Eine aktuelle Analyse der Employee-Experience-Plattform Culture Amp zeigt eine wachsende Vertrauenslücke zwischen Unternehmen und ihren Beschäftigten.
Immer weniger Firmen erfassen systematisch, wie zuversichtlich Mitarbeitende auf die Zukunft ihres Arbeitgebers blicken. Gleichzeitig sinkt auch das Vertrauen vieler Beschäftigter in die langfristige Entwicklung ihres Unternehmens.
Für die Untersuchung wertete Culture Amp Daten aus mehr als 3.000 Unternehmen weltweit aus. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Mitarbeitende die Zukunftsfähigkeit ihres Unternehmens einschätzen und ob sie die strategische Ausrichtung nachvollziehen können.
Zustimmung zur Unternehmensstrategie nimmt ab
Besonders auffällig ist der langfristige Trend: Während im Jahr 2021 noch 80 Prozent der Beschäftigten überzeugt waren, dass ihr Unternehmen in den kommenden drei Jahren erfolgreich sein werde, lag dieser Wert 2025 nur noch bei 72 Prozent. In Deutschland fällt die Einschätzung deutlich kritischer aus. Hier glauben lediglich 62 Prozent der Mitarbeitenden an eine positive Entwicklung ihres Unternehmens.
Laut der Analyse wird ein wichtiger Grund dafür bei der Verteilung von Ressourcen gesehen. Weltweit sind zwar 60 Prozent der Beschäftigten der Meinung, dass Budgets und Investitionen sinnvoll auf strategische Ziele abgestimmt werden. Gleichzeitig zweifeln aber vier von zehn Mitarbeitenden daran, dass Geld und Ressourcen tatsächlich dort eingesetzt werden, wo sie den größten Nutzen bringen.
In Deutschland ist die Skepsis noch stärker ausgeprägt: Nur 42 Prozent bewerten die Ressourcenverteilung im eigenen Unternehmen positiv. Damit liegt Deutschland deutlich hinter Nordamerika, dem asiatisch-pazifischen Raum und auch Großbritannien.
Kleine Unternehmen schneiden besser ab
Die Unternehmensgröße spielt laut der Untersuchung ebenfalls eine wichtige Rolle. Mitarbeitende kleinerer Unternehmen vertrauen häufiger darauf, dass Ressourcen sinnvoll eingesetzt werden und strategische Entscheidungen nachvollziehbar sind.
In Firmen mit bis zu 100 Beschäftigten halten 64 Prozent die Ressourcennutzung für effektiv. Bei Unternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitenden sinkt dieser Wert auf 59 Prozent. Auch beim Vertrauen in die zukünftige Entwicklung schneiden kleinere Unternehmen leicht besser ab.
Interessant ist dabei, dass die Zweifel vieler Beschäftigter offenbar nicht auf die angebotenen Produkte oder Dienstleistungen zurückzuführen sind. Weltweit geben rund 74 Prozent der Befragten an, dass ihr Unternehmen bessere Produkte oder Services als die Konkurrenz anbietet. Dieser Wert ist seit Jahren weitgehend stabil.
In Deutschland liegt allerdings auch hier die Zustimmung niedriger: Nur 62 Prozent teilen diese Einschätzung.
Fehlende Fragen schaffen blinde Flecken
Arne Sjöström von Culture Amp sieht vor allem die interne Kommunikation und strategische Transparenz als entscheidende Faktoren. Viele Unternehmen würden laut seiner Einschätzung vor allem solche Fragen stellen, bei denen positive Antworten zu erwarten seien. Dadurch entstünden gefährliche blinde Flecken.
Wichtiger seien laut Sjöström grundlegende Fragen zur Glaubwürdigkeit von Zielen, zum Vertrauen in Führungskräfte und zur strategischen Ausrichtung eines Unternehmens. Wenn Beschäftigte nicht verstehen, warum bestimmte Entscheidungen getroffen werden oder wie Ressourcen eingesetzt werden, sinke langfristig auch die Motivation.
Wirtschaftlicher Erfolg und Unternehmenskultur sind zunehmend enger miteinander verbunden. Beschäftigte möchten nicht nur gute Produkte vertreten, sondern auch nachvollziehen können, wohin sich ihr Unternehmen entwickelt und welche Strategie dahintersteht.
Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten könnte das Vertrauen der Mitarbeitenden damit zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor werden.