Zeitenwende:

Fünf Technologietrends für das nächste Jahrzehnt

Das übergreifende Thema des diesjährigen Weltwirtschaftsforums „Geschichte am Wendepunkt“ nahm Bezug auf die epochalen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie. Die Welt steht jedoch nicht nur an einem Wendepunkt der Geschichte, sondern auch der Technologie: Unternehmen und Gesellschaft befinden sich mitten in einer digitalen Revolution. 

Wie stark die Veränderungen sind, verdeutlicht diese Aussage: Laut Gartner steigen die weltweiten IT-Ausgaben in diesem Jahr um fünf Prozent auf 4,5 Billionen US-Dollar. Angesichts vieler Neuerungen kann es schwierig sein, sich auf die wichtigsten technologischen Entwicklungen zu konzentrieren. Unternehmen laufen Gefahr, sich zu verzetteln. Um den Überblick zu bewahren, sollten Unternehmen folgende Trends, die das nächste Jahrzehnt und darüber hinaus bestimmen werden, weiter im Auge behalten:

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1. Umweltfreundliche IT 

Technologie ist einer der größten Verursacher des weltweiten Energieverbrauchs. Aufgrund der hohen Rechen- und Speicherleistung von Grafikprozessoren wird die Energiemenge, die für den Betrieb der digitalen Systeme benötigt wird, im Laufe der Zeit weiter steigen. Das bedeutet, dass sich die Technologiebranche auf Klimaneutralität, also die Umstellung auf Netto-Null-Emissionen, konzentrieren und einen grünen Fußabdruck in allen Unternehmensbereichen einführen muss – von der physischen Infrastruktur über die Rechenzentren bis hin zur Cloud. 

Von nun an wird jedes Unternehmen zu einem Technologieunternehmen. Mit Prognose auf das Ende des Jahrzehnts, wird Technologie einer der wichtigsten Faktoren sein, der sich auf die Umweltfreundlichkeit eines Unternehmens auswirkt. Zudem wird sie eine Schlüsselrolle bei der Einführung von Nachhaltigkeit in Unternehmen spielen.

Vor diesem Hintergrund müssen Unternehmen Nachhaltigkeit und Energieeffizienz in Software, Hardware und hybriden Produkten verankern. 

2. Distributed Cloud 

Viele Unternehmen haben die Cloud eingeführt. Jetzt stellen sie sich zunehmend die Frage: „Wie nutze ich sie?“ Dabei geht es nicht nur um die Technologie selbst, etwa wie Unternehmen den für sie am besten geeigneten Anbieter auswählen, sondern auch um die Entscheidung, wofür sie die Cloud nutzen können, um Geschäftsergebnisse zu verbessern.

Um diese Fragen zu beantworten, entwickeln sich Unternehmen in Richtung eines verteilten Modells, das Latenzprobleme überwinden kann. Mit diesem Modell befindet sich die Cloud-Nutzung in Unternehmen auf einem ähnlichen Weg wie die Energieversorgung, bei der die Anbieter Strom aus einem verteilten Gesamtsystem im Versorgungsnetz erzeugen.

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3. 5G und Edge (Hyperkonnektivität) 

Distributed Cloud verlagert Cloud-Dienste an den Rand des Netzwerks, dem Edge, wo Unternehmen verteilte Daten verarbeiten können. Dies ist jedoch nur durch eine hocheffiziente Konnektivität mit hoher Bandbreite und geringer Latenz möglich, die auf 5G basiert. 

Das Versprechen durch Edge Computing kann nur dann eingelöst werden, wenn 5G in großem Maßstab zum Einsatz kommt, da Daten mit sehr geringen Latenzzeiten in einer verteilten Umgebung zu verarbeiten sind. In diesem Szenario ist die Leistungsfähigkeit des Netzes von entscheidender Bedeutung. Deshalb gibt es einen großen Schub in Richtung Glasfaser-Breitband. 

4. Immersive Realität – das Metaverse 

In dieser hypervernetzten Welt wird fast alles aus der physischen Welt in einem digitalen Avatar, einem Zwilling oder einer koexistenten Version gespiegelt. Das Metaverse, die neueste Entwicklung in dieser immersiven Realität, wird sowohl im B2C- als auch im B2B-Bereich eingesetzt. Dazu gehören Virtuelle Realität (VR), Augmented Reality (AR) und Extended Reality (XR). 

Es gibt drei wichtige Anwendungsfälle für das Metaverse. Der erste ist verbraucherbezogen und beeinflusst die Art und Weise, wie Menschen sich in einem virtuellen Raum engagieren, dort interagieren und zusammenarbeiten (beispielsweise im Einzelhandel). Der nächste Anwendungsfall ist der Bildungsbereich, um in einer interaktiven, räumlichen Umgebung zu lernen. Drittens kann es auch für Unternehmensprozesse oder zur Talentgewinnung genutzt werden. Dabei wird ein Arbeitsplatz geschaffen, der die nächste Generation von Arbeitnehmern und deren Erwartungen widerspiegelt.

Jedes Unternehmen, das in der „physischen Welt“ existiert, wird seinen Fußabdruck im Metaverse haben. Digitale Vermögenswerte werden ein sehr wichtiger Teil dieses Ökosystems sein. Denn neue (oder bestehende) digitale Währungen, die den Währungen der realen Welt entsprechen, werden nötig sein, um im Metaverse Transaktionen durchzuführen. 

5. Quantum Computing

Quantum Computing nutzt die Physik und die Quantenzustände subatomarer Teilchen, um unglaublich leistungsfähige Computer zu schaffen, die Daten speichern und Rechenaufgaben in riesigem Umfang ausführen. Diese Quantencomputer können Probleme mit fast unvorstellbarer Geschwindigkeit lösen und verbrauchen dabei deutlich weniger Energie als herkömmliche Computer.  

Es gibt bereits sehr viele Anwendungen wie Optimierung, maschinelles Lernen, Kryptografie und Simulation. Und das ist erst der Anfang – täglich kommen neue Anwendungsfälle hinzu. Die Leistungsfähigkeit von Quantum Computing kann Probleme im Transportwesen, bei der Routenoptimierung und bei Verkehrsstaus lösen und sogar wichtige medizinische Forschungsarbeiten zur Heilung von Krankheiten wie Krebs vorantreiben. Auf diese Weise kann Quantum Computing völlig neue Möglichkeiten schaffen, die das Leben verändern können. 

5 Trends Graphik

Die Möglichkeiten der Technologien umsetzen

Sowohl Organisationen des privaten als auch des öffentlichen Sektors sind dafür verantwortlich, dass diese digitale Revolution allen zugutekommt. Während die Grundlagen für das Web 3.0 (die nächste Generation des Internets, die auf der Blockchain basiert und deren Kernstück die Dezentralisierung ist) geschaffen werden, muss die Technologie offen bleiben. Die Industrie muss dazu heute von Grund auf zusammenarbeiten, um beim Aufbau der nächsten Generation von technologischen Plattformen und Produkten Vertrauen, Transparenz und Flexibilität sicherzustellen.

Kalyan Kumar (KK)

HCL Technologies -

Global Chief Technology Officer (CTO) & Head

Als CTO von HCL leitet Kalyan Kumar die Produkt- und Technologiestrategie, den Aufbau strategischer Partner-Ökosysteme und die Entwicklung von Technologien.
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