Stellen Sie sich vor, zwei Drittel Ihrer IT-Spezialisten verbringen einen Teil ihrer Arbeitszeit damit, beschäftigt auszusehen, statt tatsächlich Ergebnisse zu liefern. Eine aktuelle repräsentative Erhebung liefert konkrete Zahlen.
Im März 2026 befragte das Marktforschungsinstitut Appinio im Auftrag von Indeed 1.000 hybrid arbeitende Beschäftigte in Deutschland. Das Ergebnis zeigt eine deutliche Kluft zwischen Anwesenheit und tatsächlicher Performance.
In einer Branche, die von Effizienz und Output lebt, vertrauen laut Studie lediglich 33,3 % der Befragten darauf, dass ihre Arbeitsergebnisse allein für sich sprechen. Die restlichen zwei Drittel haben im letzten Jahr gezielt Maßnahmen ergriffen, um engagierter zu wirken, als sie es in diesem Moment waren.
Die Taktiken variieren dabei von digital bis physisch:
- Digitaler Präsentismus: 27,7 % halten ihren Online-Status im Homeoffice künstlich auf „aktiv“.
- Strategische Kommunikation: 23,2 % versenden E-Mails zu ungewöhnlichen Zeiten, um Fleiß zu signalisieren.
- Leere Präsenz: 22,3 % melden sich in Meetings ohne inhaltlichen Mehrwert zu Wort; 17,3 % lassen sogar ihre Tasche oder Jacke im Büro zurück, um Anwesenheit vorzutäuschen.
Warum IT-Fachkräfte in die Inszenierung flüchten
Die Studie benennt klare strukturelle Gründe für dieses Verhalten. Es ist oft eine Reaktion auf das Arbeitsumfeld:
- Präsenzkultur: 32,5 % der Befragten erleben ein Umfeld, das auf Anwesenheitskontrolle setzt.
- Wirtschaftlicher Druck: 31,6 % sorgen sich aufgrund der wirtschaftlichen Lage um ihren Arbeitsplatz.
- Management-Stil: 24,4 % sehen in Mikromanagement den Auslöser für ihr Handeln.
55,9 % der Mitarbeiter sind der Meinung, dass ihr Arbeitgeber physische Anwesenheit höher bewertet als messbare Ergebnisse.
Das Büro als Ort der Videocalls und Ablenkung
Für IT-Führungskräfte ist besonders die Analyse des Büroalltags relevant. Das Büro scheint für viele seine Funktion als konzentrierter Arbeitsort zu verlieren:
- Infrastruktur-Paradoxon: 50,9 % der Mitarbeiter fahren ins Büro, sitzen dort dann aber primär in Videocalls mit Kollegen.
- Konzentrationskiller: 69 % berichten von regelmäßigen Unterbrechungen durch Lärm oder Smalltalk.
- Erschöpfungsfaktor: 56,6 % kommen primär ins Büro, um „Gesicht zu zeigen“. Folgerichtig fühlen sich 48,8 % nach einem Tag im Büro erschöpfter als im Homeoffice.
Der wirtschaftliche Wert von Ergebnisorientierung
Die Bereitschaft der Beschäftigten, dieses System zu ändern, ist so hoch, dass sie sogar finanzielle Einbußen in Kauf nehmen würden. 66,2 % der Befragten gaben an, auf 5 % oder mehr ihres Gehalts zu verzichten, wenn ihre Leistung ausschließlich an Ergebnissen gemessen würde. 70 % würden diesen Verzicht für die Möglichkeit zum dauerhaften Homeoffice leisten.
„Wer vor allem Anwesenheit einfordert, darf sich nicht wundern, wenn genau diese optimiert wird. Gerade mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit stellt sich die Frage, ob die aktuellen Anreize die richtigen sind.”
Frank Hensgens, Geschäftsführer von Indeed Deutschland
Was sich Beschäftigte wirklich wünschen
Um das Büro wieder zu einem Ort echter Produktivität zu machen, stehen laut Umfrage vor allem drei Faktoren im Fokus: kürzere Pendelwege oder Fahrtkostenzuschüsse (47,3 %), mehr Rückzugsorte für konzentriertes Arbeiten (39,7 %) sowie eine bessere Verpflegung und Teamangebote (29,6 %).
Für die IT-Leitung bedeutet das: Wer „Performance-Theater“ beenden will, muss die Messbarkeit von Ergebnissen fördern und das Büro als Ort für echte Kollaboration statt bloßer Anwesenheit positionieren.