Folgen hätte.
Ein Teil der Bevölkerung hat durchaus Vorsorge getroffen. Dazu zählen klassische Maßnahmen wie Taschenlampen, Notvorräte an Wasser und Lebensmitteln oder Bargeldreserven. Andere setzen auf technische Schutzmaßnahmen wie Sicherheitssoftware, digitale Dokumentensicherungen oder alternative Energiequellen wie Powerbanks.
Allerdings verfügt weiterhin ein spürbarer Anteil der Haushalte über keinerlei Notfallvorsorge. Auch alternative Kommunikationsmittel wie batteriebetriebene Radios sind vergleichsweise selten verbreitet.

Resilienz als Gemeinschaftsaufgabe
Die Ergebnisse der Bitkom-Befragung verdeutlichen, dass hybride Bedrohungen zwar ernst genommen werden, konkrete Handlungen jedoch oft ausbleiben. Neben dem Schutz kritischer Infrastrukturen wird damit auch die Eigenvorsorge der Bevölkerung zu einem zentralen Thema.
Eine bessere Information, klare Handlungsempfehlungen und eine stärkere Sensibilisierung könnten helfen, die Lücke zwischen Risikobewusstsein und tatsächlicher Vorbereitung zu schließen. Denn im Ernstfall entscheiden oft die ersten Stunden darüber, wie gut eine Gesellschaft mit Krisen umgehen kann.