Für IT-Verantwortliche wird das Jahr 2026 zu einer entscheidenden Wegmarke. Nachdem Unternehmen in den vergangenen Jahren zahlreiche KI-Projekte gestartet und getestet haben, rückt nun die Frage in den Mittelpunkt, wie sich daraus ein messbarer Geschäftsnutzen erzielen lässt.
Das zeigt der aktuelle CIO Outlook 2026 von Experis, für den weltweit knapp 2.000 IT-Führungskräfte befragt wurden.
KI soll vom Experiment zur Wertschöpfung werden
Künstliche Intelligenz gilt längst nicht mehr als Zukunftstechnologie, sondern als strategischer Bestandteil moderner Unternehmensentwicklung. Die Herausforderung besteht jedoch darin, KI-Lösungen dauerhaft und sicher in bestehende Prozesse einzubinden.
Viele Unternehmen haben erste Erfahrungen gesammelt und sehen bereits positive Ergebnisse. Mehr als die Hälfte der befragten IT-Entscheider berichtet von positiven Auswirkungen ihrer KI-Investitionen auf die Geschäftsentwicklung. Besonders hohe Erträge werden aktuell bei Cloud-Infrastrukturen sowie Automatisierungs- und KI-Anwendungen erzielt.
Gleichzeitig zeigt die Studie, dass KI zunehmend als Teil einer umfassenden digitalen Transformation betrachtet wird. Nur eine Minderheit der Befragten sieht die Bereitstellung von KI-Lösungen als alleinige Kernaufgabe eines CIOs.
Geschäftsziele rücken in den Mittelpunkt
Eine der auffälligsten Entwicklungen betrifft die Prioritäten der IT-Führungskräfte. Erstmals steht die Abstimmung zwischen Unternehmensstrategie und IT ganz oben auf der Agenda. Fast die Hälfte der Befragten betrachtet die enge Verzahnung von Geschäfts- und Technologiezielen als wichtigste Aufgabe.
Allerdings gelingt diese Abstimmung nicht immer reibungslos. Viele CIOs sehen sich in der Rolle, ein Auseinanderdriften von Unternehmens- und IT-Zielen zu verhindern. Hinzu kommt ein Kommunikationsproblem in den Führungsetagen: Ein Großteil der Befragten ist der Ansicht, dass andere Mitglieder des Managements die Rolle und Verantwortung eines CIOs noch immer nicht ausreichend verstehen.
Cybersecurity bleibt unverzichtbar
Trotz des starken Fokus auf Geschäftsnutzen und Innovation bleibt Cybersicherheit eines der dominierenden Themen. Auch digitale Transformationsprojekte gewinnen weiter an Bedeutung, während klassische Kostensenkungsprogramme etwas in den Hintergrund treten.
Sicherheit und digitale Souveränität gehören zu den Bereichen, für die Unternehmen ihre Budgets am häufigsten erhöhen wollen. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse Schwächen bei der praktischen Umsetzung. So ist der Anteil der Unternehmen, die regelmäßig Sicherheitsschulungen durchführen, leicht zurückgegangen.
Rasantes Innovationstempo wird zur Belastungsprobe
Die größte Herausforderung für CIOs liegt laut Studie nicht im Mangel an Technologien, sondern in deren Geschwindigkeit. Fast die Hälfte der Befragten nennt das hohe Tempo technologischer Veränderungen als größte Hürde im Arbeitsalltag.
Daneben bereiten vor allem der Nachweis des geschäftlichen Nutzens neuer Technologien, interne Widerstände gegen Veränderungen, Compliance-Anforderungen und die Modernisierung veralteter IT-Systeme Schwierigkeiten.
Viele Unternehmen stehen damit vor der Aufgabe, neue Technologien nicht nur einzuführen, sondern auch strukturiert zu bewerten, zu priorisieren und in bestehende Abläufe zu integrieren.
Ein weiteres zentrales Thema ist die Kontrolle über die eigene digitale Infrastruktur. Die große Mehrheit der Befragten misst digitaler Souveränität eine hohe Bedeutung bei. Gleichzeitig rechnen viele damit, künftig noch stärker auf externe Dienste und Plattformen angewiesen zu sein.
Dieser Zielkonflikt dürfte insbesondere für europäische Unternehmen an Relevanz gewinnen, da Sicherheitsanforderungen, regulatorische Vorgaben und Abhängigkeiten von internationalen Anbietern zunehmend miteinander konkurrieren.
Umsetzung entscheidet über den Erfolg
Experis sieht die kommenden Monate als entscheidende Phase für Unternehmen, die ihre KI- und Digitalisierungsstrategien erfolgreich umsetzen wollen. Nach Einschätzung des Unternehmens werden künftig vor allem jene Organisationen profitieren, die Technologieinvestitionen konsequent an Geschäftszielen ausrichten, ihre Mitarbeitenden kontinuierlich weiterqualifizieren und Sicherheit sowie Innovation gleichermaßen berücksichtigen.
2026 wird weniger von technologischen Möglichkeiten geprägt sein als von der Fähigkeit der Unternehmen, diese Möglichkeiten in konkrete Ergebnisse umzusetzen. Für CIOs bedeutet das eine stärkere Verantwortung als Bindeglied zwischen Technologie, Geschäftsentwicklung und organisatorischem Wandel.