Was ist eigentlich Frugale Innovation und wie unterscheidet sie sich vom Design Thinking-Ansatz? Diese Frage stellt man sich natürlicherweise, wenn man die Definitionen miteinander vergleicht.
Gliederung
- Definition Design Thinking
- Definition Frugale Innovation
- Kriterien
- Disruption
- Projekt Open Innovation Challenges
- Beispiele aus der IT
- Software Engineering - Rückwirkende Innovation - Backcasting
- Ist die IT-Industrie bereit für die Zukunft?
1. Definition Design Thinking
Laut Wikipedia ist Design Thinking ein Ansatz, der zum Lösen von Problemen und zur Entwicklung neuer Ideen führen soll. Ziel ist dabei, Lösungen zu finden, die einerseits aus Anwender- beziehungsweise Nutzersicht überzeugend, andererseits markt- und produktorientiert sind. Im Gegensatz zu anderen Innovationsmethoden wird Design Thinking teilweise nicht als Methode oder Prozess, sondern als Ansatz beschrieben, der auf den Grundprinzipien Team, Raum und Prozess beruht.

Bild: Das HPI definiert den Design-Thinking-Prozess als iterativen Arbeitsprozess in sechs Phasen. (Quelle: HPI)
Es existieren mehrere Vorgehensmodelle von Design-Thinking-Prozessen. Nach dem Hasso-Plattner-Institut in Potsdam lassen sich die sechs Schritte des Design Thinkings folgendermaßen beschreiben:
- Verstehen: Das zu Beginn stehende Problem wird bestenfalls mit einem Team aus mehreren Personen definiert. Wichtig ist dabei, ein allgemeines Verständnis zu schaffen und alle Beteiligten auf denselben Stand zu bringen. Konkrete Fragen können zum Beispiel sein: Was soll neu entwickelt werden? Für wen soll die Entwicklung relevant sein? Welche wesentlichen (aktuellen oder zukünftigen) Rahmenbedingungen müssen berücksichtigt werden? Welcher Endzustand soll durch die Lösung erreicht werden?
- Beobachten: Beim Beobachten geht es darum, sich in den Kunden hineinversetzen zu können. Eine Analyse des Willens des Kunden ist zum Beispiel durch ein Interview oder Rollenspiele möglich. Dabei ist es wichtig, den Kunden reden zu lassen. Gutes Zuhören ist der ausschlaggebendste Teil der Arbeit, denn sonst können Missverständnisse entstehen. Die Wünsche des Kunden stehen immer im Vordergrund.
- Standpunkt definieren: Die Ergebnisse der ersten beiden Schritte werden vereint. Techniken wie Personas oder Point-of-View werden dazu verwendet, den Standpunkt bildlich wie schriftlich zu definieren.
- Ideen finden: Zu Beginn der Ideenfindung steht ein allgemeines Brainstorming, in dem jegliche Ideen, seien sie noch so verrückt oder utopisch, zusammengetragen werden. Die Resultate werden strukturiert und nach Prioritäten sortiert. Dabei sind Fragen nach der Effizienz, der Umsetzbarkeit oder der Wirtschaftlichkeit der einzelnen Ideen von Bedeutung. Ebenfalls ist ein Blick zur Konkurrenz nicht unüblich.
- Prototyp: Ein Prototyp wird zu Anschauungszwecken erstellt. Perfektion und Vollendung sind dabei unbedeutend. Wichtiger ist: je einfacher, desto besser. Der Kreativität wird freien Lauf gelassen. Techniken, die beim Prototyping zum Einsatz kommen, sind unter anderem Wireframes, Post Its, Rollenspiele, Storyboards oder Modelle. Ausgerichtet wird der Prototyp auf die Bedürfnisse des Kunden. Wichtig ist, dass dieser sich anhand des Prototyps die Lösung seines Problems vorstellen kann.
- Testen: Zuletzt muss das Erarbeitete getestet werden. Dabei spielt Feedback eine wichtige Rolle. Außerdem ist Flexibilität gefordert. Funktioniert eine Idee nicht, darf sie auch verworfen werden. Kunden werden bei Tests mit den Prototypen genau beobachtet. Anhand ihrer Reaktion entwickeln sich weitere Ideen und Verbesserungen. Design Thinker sind bei diesem Schritt ebenfalls offen für neue Anregungen. Wird bei einem Test ein Mangel festgestellt, wird dieser eliminiert und die Schritte mit dem verbesserten oder neuen Prototypen wiederholt. Es ist durchaus üblich, dass es bei neuen Produkten mehrere Testphasen gibt, bis der Kunde zufrieden ist und das Produkt freigegeben werden kann.

2. Frugale Innovation
Soweit die Wikipedia. Und wie sieht es bei der Frugalen Innovation aus?
Das Gottlieb Duttweiler Institute (GDI in Rüschlikon/Zürich beschäftigt sich mit dieser Fragestellung schon länger und veranstaltet dazu Trendtage.
«Wir brauchen neue Zugänge, neue Massstäbe, was denn eine wichtige Innovation ist», sagt GDI-Forschungsleiterin Karin Frick. Die Innovationen der vergangenen Jahre hätten den KonsumentInnen mehr geboten, als sie benötigen. Sie hätten aber gleichzeitig den Ausstoss von CO2 weiter erhöht und den Verbrauch von nichterneuerbaren Ressourcen. Ganz anders bei frugaler Innovation – Karin Frick: «Damit kann man Innovation vom Ressourcenverbrauch entkoppeln.»
Mit frugalen Innovationen können Firmen aber auch besser auf Kundenbedürfnisse eingehen, so GDI-CEO Lukas-Jezler. Denn KonsumentInnen seien längst bereit, ihr Verhalten anzupassen, etwa um den Klimawandel zu stoppen. «Frugale Innovation hilft Unternehmen, eine neue Nachfrage nach einfachen, robusten, preisgünstigen und nachhaltigen Lösungen zu befriedigen.» Kleine, mobile Ultraschallgeräte, autarke Stromsysteme, oder Sharing-Plattformen für Ladeneinrichtung sind nur drei Beispiele für frugale Innovationen, die das Leben einfacher machen und nicht viel kosten.
Video: Wie geht Frugal Innovation und warum ist sie wichtig? | 18. Europäischer Trendtag
Nachhaltige Innovationsmethode
Für Dr. Petra Blumenroth, Projektmanagerin Technologie / Frugale Innovation bei Bayern Innovativ ist die Frugale Innovationen zunächst einmal eine nachhaltige Innovationsmethode.

Heutzutage dominieren, technologisch hochentwickelte und teure Produkte die Weltmärkte. Diese sind für einige Zielgruppen und Märkte weder hilfreich noch erschwinglich, da sie weit über die eigentlich benötigten Funktionen hinausreichen und in ihrer Bedienbarkeit zu komplex und reparaturanfällig sind.
Wie lassen sich also Produkte und Lösungen derart gestaltet, dass auf überflüssige Funktionen verzichtet und nur die notwendige Kernfunktion berücksichtigt wird – und damit auch von vornherein Ressourcen eingespart werden? Genau dies führt zum Ansatz der Frugalen Innovationen.
Frugales Innovieren dreht sich darum, einfache, clevere und erschwingliche Lösungen zu finden. Es handelt sich dabei um ein strategisches Konzept, das primär die Kundenbedarfe bzw. deren Herausforderungen in den Mittelpunkt stellt (Customer Centricity) und mit der angestrebten Lösung gleichzeitig Mehrwert(e) schafft. Der dahinterliegende Denkansatz beinhaltet das Weglassen aller überflüssigen Funktionen oder Teile, die im Nutzungskontext nicht erforderlich sind. Daraus resultiert dann eine einfache Anwendung (Verringerung der Komplexität), optimierte Funktionalität bei gleichzeitiger Einsparung von Ressourcen (Zeit, Geld, Material) bzw. Nutzung lokaler Materialien sowie eines im Nutzungskontext erschwinglichen Preises. Die Herangehensweise setzt demzufolge ein verändertes Mindset voraus und zahlt auf wirtschaftliche, ökologische wie auch soziale Nachhaltigkeit ein.
3. Kriterien Frugaler Lösungen
Im ersten Schritt geht es nicht darum, von einer bereits denkbaren Lösung auszugehen, sondern sich in die Lebenswelt und das Umfeld des potenziellen Kunden und Nutzers einzufühlen. Dies impliziert sowohl persönliche Nutzungseigenschaften wie auch kulturelle, umweltrelevante und soziale Gegebenheiten in die Lösungsfindung einzubeziehen.
Dabei sind folgende Leitlinien beim frugalen Innovieren zu erfüllen:
- Konzentration auf die benötigten Kernfunktionen; alles Überflüssige weglassen
- weniger ist mehr und spart Ressourcen
- Anwenderfreundlichkeit durch reduzierte Komplexität
- substanziell reduzierte Kosten; erschwingliche Lösungen im jeweiligen Nutzungskontext
- funktionell und technologisch ausgereifte Lösungen entwickeln
Frugale Innovationen lassen sich in vielen Technologiefeldern umsetzen. Beispiele hierfür sind unter anderem mobile, handliche Ultraschallgeräte zur Anwendung in ländlichen Gegenden in Entwicklungs- und Schwellenländern. Oder Wassergewinnung aus der Atmosphäre etwa über Nebel oder PV-betriebene Trinkwassergewinnung aus Salz- oder Brackwasser; modular aufrüstbare Elektrofahrzeuge, aber auch Car-Sharing-Modelle; Solar Home Systeme (Photovoltaik-basierte Stromerzeugung für Kleinstbetriebe, Schulen, etc. in ländlichen Gegenden ohne Stromversorgung; häufig als sogenannte Pay-as-you-go -Lösung).
4. Disruption
Ein interessantes Feld im Bereich der frugalen Innovationen sind disruptive Geschäftsmodelle, die mittels der Digitalisierung möglich werden: Sie bieten Services an, durch die das eigentliche Produkt überflüssig wird. Zu nennen sind hier Mobile Money-Systeme, aber auch Sharing- und Plattformlösungen wie AirBnB, ebay, Uber, sowie weitere Product as a Service Miet- oder Pay-per-Use-Ansätze.
Weitere Treiber für frugale Lösungen in Industrieländern sind unter anderem auch besondere Anforderungen durch einen starken Anstieg der alternden Bevölkerung. Hier können zum Beispiel Seniorenhandys, Notfallrufsysteme, digitaler Sprachassistenten oder intelligente Sensorsysteme zur Unterstützung in der Pflege frugale Lösungen darstellen.
Frugale Innovationen haben in ihrer vielfältigen Ausprägung das Potenzial, zunehmend auf die Lösung globaler Herausforderungen einzuzahlen und bieten damit eine Chance für die Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele der Agenda 2030 der Vereinten Nationen.
Zusammenfassend bezeichnet Wikipedia eine frugale Innovation als eine Innovation, welche mit dem in Forschung und Entwicklung weit verbreiteten Paradigma „immer mehr, immer besser“ bricht und eine vereinfachte und anwendungsorientierte Lösung bezeichnet, um neue, preissensible Segmente am Fuße der sozioökonomischen Pyramide zu erschließen. Frugale Innovationen hängen eng mit Begriffen aus Schwellenländern wie Jugaad, Grassroot Innovation und Reverse Innovation zusammen.
Was ist neu an diesem Konzept?
Auch die Agentur für Wirtschaft und Entwicklung in Berlin beschäftigt sich mit diesem Thema, dessen ziel man auf einen einfachen Nenner bringen kann: „Weniger ist mehr“ oder „Keep it simple“.
Bei frugalen Innovationen geht es nicht ums bloße Weglassen, sondern um ein Neudenken des kompletten Innovationsprozesses und der gesamten Wertschöpfungskette. Das geht nur mit einer offenen Unternehmenskultur und echtem Change Management: weg vom heutigen „Over-Engineering“ deutscher oder amerikanischer Ingenieure/innen, die – auch vom eigenen Anspruch getrieben – oft Lösungen entwickeln, die aufwändiger sind als nötig. Frugale Innovationen sind hingegen radikal kundenorientiert, der spätere Nutzerinnen und Nutzer rückt mit seinen Bedürfnissen in den Fokus. Voraussetzung ist eine hohe Empathie für die Kundinnen und Kunden, um deren relevante Kriterien herauszufiltern sowie im Anschluss die Produktmerkmale zu priorisieren. Als Credo gilt: „Verlieb dich in die Herausforderung, nicht in die Lösung“.
5. Open Innovation Challenges
Und auch das Fraunhofer Institut IAO ist bei der frugalen Innovation aktiv vertreten. Auf der Website wird unter anderem das Projekt FRANCIS vorgestellt.
Erschwingliche, aber dennoch qualitativ hochwertige Lösungen waren noch nie so gefragt wie jetzt. Um die Bedürfnisse der Gesellschaft als Ganzes zu erfassen und die Bürger*innen in die Entwicklung von sogenannten »frugalen Lösungen« einzubeziehen, führt das Fraunhofer IAO in Kooperation mit Industrieunternehmen und weiteren Partnern im EU-Projekt »FRANCIS« zwei Open Innovation Challenges durch.
Die aktuelle Krise beeinflusst nach der Meinung vieler Analyst*innen nicht nur das soziale Miteinander, sondern auch unser Konsumverhalten. Dazu gehören Entwicklungen und Trends wie: weniger Quantität und mehr Qualität, zunehmendes Interesse an lokal produzierten Waren oder auch die breite Nutzung von E-Commerce. Gerade in dieser Zeit kann »Open Innovation« (kurz OI) sein volles Potenzial für die Entwicklung von Frugalen Innovationslösungen entfalten, im Sinne einfacher und erschwinglicher, aber dennoch qualitativ hochwertiger Lösungen. Das haben verschiedene Online-Challenges während der Pandemie bewiesen, die auf die Entwicklung von frugalen Beatmungsgeräten abzielten.
Online-Challenges ermöglichen es, Zugang zu dem kreativen Potenzial von Expert*innen aus der ganzen Welt zu erhalten, die mit Ideen zu technischen Fragen unterstützen. Dieses Prinzip macht sich nun ein Konsortium aus sieben Projektpartnern aus insgesamt sechs europäischen Ländern für das Projekt »FRANCIS« zu Nutze. Dazu gehören neben den beiden Fraunhofer-Instituten für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO sowie für Raum und Bau IRB auch das Technische Forschungszentrum Finnland VTT als wissenschaftliche Begleitung. Desweiteren sind die finnische Non-Profit-Organisation InnoFrugal, das Behavioural Insights Team (BIT) aus Großbritannien, das Tech-Startup Agorize aus Frankreich sowie die beiden Industrieunternehmen HELIOZ aus Österreich und BSH Hausgeräte aus der Türkei am Projekt beteiligt. Ziel ist es, gemeinsam mit Bürger*innen frugale Innovationslösungen zu entwickeln, indem diese mithilfe von moderierten Challenges in den kreativen Prozess einbezogen werden.

Bild: Beispielansicht einer eingereichten Idee auf der Online-Plattform. (Quelle: Fraunhofer IAO)
Das Potenzial von »Citizen Frugal Innovation« entfalten
Insgesamt durchlaufen die registrierten Ideen zwei Votings. Die besten Ideen erhalten eine Finanzierung für die weitere Entwicklung. Zusätzlich stehen den Bürger*innen bei der Ideenentwicklung auch Wissenschaftler*innen sowie Industrie-Mentor*innen unterstützend zur Seite, Student*innen helfen bei praktischen Problemen. Damit die Ideen am Ende auch zur Marktreife gebracht werden, sind die Industrieunternehmen HELIOZ und BSH Hausgeräte am Projekt beteiligt, auf deren Anwendungsfelder die zwei geplanten Challenges ausgerichtet sind. »Die ganze Idee basiert auf einem Win-Win-Konzept.
Die Bürgerinnen und Bürger erhalten die Möglichkeit, kreativ an neuen Produktideen mitzuarbeiten und die Unternehmen können einen besseren Einblick in die Bedarfe und Wünsche kostensensitiver Kunden erhalten. Ein Beispiel: Ein Waschmaschinenhersteller, der bereits die nächste Produktgeneration mit HighTech-Touchpad zur Bedienung plant, sieht vielleicht ein Potenzial in einfachen Maschinen mit wenig Funktionen, hat aber Schwierigkeiten, hierfür den richtigen Ansatz zu finden«, erklärt Liza Wohlfahrt vom Fraunhofer IAO und Projektleiterin von FRANCIS.
Dem Konsortium ist es wichtig, die Gesellschaft als Ganzes anzusprechen, einschließlich marginalisierter Gruppen wie Arme, ältere Menschen und große Familien. Auch die wachsende Schicht der sogenannten Minimalisten, die versuchen ihr Leben aktiv zu vereinfachen, stehen im Fokus. Aus diesem Grund sollen die Events auch beispielsweise in Altersheimen, Schulen oder Bibliotheken stattfinden.
Erfahrungen mit bürgerschaftlicher Frugaler Innovation für zukünftige Initiativen schaffen
Ein weiteres Ziel von »FRANCIS« ist es, die Entwicklung eines soliden Citizen Frugal Innovation Frameworks voranzutreiben, um die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Bürger*innen und Industrie im Bereich Frugal Innovation zu unterstützen. Deshalb wird das Projektteam begleitend zu den Challenges auch verhaltenswissenschaftliche Tests durchführen, um Einblicke in mögliche Barrieren zu gewinnen und mehr über die Motivation und den Unterstützungsbedarf der beteiligten Bürger*innen zu erfahren. Anhand der aus erster Hand gewonnenen Erkenntnisse kann das Forschungsteam effektive Strategien zur Förderung Frugaler Innovationen und Citizen Science Initiativen ableiten.
Das Projekt ist im Februar gestartet. Für das Jahr 2021 ist die Entwicklung des wissenschaftlichen Rahmenmodells vorgesehen, um dann 2022 und 2023 die beiden Challenges durchzuführen.
Einige Events werden in dem neuen Creative Space »Next:Lab« des Fraunhofer IAO stattfinden. »Für uns ist das Projekt ein weiterer wichtiger Baustein beim Aufbau unseres ›Zentrums für Frugale Produkte und Produktionssysteme‹ am Stuttgarter Technologie- und Innovationscampus S-TEC«, betont Prof. Dr. Wilhelm Bauer, Leiter des Fraunhofer IAO. »Der baden-württembergische Mittelstand, den das Zentrum adressiert, profitiert von neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und dem internationalen Austausch. Schließlich sind viele unserer Unternehmen auch global vernetzt«.
6. Beispiele aus der IT
Beispiel aus der IT sind rar gesät. Viele würden sich nach einem Office mit dem Leistungsumfang eines Office 2.0 zurücksehnen. Es ist wohl in der Praxis so, das 95% der Anwender 5% des Leistungsumfanges der aktuellen Office-Version nutzen.
Die Right People Group ist ein Unternehmen das dabei hilft, die Potenziale externer IT-Spezialisten vollständig auszuschöpfen. Aber was hat frugale Innovation mit der Arbeit als unabhängiger Berater zu tun?
Mussten Sie als IT-Berater schon einmal unter Druck und in kurzer Zeit mit wenigen Mitteln ein kleines Wunder vollbringen? In dem TED-Vortrag, der hier folgt,
Video: Navi Radjou: Creative problem-solving in the face of extreme limits
erklärt Innovations- und Managementberater Navi Radjou, wie wir aus widrigen Umständen eine Möglichkeit zur Innovation und kreativen Lösungsfindung mit den Werkzeugen, die uns zur Verfügung stehen, machen können.
Demokratische und nachhaltige Innovation
Das in der westlichen Welt vorherrschende Geschäftsmodell war lange der Hauptantrieb für technologische Entwicklung. Das hat unserer Gesellschaft viel Gutes gebracht. Die ständige Suche nach der neuen großen Entdeckung hat aber auch seine Nachteile, da es passieren kann, dass man die Weiterentwicklung und die Verbesserung bereits bestehender Lösungen vernachlässigt. Wenn ein neues Produkt entwickelt wurde, wird oft versucht eine völlig neue Lösung für ein Problem zu finden. Dieses Modell der ständigen Innovation verhindert die Perfektionierung bereits bestehender Produkte was für großen Ressourcenverbrauch sorgt. Hier kommt frugale Innovation ins Spiel. Diese alternative Bewegung möchte Produkte auf eine Art produzieren, die sie einer großen Zahl an nicht so kaufkräftigen Nutzer verfügbar macht und durch nachhaltiges Wirtschaften die Umwelt schont.
7. Reverse Engineering - Rückwirkende Innovation
Aus der Softwareentwicklung kennen wir das Reverse Engineering, quasi ein Zurück in die Vergangenheit, um dann neu aufzusetzen und es besser zu machen. Zukunftsforscher wie die von 2bAhead nutzen das Backcasting als Strategie-Methode für disruptive Zeiten.
Strategie-Entwicklungen werden in der Regel für Jahre im vorraus angelegt. Doch wer in einer komplexen, sich schnell ändernden Zeit der Entwicklungszyklen sein aktuelles Umfeld zur Grundlage seiner Strategie macht, der muss auch damit leben, dass diese Strategie bereits in 12-24 Monaten wieder veraltet sein kann.
Das Backcasting macht genau das Gegenteil. Beim Backcasting wird die Strategie nicht aus dem heutigen Zustand nach vorn projiziert, sondern aus einem Zukunftsbild „zurückgerechnet“. Statt mit der heutigen Umfeldanalyse beginnt man den Strategieprozess mit der Erstellung eines wahrscheinlichen Zukunftsbildes seiner Branche in zehn Jahren. Rückbetrachtend aus der Perspektive des 10-Jahres-Zukunftsbildes wird dann der letzte strategische Schritt beschrieben, der im Jahr 9 gegangen wurde, um den Status des Jahres 10 zu erreichen. Da-nach wird der vorletzte strategische Schritt analysiert, der im Jahr 8 gegangen wurde, um den Status des Jahres 9 zu er-reichen. Und so weiter. Auf diese Weise entstehen exponentiell ansteigende Strategiekurven, die sich wesentlich von den klassischen linearen 5-Jahres-Strategien unterscheiden, so die Zukunftsforscher von 2bAhead.
Zurück zur rückwirkenden Innovation, die eine Umkehrung des üblichen Entwicklungsprozesses darstellt. Die Right People Group sieht in der frugalen Innovation einen Prozess der Komplexität und Kosten eines Produktes oder Dienstes verringert. Grob gesagt werden überflüssige Teile entfernt und der Fokus auf die Hauptbestimmung eines Produkts oder Dienstes gesetzt. Bei rückwirkender Innovation konzentriert man sich auf die unbedingt notwendigen Teile und vermeidet Aufwendungen für nicht essentielles und überflüssiges. Auf diese Art verringern sich Preis und Komplexität, was ein Vorteil für Menschen in der Region und auf der ganzen Welt ist.
Beispiel Safaricom
Hier handelt es sich um eine Mobiltelefonbank für Kenianer ohne Bankkonto. Es ist ein Beispiel für die technologiebasierte frugale Innovation bei der die Überweisung von Geld ganz ohne Bankkonto funktioniert. Während Mobiltelefone in Kenia immer weiter Verbreitung finden, gibt es in den gleichen Gegenden noch immer viele Menschen ohne Bankkonto. Der Mobilfunkanbieter Safaricom hat das Geschäftspotential, dass diese Marktlücke bietet entdeckt. Nun haben viele Kenianer die Möglichkeit mit Ihrem Mobilfunkanbieter Geld zu sparen und zu versenden und das vereinfacht ihr Leben merklich.
Frugale Innovation funktioniert nur wenn wir unsere Denkweise verändern
Frugale Innovation ist ein Weg die Wachstums- und Entwicklungsstrategie in einem Unternehmen zu überdenken. Von dieser Veränderung der Herangehensweise an einen Entwicklungsprozess kann jeder profitieren. Besonders bei einer Neugründung, als Ein-Mann-Betrieb oder Freiberufler kann es schwer sein seine Nische in einem umkämpften Geschäftsfeld zu finden und deshalb ist es in diesem Fall ratsam die fünf Schritte der frugalen Innovation auszuprobieren:
- Mit rückwirkender Innovation ragen Sie aus der Menge heraus. Wen andere nur teure und aufwendige neue Projekte als Chance sehen, können Sie bereits bestehende Lösungen kostengünstig anwenden. In einer Industrie die auf ständige Innovation und Alleinstellungsmerkmale setzt, kann das die Nische für Sie sein, die für große Nachfrage sorgt.
- Erneuern Sie Ihren Arbeitsablauf. Reflektieren Sie über die Dienste die Sie anbieten können. Nutzen Sie die Tipps aus Navi Radjous TED-Vortrag, um ebenfalls eine einzigartige Herangehensweise an Projekte zu entwickeln, die sie von der Konkurrenz abgrenzt.
- Involvieren Sie jeden der am Projekt beteiligt ist. Nutzen Sie die Erfahrung derer die schon mit einem Dienst oder Produkt arbeiten, um es zu verbessern oder auf eine neue Art zu nutzen. Damit Sie wissen was die wirklich wichtigen Teile eines Produktes oder Dienstes sind, müssen Sie die Ideen Ihrer Klienten, der Dienstleister und Anbieter sowie der Endnutzer für sich nutzen.
- Nutzen und kultivieren Sie Ihr Innovationsnetzwerk. Ihr Netzwerk für die Entwicklung muss nicht nur auf die im vorigen Punkt genannten Personengruppen beschränkt sein. Nutzen Sie Ihr Netzwerk, um so viele Ideen für Ihr Projekt wie möglich zu erhalten. Denken Sie daran eine Art Crowd-Entwicklung zu starten und Geschäftspartner aus anderen Wirtschaftszweigen miteinzubeziehen, die auch mit frugaler Innovation arbeiten. Ebenso ist wichtig mit anderen aus dem gleichen Wirtschaftsbereich wetteifern zu können, die ebenfalls an Innovationen arbeiten.
- Denken Sie Nachhaltig. Nachhaltig versteht man in frugaler Innovation als ein weites Konzept: Es beinhaltet Sparsamkeit mit Ressourcen, Nutzen für die Mehrheit der Gesellschaft und das Qualität wichtiger als Quantität ist. Viele Unternehmen möchten nachhaltig arbeiten, zum Beispiel als Teil der Beachtung der Unternehmerischen Gesellschaftsverantwortung. So wird aus einem normalen Produkt ein hochwertiges Produkt.

Nachhaltige Innovation
Warum sollte man nicht versuchen bereits existierenden Produkte oder Dienste zu verbessern, anstatt neue, unnötig teure und komplexe Produkte zu entwickeln? Hier trifft Navi Radjou den Nagel auf den Kopf, wenn er sagt:“ „Ich stelle mir den Personentyp der sich diese Innovationen ausdenkt als eine Art Alchemist vor, der auf magische Art Hindernisse in Chancen verwandelt oder etwas von geringem Wert in einen wertvollen Gegenstand verwandelt.“ Mit anderen Worten ein Meister der Kunst mehr mit weniger zu schaffen. Das ist der Kern der frugalen Innovation.
Innovation im Aufbau
Frugale Innovation wurde bis jetzt hauptsächlich in sich noch entwickelnden Märkten und in Unternehmen mit begrenzten Mitteln angewandt, aber schon 2012 bemerkte The Economist das Potenzial von rückwirkender Innovation in der westlichen Welt. “[Radjou und seine Co-Autoren] sagen vorher, dass frugale Innovation auch in Industrienationen Veränderungen bringen wird“. Next Billion behauptet, dass diese Art von Innovation nicht auf technogisch einfache Wirtschaftsbereiche beschränkt sein muss. Es gibt sehr viel ungenutztes Potential in der Art wie der IT-Sektor im Westen arbeitet und um das zu ändern, sollte mehr frugale Innovation angewendet werden. Das Zitat aus dem Economist zeigt uns, dass ein langfristiger Wandel in Gang getreten ist, in dem Unternehmen beginnen frugale Innovation anzuwenden.
8. Ist die IT-Industrie bereit für die Zukunft?
Bereits 2011 veröffentlichte die dänische Firma Strategos einen Bericht mit dem Titel: „Ist die IT-Industrie bereit für die Zukunft?“ 126 der Quellen für diesen Bericht waren CEOs in der IT-Industrie. Im Bericht werden drei wichtige Punkte erwähnt:
- IT-Unternehmen scheinen nur 60% ihres Potenzials zu nutzen. Das ist im Vergleich mit anderen Industriezweigen unterdurchschnittlich.
- 70% der befragten Firmen planen mit 10% Wachstum.
- IT-Unternehmen müssen agiler werden.
Dieser Bericht ist mittlerweile 11 Jahre alt aber deswegen nicht weniger relevant. Die Ergebnisse zeigen klar, dass es ungenutztes Potenzial in diesem Industriezweig gibt. Frugale Innovation allein kann nicht für das Erreichen der angestrebten Wachstumsraten sorgen, es muss aber Anregungen geben auch bereits bestehende Prozesse und Produkte zu verbessern. Auf lange Sicht wird sich der Einfluss der frugalen Innovation zeigen. Frugale Innovation ist ein Werkzeug mit dem man völlig neue Märkte entdecken kann. Plötzlich kann man ein Produkt oder einen Dienst zu einem deutlich niedrigeren Preis anbieten kann und Produkte und Dienste auf eine völlig neue Art, als bisher in einem Wirtschaftszweig üblich, nutzen.
Fazit
Wenn man die Begriffe Frugale Innovation und Design Thinking miteinander vergleicht, dann kommt man zum Schluss, dass es zahlreiche Überscheidungen bei den Inhalten gibt. Letztendlich ist aber das Design Thinking weiter gefasst und schließt den Hochtechnologiebereich inklusive der Informationstechnik mit ein. Der HYPE Ideenmanagement Blog fasst es passend zusammen: Wenn ich Frugale Innovation meinem Gegenüber erkläre, kommt oft verblüfft zurück: „Einfache Innovation? Also kleine, keine echten Innovationen? Nichts Besonderes?“ – Im Gegenteil: Der Begriff „frugal“ bezieht sich weniger auf die Innovationsleistung, das bedeutet, sie ist keine kleinere oder schlechtere Innovation, vielmehr adressiert frugal den Nutzerkreis beziehungsweise die Anforderungen, die die Innovation zu leisten hat.
Weitere Informationen:
https://www.bayern-innovativ.de/seite/netzwerk-frugale-innovation
https://wirtschaft-entwicklung.de/blog/detailansicht/was-sind-eigentlich-frugale-innovationen/?no_cache=1
https://www.iao.fraunhofer.de/de/presse-und-medien/aktuelles/frugale-innovationen-von-und-fuer-buerger-innen.html
https://rightpeoplegroup.com/de/frugale-innovation/
https://www.zukunft.business/advisory/change/backcasting-methode/#:~:text=%E2%80%9C%20zielt%20diese%20Methode%20darauf%20ab,unsere%20heutigen%20Denkmuster%20die%20Zukunftsplanung
Videos: https://www.youtube.com/watch?v=M1BLQc2_GIA
Podcast: https://www.youtube.com/watch?v=J9CrehnPs1M
Websites:
https://openinnovationcity.de/news-events/blog/trendthema-frugale-innovationen-ein-baustein-der-zukunft-1
https://blog.hypeinnovation.com/ideenmanagement/frugale-innovationen
https://hpi-academy.de/design-thinking/was-ist-design-thinking/








