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Industrie 40

Die aktuelle Bitkom-Studie zu Industrie 4.0 zeigt es: Die Zahl der Unternehmen, deren Geschäftsmodell durch die Digitalisierung beeinflusst wird, steigt rasant weiter, zuletzt von 59 Prozent im Jahr 2018 auf 65 Prozent im Jahr 2019 und inzwischen auf 73 Prozent im Jahr 2020.

Dazu gehört die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen, aber auch der rapide steigende Vernetzungsgrad innerhalb des Unternehmens (EAI – Enterprise Application Integration) und außerhalb des Unternehmens (electronic data interchange). Nach wie vor kämpfen Unternehmen hier besonders mit fünf gravierenden Problemfeldern, die die Ausschöpfung des vollen Potenzials von Industrie 4.0 verhindern.

Wie Sie die vier wichtigsten Probleme bei der Digitalisierung in den Griff bekommen.

1. Datenqualität

Der wesentliche Punkt bei der Optimierung der Datenqualität ist die konsequente Reduzierung von Fehlerquellen, die durch Schnittstellenprobleme entstehen. Überall dort, wo die automatisierte Übergabe von Daten unterbrochen ist, indem etwa Rechnungen ausgedruckt und versandt, Frachtpapiere händisch unterschrieben, Bestellungen gefaxt oder Informationen in Excel-Listen getippt und per Mail versandt werden, bestehen Fehlerquellen durch manuelle Eingaben. Wer hier automatisiert, indem etwa Hard- und Softwarelösungen für digitale Lieferbestätigungen eingeführt, der Rechnungsversand in elektronischen Formaten wie Edifact vorgenommen und die elektronische Rechnungsverarbeitung in verschiedensten Formaten durch eine Datenintegrationssoftware sichergestellt werden kann, erhöht die Datenqualität, reduziert Durchlaufzeiten und Aufwand und schafft Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Zudem meldet die Datenintegrationssoftware in der Regel unvollständige oder ungewöhnliche Datensätze. Der Versand ohne Hausnummer oder Irrtümer durch verrutschte Dezimalstellen bei schwergewichtigen Lieferungen fallen auf, bevor des Rückläufer oder Fehlbuchungen bei Transportunternehmen gibt.

2. Datensilos

Gerade größere Unternehmen kennen das Problem: Entweder geht den einzelnen Abteilungen eine zentrale Lösung aus der IT nicht schnell genug oder die übergeordnete Struktur passt nicht zum Abteilungsprozess: Wenn sich also das Marketing stärker um SocialMedia-Kanäle kümmern will, der Vertrieb einen Kundennewsletter aufsetzen möchte oder die Produktentwicklung mit Kunden zusammen eine Berechnungsgrundlage für optimierte Anwendungen erstellen will, liegen die Daten gerne mal auf lokalen Rechnern oder bei einem Anbieter, bei dem die Daten zur alleinigen oder gemeinsamen Nutzung mit einem Partner hochgeladen wurden. Und da Abteilungen gerne ihren eigenen Abläufen folgen, ist die Datenbasis in Vertrieb und Buchhaltung oft nicht dieselbe. Auch unübersichtliche Systeme führen dazu, dass Abteilungen Dokumente lieber selbst und damit oft doppelt an- und ablegen, statt umständlich in einem unübersichtlichen System danach zu suchen. Wer gegen den Wildwuchs angehen will, hat es allerdings schwer. Lösungen zwischen Operational Data Hub (ODH)-, Data Warehouse-, Content Management- und Produktinformations-Systemen benötigen eine klare Analyse und eine präzise Definition des zu erreichenden Ziels, bevor man den Silos mit einer umfassenden Business Integration-Strategie zu Leibe rückt.

3. Multicloud-Chaos

Die unabgestimmte Nutzung von Webspace oder Software as a Service durch einzelne Mitarbeiter, Abteilungen oder Projektgruppen dürfte zu den am weitesten verbreiteten Problemen in Unternehmen aller Größenordnungen gehören. Doppelte Datenhaltung, fehlende Transparenz, die Umgehung von Sicherheitsstandards, Datenverlust oder gar Datendiebstahl im Fall von Veränderungen auf der Mitarbeiterebene dürften die größten Probleme sein, mit denen IT-Abteilungen zu kämpfen haben. Platforms as a Service und Infrastructure as a Service dürften davon weniger betroffen sein, da die Dienste in aller Regel die Unterstützung der IT-Abteilung benötigen. Klare Guidelines und deren kontinuierliche Kommunikation einerseits, eine bedarfsgerechte Infrastruktur andererseits können das Chaos Schritt für Schritt eindämmen.

4. Einfachheit der Integrationsprozesse

 Wer Datenbestände in unterschiedlichen Systemen nutzen muss, schlägt sich von Beginn an mit unterschiedlichen Formaten und Fragen der Business Integration herum. In vielen Unternehmen liegen Know-how und Umsetzungskompetenz dafür alleine in der IT-Abteilung. Das ist, solange die Prozesse komplex und kompliziert sind, sinnvoll und richtig. Einfacher wird es, wenn solche Mappings dank einfacher Oberflächen direkt durch Fachabteilungen vorgenommen werden können. Wenn also der Vertrieb selbst Produktinformationen aus der zentralen Datenbank täglich aktualisiert in zehn Formaten über drei unterschiedliche Wege an dreihundert Händler verteilen kann. Und bei Änderungen etwa durch Hinzukommen eines neuen Händlers die Datenübermittlung unmittelbar individuell konfigurieren und initiieren kann. Moderne Systeme, die cloudbasiert ebenso wie on premises verfügbar sind und bei denen nicht mehr programmiert, sondern nur noch konfiguriert wird, haben heute intuitive Oberflächen und führen Schritt für Schritt durch den Prozess. Die einfache Anbindung erlaubt agiles Reagieren auf Markt und Wettbewerb und von Beginn an automatisierte Prozesse, mit denen die Probleme bei der Umsetzung von Industrie 4.0-Strategien deutlich reduziert werden.

Steffen Brehme, Leiter Software-Entwicklung
Steffen Brehme
Leiter Software-Entwicklung, Lobster GmbH
Steffen Brehme studierte ab 1988 in Tralee (Irland) Informatik. Nach Abschluss war er Anfang der 90er Mitgründer von SimpleWork (Warenwirtschafts-System), das man 96 verkaufte. Anfang 97 wurde er Interims-IT-Leiter bei Maxdata, Ende 97 war er Mitgründer der Beans AG (Shop-System), 2002 Mitgründer der Lobster GmbH (gut 100 MA, 1000 Kunden). Steffen ist Leiter Software-Entwicklung und Geschäftsführer bei Lobster und der geistige Vater des Hauptprodukts Lobster_data, Standard-Software für hybride Datenintegration.

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