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Das Rätsel um den KI-Liebling Elias Thorne

Mensch vs. KI

Große Sprachmodelle wie ChatGPT nutzen in Geschichten auffallend oft den Namen Elias Thorne. Forscher haben nun die Ursache dafür entschlüsselt.

Große Sprachmodelle wie ChatGPT, Claude und Gemini greifen beim Schreiben von fiktiven Texten auffallend oft auf dieselbe Figur zurück. Der Charakter namens Elias Thorne wird von den Systemen meist als Leuchtturmwärter, Uhrmacher oder Bibliothekar dargestellt. Der Softwareentwickler Daniel May bemerkte dieses Phänomen anhand von Google-Trends-Daten, bei denen die Suchanfragen nach diesem Namen ab Ende 2025 und Anfang 2026 stark anstiegen.

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Eine wissenschaftliche Untersuchung der Cornell University mit dem Titel „Elias in the Lighthouse, Again?“ analysierte 20.000 von künstlicher Intelligenz generierte Geschichten. Die Forscher Sil Hamilton und David Mimno stellten fest, dass elf spezifische Wörter – darunter die Namen Elias, Mara und Elara sowie der Beruf des Leuchtturmwärters – in über 88 Prozent der Texte modellübergreifend vorkamen.

Ursachen in Datensätzen und KI-Sicherheitsfiltern

Die Ursache für diese Monotonie liegt in der Verwandtschaft der Trainingsdaten und den Sicherheitsfiltern der KI-Modelle. Viele aktuelle Sprachmodelle basieren auf ähnlichen Datensätzen, da Entwickler für das Training neuer Systeme häufig bestehende Konversorgung älterer Modelle nutzen. Die Wurzel dieses Stammbaums bildet der Datensatz WildChat, der eine Million echte Gespräche mit einer frühen ChatGPT-Version umfasst. In 166 dieser Konversationen tauchte der Name Elias im typischen Leuchtturm-Erzählstil auf. Bei der Entwicklung neuer Modelle kopierten die Systeme diesen Stil unbemerkt. Ein weiterer Faktor ist die Sicherheitsüberprüfung der KI-Hersteller, die kontroversfreie Inhalte bevorzugt.

„Wir haben festgestellt, dass viele Geschichten in WildChat nicht jugendfrei sind. Dies führte uns zu der Hypothese, dass Modelle, die eine Anpassung durchlaufen, einen kleinen Ausschnitt der WildChat-Geschichten bevorzugen, wie ein Nadelöhr. Es ist nicht so, dass Elias-Geschichten häufig sind, sondern dass sie einfach so sicher sind.“

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Sil Hamilton, Forscher an der Cornell University

Verbreitung von KI-Inhalten mit Elias Thorne auf Online-Plattformen

Der fiktive Charakter hat mittlerweile die Chat-Schnittstellen verlassen und verbreitet sich auf kommerziellen Plattformen. Auf Amazon erscheinen vermehrt KI-generierte Bücher unter dem Autorennamen Elias Thorne in völlig unterschiedlichen Genres. Die Palette reicht von Ratgebern für alternative Krebsmedizin über Ratgeber für YouTube-Algorithmen bis hin zu psychologischen Thrillern und Alben mit Naturgeräuschen.

Zudem taucht der Name auf automatisierte YouTube-Kanäle und manipulierten Nachrichtenseiten auf, wo Elias Thorne in variierenden, meist tragischen Rollen inszeniert wird. Diese Flut an automatisierten Publikationen führt auf Online-Marktplätzen und in Bibliotheken zunehmend zu Problemen durch Fehlinformationen in sensiblen Bereichen wie der Medizin.

(red)

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