Was es beim Kauf einer Website zu beachten gilt

Der Kauf einer Website zielt meist darauf ab, Zugriff auf Inhalte, Traffic, Keyword-Rankings oder andere wertvolle Komponenten eines bestehenden Online-Auftritts zu erlangen – eine Strategie, die sich vor allem dann lohnt, wenn Sie zügig in einem bestimmten Markt tätig werden möchten.

Dennoch geht dem Kauf selbst in aller Regel ein intensives Verfahren voraus, das nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollte. Schließlich steht bei Deals dieser Art neben Geld und Zeit auch immer die persönliche Glaubwürdigkeit auf dem Spiel.

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Wie kauft man eine Website?

Grundsätzlich gibt es dafür zwei Optionen: 

Auf einem dafür spezialisierten Online-Marktplatz für Websites (z.B. Traderoo.de) oder via Anfrage beim Betreiber bzw. Besitzer der Website selbst. Vor- und Nachteile liegen dabei auf der Hand.

Beim Kauf einer Website über einen Marktplatz – per Direktkauf oder Auktion – gibt es eine handverlesene Auswahl an Websites mit verifizierter Performance-Indikatoren, doch die Zahl an Akquise-Zielen beschränkt sich gegebener Maßen auf das Angebot. Außerdem ist man beim Bieten meist nicht allein.

Beim Privatkauf ohne Vermittler hält sich die Konkurrenz hingegen eher in Grenzen, dafür müssen Sie hinsichtlich Eigenschaften des Wunschobjekts aber ganz genau hinsehen (Stichwort: Due Diligence). Fortgeschrittene Kenntnisse, was die Bewertung einer Website angeht, sind hierbei also Grundvoraussetzung.

Aber worauf genau gilt es denn nun eigentlich zu achten?

12 Schlüsselfaktoren beim Kauf einer Website

1. Website-Historie

Zuallererst sollten Sie sich in der Vergangenheit der Website umsehen, um sicherzustellen, dass Konsequenzen etwaiger „Jugendsünden“ des Online-Auftritts nicht versehentlich eines Tages auf deinem Tisch landen. Online-Tools wie Archive.org bieten die Möglichkeit, das Dasein von Websites zu verschiedenen Zeitpunkten zu reproduzieren. 

Wenn also der Film-Blog, den Sie kaufen möchten, ehemals eine Plattform für Filmpiraterie war, dann sehen Sie dies live und in Farbe und können den Verkäufer damit konfrontieren – oder gleich ganz Abstand nehmen.

Darüber hinaus empfehlen wir, auf Bewertungen der Website zu achten (z.B. auf Trustpilot oder Google Reviews). Damit erhalten Sie meist ein gutes Bild vom Ruf der Seite.

2. Hintergrund des Eigentümers

Neben der Geschichte der Seite interessiert grundsätzlich aber auch immer der Eigentümer selbst – bzw. derjenige, der vorgibt, es zu sein. Nicht jede Website wird nämlich auf legalem Wege übernommen, und passt man nicht auf, dann wandert unter Umständen viel Geld nach Nirgendwo, ohne dass einem die Seite am Ende überhaupt gehört. 

Stellen Sie außerdem sicher, dass es den Verkäufer in verschiedenen sozialen Netzwerken wie LinkedIn, Xing oder Facebook gibt. Prüfen Sie auch, ob er noch andere Websites besitzt und welches Renommee diese haben. Falls Sie bei der Recherche mehr und mehr das Gefühl bekommen, es mit einem Gespenst zu tun zu haben, dann sollten Sie auch dementsprechend vom Kauf der Website absehen.

3. SEO

Eine Website kann ein hohes Ranking für ein falsches Keyword haben, dadurch eine Menge Besucher anlocken, und wird es schwierig für Sie damit Geld zu verdienen. Denn nur korrekte und zielorientierte Keywords verwandeln Besuche in Profite.

Sehen Sie sich daher unbedingt die Google Analytics-Daten Ihres Akquise-Ziels an, um die Landingpages und beliebtesten Seiten zu analysieren. Verwenden Sie obendrein Tools wie Sistrix, SEMrush oder Ahrefs, um das mit der Domain verbundene Keyword-Profil zu prüfen.

Ein weiterer wichtiger SEO-Aspekt sind Backlinks bzw. die Analyse, ob die Website von diesen wirklich profitiert. Stimmen die Ziel-URLs, Verteilung und Menge der Links? Und falls nicht, sehen Sie eine Möglichkeit das zu ändern?

4. Plattform

Um sicherzugehen, dass die Website auf dem neuesten Stand ist, sollten Sie in Erfahrung bringen, auf welcher Plattform die Seite erstellt wurde und welche Software sie verwendet. 

Wesentliche Fragen sind u.a.:

  • Auf welchem Content Management System (CMS) läuft die Seite? 
  • Wie oder über welche Plattform läuft die Datenanalyse?
  • Gibt es Software oder Plattformen von Drittanbietern, von denen die Website abhängig ist?

Sich hierbei einen klaren Überblick zu verschaffen, kann unangenehmen Überraschungen vorbauen und Ihnen viel Zeit und Geld ersparen.

5. Zielgruppe

Sie haben ein Auge auf eine Website geworfen, die Gadgets bespricht? Dann sollten Design, Content und Marketing eher auf technisch versiertes Publikum und/oder Digital Natives ausgerichtet sein. 

Grundsätzlich stellt sich also immer die Frage: Stimmt die Zielgruppe der Website, die Sie kaufen möchten, mit der Zielgruppe überein, die Sie ansprechen wollen? 

Wenn ja: herzlichen Glückwunsch! Damit wären die (meist nicht unerheblichen) Kosten der Neuausrichtung schon einmal beseitigt.

6. Qualität des Traffics

Geprüft werden sollte auch immer der Ursprung der Seitenbesuche. 

Sicherlich ist der quantitative Aspekt von Traffic grundsätzlich wichtig, doch oftmals können die reinen Zahlen das Bild verzerren. So lassen sich Besucher z.B. regelmäßig anhand von geografischer Zuordnung oder Altersgruppe sehr unterschiedlich bewerten.

7. Monetarisierung

Neben der Bewertung der Besucherzahlen ist die Art der Monetarisierung ein weiterer essenzieller Faktor, um sich ein klares Bild hinsichtlich des kommerziellen Potenzials einer Webseite zu machen. 

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Hobby-Website zu monetarisieren. Geld wird online dabei vorwiegend auf folgenden Wegen verdient: 

  • Monetarisierung durch Werbeeinnahmen 
  • Verkauf von Leads
  • Verkauf von Dienstleistungen
  • Verkauf von Produkten
  • Monetarisierung durch Affiliate-Marketing

Mithilfe von Tools wie Ahrefs, Google Analytics, Google Trends können Sie die geschätzten Traffic-Zahlen errechnen und simulieren, wie hoch die Einnahmen der Website sein sollten.

Versuchen Sie stets, Websites zu kaufen, die mehrere Einkommensquellen haben und über einen klaren Finanzplan mit robustem, kontinuierlichem Einkommen verfügen. 

8. Vertrauen ist gut. (Daten-)Kontrolle ist besser.

Wenn Sie sich für eine Website interessieren, ist es in Ordnung, sich vorerst auf die Schätzungen der Besucherzahlen und andere Leistungsdaten zu verlassen, die der Eigentümer der Website angibt. 

Aber kurz vor dem Kauf sollten alle Performance- und SEO-Statistiken, die Sie erhalten, eingehend überprüft werden, um sicherzustellen, dass die Daten doch nicht nur schön, sondern auch wahr sind.

Diese Phase wird als Due Diligence bezeichnet und prüft die Performance der Website im Vergleich zu den Angaben des Eigentümers. Dabei muss voller Zugang zu Buchhaltung und Analytics-Umgebung gewährt werden. Zögerliches Verhalten seitens des Verkäufers hierbei sollte als deutliches Warnsignal gelten.

9. Setzen Sie die Finanzen ins rechte Licht

Nachdem Sie die finanzielle Situation analysiert haben, sollten Sie sich fragen, ob das Geschäftsmodell auch langfristig Bestand hat. 

Vor allem, wenn die Datenlage derzeit beeindruckend ist (und der Kaufpreis der Seite dementsprechend hoch), ist es wichtig, Hypes oder Trends mit kurzer Halbwertszeit zu berücksichtigen. 

Achten Sie hier auch auf kleinere Unregelmäßigkeiten und versuchen Sie konkrete Antworten dafür zu finden. Ihre eigene finanzielle Situation wird es Ihnen in jedem Fall danken.

10. Zeit als Investition

Neben Geld werden Sie im Fall eines Kaufs definitiv Zeit in die „neue alte“ Website investieren müssen. 

Sollten also Reparaturen oder ein hoher Wartungsaufwand absehbar sein, dann lohnt es sich eingehend über die benötigte Zeitinvestition nachzudenken – schließlich könnten Sie ja auch etwas anderes mit Ihrem kostbarsten Gut anfangen.

11. Überprüfung des Inhalts

Urheberrechte sind gerade bei Content-Seiten keine Kleinigkeit und können (z.B. im Falle, dass dabei getäuscht wurde) durchaus zu einem bösen Erwachen führen. Fragen Sie daher den Eigentümer auf jeden Fall danach, woher er die Inhalte seiner Seite hat und überprüfen Sie dies unabhängig davon per Google-Suche oder Copyscape.

12. Verifizierung der technischen Infrastruktur

WordPress-Seiten sollten immer auf die verwendeten Plugins überprüft werden, um sicherzustellen, dass sie vom Verkäufer bezahlt und lizenziert wurden.

Bei SaaS- und Software-Seiten gilt es, Muster des Quellcodes zu analysieren, um die Authentizität zu gewährleisten und Sie von der Qualität und den Quelltext-Kommentaren im Falle zukünftig notwendiger Änderungen zu überzeugen.

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Sind Sie bereit für den Kauf einer Website?

Nun, da die wichtigsten Faktoren geklärt sind, die beim Erwerb einer Website zu beachten gibt, erscheint der Kauf einer Website hoffentlich deutlich weniger komplex. 

Auch wenn die Übernahme eines bestehendes Webauftritts nie ohne Herausforderungen einhergeht, so sollte ein konsequentes Beachten der oben genannten Punkte bösen Überraschungen keine Chance lassen.

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