Kaspersky-Experiment

KI-Manipulationen: Gesichtserkennung bleibt trotzdem treffsicher

Gesichtserkennung

Ein Experiment von Kaspersky zeigt, wie leistungsfähig moderne Gesichtserkennungssysteme inzwischen arbeiten – selbst dann, wenn künstliche Intelligenz Gesichter massiv verändert.

Auf dem Branchenevent Kaspersky HORIZONS in Rom demonstrierten die Sicherheitsforscher, dass biometrische Systeme Personen weiterhin korrekt identifizieren konnten, obwohl generative KI ihr Aussehen deutlich verjüngt oder künstlich gealtert hatte.

Anzeige

Für menschliche Betrachter wirkten die bearbeiteten Bilder teilweise wie vollkommen andere Personen. Die eingesetzten Erkennungssysteme ließen sich davon jedoch nicht täuschen.

Gesichtserkennung analysiert mehr als nur das Erscheinungsbild

Für das Experiment nutzte das Global Research and Analysis Team (GReAT) von Kaspersky eine Open-Source-Technologie aus dem Bereich Computer Vision und maschinelles Lernen. Originale Porträtfotos wurden mithilfe generativer KI stark verändert, um unterschiedliche Altersstufen künstlich zu simulieren.

Trotz dieser visuellen Veränderungen erkannte das System in allen getesteten Fällen weiterhin die ursprüngliche Identität der Personen korrekt. Nach Einschätzung der Forscher deutet das darauf hin, dass moderne biometrische Systeme weniger auf offensichtliche optische Merkmale reagieren als vielmehr auf stabile geometrische Strukturen im Gesicht.

Anzeige

Dazu zählen etwa Abstände zwischen Gesichtspunkten oder charakteristische biometrische Muster, die selbst durch KI-Manipulationen erhalten bleiben können.

Neue Herausforderungen für digitale Identitäten

Die Ergebnisse zeigen laut Kaspersky zwei Seiten der Entwicklung. Einerseits gelten Gesichtserkennungssysteme offenbar als widerstandsfähiger gegenüber bestimmten KI-Manipulationen als bislang angenommen. Andererseits wächst gleichzeitig die Gefahr, dass generative KI für Identitätsbetrug oder synthetische Identitäten missbraucht wird.

Gerade weil KI inzwischen täuschend echte Bilder erzeugen kann, steigen die Risiken für digitale Verifizierungsprozesse. Besonders betroffen sind Bereiche wie Finanzdienstleistungen, Grenzkontrollen, Gesundheitswesen oder Sicherheitsanwendungen, in denen biometrische Verfahren zunehmend eingesetzt werden.

Maher Yamout, Lead Security Researcher im GReAT-Team von Kaspersky, erklärt, dass das Experiment zwar keine groß angelegte Studie sei, aber einen wichtigen Hinweis auf mögliche zukünftige Angriffsszenarien liefere. KI-veränderte Gesichter könnten ihre biometrische Identität behalten, obwohl Menschen die Bilder als völlig unterschiedliche Personen wahrnehmen.

Die Forscher sehen deshalb Handlungsbedarf bei Unternehmen, Behörden und Entwicklern biometrischer Systeme. Künftig werde es entscheidend sein, Sicherheitsmechanismen gegen KI-gestützte Manipulationen weiterzuentwickeln und digitale Identitätsprüfungen robuster zu gestalten.

Mit der rasanten Entwicklung generativer KI rückt damit auch die Frage nach Vertrauen in digitale Identitäten stärker in den Mittelpunkt. Denn je realistischer synthetische Inhalte werden, desto wichtiger wird die Fähigkeit, echte und manipulierte Identitäten zuverlässig voneinander zu unterscheiden.

Pauline Dornig

Pauline

Dornig

Online-Redakteurin

IT Verlag GmbH

Anzeige

Artikel zu diesem Thema

Weitere Artikel

Newsletter
Newsletter Box

Mit Klick auf den Button "Jetzt Anmelden" stimme ich der Datenschutzerklärung zu.