Neun von 148 untersuchten DDoS-Anbietern haben Verbindungen zu Hacktivisten. Der Markt wächst und setzt auf Ranglisten und Bewertungssysteme.
Hacktivisten nutzen zunehmend kommerzielle DDoS-Dienste

Hacktivistische Gruppen greifen zunehmend auf kommerzielle Anbieter von DDoS-Angriffen zurück oder arbeiten mit ihnen zusammen. Das geht aus einer Analyse von Kaspersky Digital Footprint Intelligence hervor. Von 148 untersuchten DDoS-Akteuren, die mindestens seit 2024 aktiv sind, wiesen neun Verbindungen zu Hacktivisten auf. Für die Analyse hatte Kaspersky mehr als 256.000 Beiträge mit DDoS-Bezug im Dark und Deep Web ausgewertet.
Angriffe als Leistungsnachweis
Laut Kaspersky profitieren beide Seiten von der Zusammenarbeit. Hacktivisten erweitern ihre Angriffsmöglichkeiten, ohne alle Ressourcen selbst aufbauen zu müssen. Die DDoS-Anbieter gewinnen durch öffentlichkeitswirksame Kampagnen Sichtbarkeit. In den untersuchten Fällen wurden Angriffe vorab angekündigt und die Ergebnisse anschließend über verbundene Kanäle verbreitet. Für die Anbieter dient das als Nachweis ihrer Leistungsfähigkeit gegenüber potenziellen Kunden. Mindestens vier aktive Hacktivistengruppen bewarben zudem eigene DDoS-Werkzeuge.
16 neue Anbieter im ersten Quartal
Im ersten Quartal 2026 identifizierte Kaspersky 16 neue DDoS-Anbieter. Hält die Entwicklung an, könnte die Zahl neuer Anbieter im Gesamtjahr um mindestens 25 Prozent über der von 2025 liegen. Die durchschnittliche Aktivitätsdauer, gemessen zwischen der ersten und letzten Werbung, lag bei rund zweieinhalb Jahren. Die ältesten noch aktiven Anbieter bestehen seit zehn Jahren. Als mögliche Gründe für das Wachstum nennt Kaspersky die steigende Zahl von DDoS-Angriffen, häufigere Kampagnen im Zusammenhang mit geopolitischen Spannungen und frei verfügbare Stresser-Werkzeuge, die den Einstieg erleichtern.
Kataloge, Foren und Ranglisten
Beworben werden die Dienste über Aggregator-Websites, die Anbieter wie Kataloge nach Funktionen, Vertrauenssignalen oder Nutzerbewertungen auflisten, über Messaging-Kanäle mit eigenen Werbe-Threads und über Cybercrime-Foren mit Reputationssystemen. Neu sind laut Kaspersky Plattformen mit Ranglisten, die etwa Telemetriedaten zu Angriffen darstellen und Anbieter so öffentlich vergleichbar machen.
„Der DDoS-Markt im Darknet funktioniert inzwischen in vielerlei Hinsicht ähnlich wie ein regulärer Online-Markt und konkurriert mit vertrauten Werbeinstrumenten um Aufmerksamkeit.“
Kseniya Kudasheva, Analystin bei Kaspersky Digital Footprint Intelligence
(red/Kaspersky)




