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Webdesign

Webdesign Trends kommen und gehen – was gestern noch hip und angesagt war, gilt heute vielleicht bereits als altmodisch und passé. Damit ein Webprodukt auch über Jahre hinweg funktional und zeitlos bleibt, sollte man sich daher bei dessen Gestaltung  nicht zu sehr an  Trends orientieren.

Vielmehr empfiehlt es sich diese als  Tipps oder visuelle Inspirationen zu verstehen.

Welche Trends bleiben und welche sich so schnell verflüchtigen, wie sie gekommen sind, lässt sich nie genau sagen. Während beispielsweise Farbverläufe, Schattierungen oder Parallaxeneffekte eher eine kurze Verweildauer hatten und mittlerweile als überholt gelten, sind  fette Typografie, hochwertige Fotos und Videos, Benutzerpersonalisierung und Mikrointeraktionen aus dem Repertoire eines professionellen Webdesigners nicht mehr wegzudenken.

Auch die folgenden drei Webdesign-Trends dürften im nächsten Jahr an Bedeutung gewinnen.

1. Performance, Animationen und Bewegung

2021 wird definitiv ein gutes Jahr, um Animations- und 3D-Fähigkeiten zu verbessern! Denn 5G kommt und wird mit großer Wahrscheinlichkeit schon bald ein Standard der täglichen Kommunikation. So ist das iPhone 12 bereits für 5G ausgestattet; andere Smartphone-Hersteller werden ebenfalls nachziehen um ihren Nutzern Internet mit Hochgeschwindigkeit bereitstellen zu können.  
Für UX und UI bedeutet das einen größeren Spielraum in der Planung und Gestaltung von Webpräsenzen. Denn es können vermehrt Bewegung, Animation und Echtzeit-3D-Renderings verwenden werden, ohne dass Websites oder Anwendungen dabei an Leistung einbüßen. Die breite Nutzung und der Ausbau der 5G-Technologie wird auch die Entwicklung von AR- (Augmented Reality) und VR- (Virtual Reality) Technologien fördern und eröffnet ganz neue Wege Design zu denken und zu erleben.

2. Faltbare Displays

Ein weiterer UI/UX-Designtrend sind faltbare Displays und die damit verbundene Notwendigkeit reaktionsschneller Bildschirme. Wir befinden uns zwar derzeit noch in einem sehr frühen Stadium und  nur eine Handvoll an Herstellern bieten derartige Geräte derzeit weltweit an. Aktuelle Prognosen gehen jedoch bis zum Jahr 2025 von einem Marktwachstum von rund 18 Milliarden US Dollar aus.
Trotz dieser optimistischen Daten ist es schwer einzuschätzen, ob faltbare Geräte auf Dauer populär sein werden, oder ob es sich nur um einen kurzlebigen Trend handelt.  Unabhängig davon ist es jedoch gut, diesen Trend im Auge zu behalten und sich mit dem Einsatz mobiler Designs für faltbare Displays  auseinanderzusetzen.

3. Sprachaktivierte Schnittstellen

Ob für Anrufe, Notizen oder als Navigationsassistent – Siri, Alexa und Co kommen mittlerweile in vielen Haushalten regelmäßig zum Einsatz und haben darüber hinaus das Autofahren um einiges sicherer gemacht.
VUIs (Voice User Interfaces) als Webdesign-Trend sorgen jedoch weiterhin für Skepsis.  Denn es gestaltet sich noch immer als schwierig, Sprachinteraktionen zu entwickeln, wenn Nutzer die eigentliche Schnittstelle nicht sehen und daher nicht wissen können, welche Optionen ihnen zur Verfügung stehen.
VUIs sind somit zwar ein Teil der gesamten User Experience (Nutzererlebnis, kurz: UX), UX-Regeln und -Standards können allerdings nicht auf Sprachbefehle angewendet werden. Dieses Paradoxon ist für Produktdesigner eine große Herausforderung und erfordert ein Umdenken in der Gestaltung digitaler Produkte mit Spracherweiterungen.
Ob sich VUIs in 2021 daher zu einem heißen Trend entwickeln werden, ist schwer zu sagen. Es ist jedoch nicht verkehrt die Augen und Ohren danach offenzuhalten, um für den Einsatz vorbereitet zu sein.
 
Unabhängig davon, ob man seine  Webpräsenz auf den neuesten technologischen Stand bringt, gibt es beim UX/UI-Design einige Regeln, die keinem Trend unterworfen sind und somit auch nie aus der Mode gehen werden.

Die drei wichtigsten habe ich in den folgenden Tipps zusammengefasst:

1. Barrierefrei gilt auch für Webdesign!
Ob zugängliche Städte und Verkehrsmittel oder inklusive Arbeitsplätze – Barrierefreiheit ist nicht mehr nur ein Trend, sondern ein Muss für jedes verantwortungsbewusste Unternehmen. Das gilt neben der analogen Welt ebenso für Web- oder Mobilprodukte. Denn niemand sollte sich wegen seines Alters, einer Behinderung, älterer Hardware oder aufgrund einer geringen Internetverbindung ausgeschlossen fühlen.

Auch wenn die meisten Designer vielleicht jung und gesund und mit High-End-Tools und teuren Monitoren ausgestattet sind, darf bei der Gestaltung einer Webpräsenz nicht vergessen werden, dass diese am Ende auch von Menschen genutzt werden will, die eben nicht über die neueste Technik verfügen.

Bei barrierefreiem Design geht es nicht um Behinderungen, sondern darum jede  Situation in Betracht zu ziehen, in denen Zielnutzer nicht alle "Möglichkeiten” haben, die Anwendungen mit ihrem Gerät zu nutzen.

So sollten bei der Gestaltung zum Beispiel die Textgröße sowie alternative Texte für Bildschirmlesegeräte und andere wichtige Indikatoren, die in den WCAG (Web Content Accessibility Guidelines) beschrieben sind, berücksichtigt werden. Die Inhalte von Webprodukten sollten für jeden zugänglich sein. Ist dies nicht der Fall, werden Nutzer früher oder später zur Konkurrenz wechseln.
 
2. Inklusion statt Fachjargon
Auch beim Thema Schreibstil dreht sich alles um Inklusion. Die Verwendung von Fachbegriffen und verschachtelten Sätzen soll Unternehmen auf deren Webseiten Professionalität und Glaubwürdigkeit verleihen. Das bringt leider nichts, wenn Nutzer aufgrund von Wortwahl und Satzbau das Produkt nicht verstehen. Die Folge: sie fühlen sich ausgeschlossen und springen ab. Anstatt also intellektuell um den heißen Brei herum zu schwurbeln, sollten die Texte so einfach und verständlich gehalten sein, dass auch ein 7-jähriges Kind versteht was gemeint ist.

Trotz eines bündigen Schreibstils muss ein Text jedoch alles andere als langweilig sein. Der UX-Text kann dazu genutzt werden, die Markenidentität des Unternehmens widerzuspiegeln, beispielsweise, indem man ihn je nach Zielgruppe mit einer Prise Humor oder sehr direkten Handlungsaufrufen versieht. 

Letztlich ist nicht die Länge oder Komplexität des Webseitentextes ausschlaggebend, sondern vielmehr, dass Stimme, Ton und Atmosphäre des Unternehmens eingefangen und somit die Aufmerksamkeit der Nutzer gewonnen wird.
 
3. Immer die Konversionsrate im Auge behalten
Natürlich ist eine schöne, trendige App mit Farbverläufen, Animationen und Schatten toll. Doch im Endeffekt ist das Hauptziel eines Unternehmens, möglichst hohe Umsatzzahlen zu erzielen.  Denn eine App kann noch so schön aussehen: Wenn sie nicht direkt zur Verbesserung der Konversionsraten beiträgt, bringt sie einer Marke leider herzlich wenig. Daher sollte man den Designprozess immer zuerst mit einem Geschäftsziel beginnen, anhand dessen man vor Veröffentlichung in Testphasen Hypothesen aufstellen und A/B-Tests vorbereiten kann. Die dabei gesammelten Daten können dann zum Beispiel im direkten Vergleich Aufschluss darüber geben, welche Farbe am besten passt und welche Schriftart lesbarer ist oder wo der Call-to-action Button am besten platziert werden sollte.

Ob 5G-Technologie und VUI, inklusives Design oder Konversionsrate –  auch wenn man nicht auf jedem Gebiet perfekt sein muss: Zu wissen, was Nutzer sich wünschen und in welche Richtung sich Design entwickelt, hilft bei der Gestaltung besserer Produkte.

Anna Zarudzka, Gründerin und Co-Geschäftsführerin
Anna Zarudzka
Gründerin und Co-Geschäftsführerin, Boldare
Anna Zarudzka ist Serien-Gründerin und Co-Geschäftsführerin bei Boldare, einem Unternehmen für digitales Produktdesign und -entwicklung. Vor 12 Jahren eroberte sie den IT- und Dienstleistungssektor mit der Gründung ihrer Webdesign-Agentur Chilid im Sturm, wo sie unter anderem mit Marken wie Virgin Radio, Bla Bla Car und Tui zusammenarbeitete. Im Jahr 2018 fusionierte sie Chilid erfolgreich mit der Schwesterfirma XSolve (beides holakratische Unternehmen) und gründete mit Boldare, ein Unternehmen, das sich mit seinen 170 Mitarbeitern auf Softwareentwicklung, UX- und UI-Design, Scrum und Geschäftsentwicklung spezialisiert hat.Darüber hinaus ist Anna Zarudzka eine angesehene Rednerin und Botschafterin für New Work, Selbstmanagement und "Next Generation"-Organisationen, die von Zielen anstatt von Interessengruppen angetrieben ihre Mitarbeiter dazu befähigen, Entscheidungen zu treffen und die Richtung ihrer Unternehmen maßgeblich mit zu gestalten.

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