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Videokonferenz

Noch genießt ein Großteil des Landes Sommerferien. Dabei bleibt unklar, wie sich das  Infektionsgeschehen hierzulande über den Sommer entwickelt und ob ab Herbst Präsenzunterricht  stattfinden kann. Absehbar ist aber, dass sich Lehrer, Eltern und Schüler aus Datenschutzgründen vom Einsatz gängiger Videosysteme wie Microsoft Teams oder Zoom verabschieden müssen.

Viele  Landes-Datenschutzbeauftragte wollen die Nutzung entweder verbieten, zeitlich limitieren oder  zumindest an strenge Bedingungen knüpfen. Gegner und Befürworter starten Petitionen, bilden  Gruppen, steigen auf die Barrikaden und verbreiten ihre Pros und Contras medial. 

Dieser Beitrag stellt drei Gründe zusammen, die für einen klaren Weg sprechen: eine schnelle und  begleitete Gewöhnung an leistungsfähige, europäische Lösungen für sicheren Distanz- und Wechselunterricht. 

Doch von welcher Basis aus kann die Reise starten? Gehen wir zurück in den Juli 2020: Im „Schrems II-Urteil“ erklärte der Europäische Gerichtshofs (EuGH) die EU-US-Datenschutzvereinbarung „Privacy  Shield“ für ungültig. Damit ist die Übermittlung personenbezogener Daten europäischer Bürger:innen in Staaten untersagt, die nicht den Datenschutzstandard der EU-Datenschutz-Grundverordnung  (DSGVO) garantieren. Dazu zählen auch die USA, wo ein Großteil der Microsoft Server steht. 

Problematisch ist in diesem Kontext auch ein US-amerikanisches Gesetz, dem zufolge US Unternehmen die Daten ausländischer Nutzer:innen preisgeben müssen, wenn es die  Sicherheitsbehörden verlangen. Denken wir dies zu Ende, so könnten flapsige bis kritische  Bemerkung von Schüler:innen in MS Teams-Videokonferenzen bei der Einreise in die USA, bei einer  Bewerbung als Au-pair oder bei einer US-amerikanischen Hochschule zu Problemen führen. Der Schutz persönlicher Daten aber ist ein europäisches Grundrecht, was auch in der Europäischen  Grundrechtecharta verankert ist. Ein Dilemma! 

Zahlreiche Datenschützer fordern die Schulen aktuell auf, bei Videokonferenzsystemen ausschließlich  Anbieter zu wählen, die ihre Dienstleistung ohne Drittlandtransfers anbieten. Beim Einsatz von MS Teams verlangen sie zusätzliche technische Maßnahmen, um ein angemessenes Schutzniveau  herzustellen. Was auch immer das heißen mag...

Die nachfolgenden fünf Punkte zeigen auf, warum Videokonferenzen europäischer Anbieter  kompromisslos sind:

 

1. Einwilligungserklärungen ohne Substanz  

Die datenschutzrechtliche Verantwortung für den Schutz personenbezogener Daten liegt in den  Händen der Schulleitung. Um sich vermeintlich abzusichern, lassen sich Einrichtungen von  Schüler:innen Einwilligungserklärungen zur Nutzung von Microsoft Teams unterschreiben. Da es sich  zumeist um Minderjährige handelt, muss die Unterschrift durch Erziehungsberechtige erfolgen. Mit  der Einwilligung stimmen Eltern zu, dass ein personalisierter Benutzerzugang erstellt, und Vor- sowie  Nachname des Kindes an Microsoft in Irland übermittelt wird. Als formale Grundlage finden sich in  den Erklärungen Formulierungen wie:  

Microsoft Office 365 erfüllt die Anforderungen der EU-Datenschutzrichtlinie 95/46/EG sowie der  SAS[1]70- und ISO-27001-Zertifizierung für Rechenzentren mit Standorten in Deutschland und in der  EU sowie die ISO-27018-Zertifizierung für höchsten Datenschutz.“

Die erwähnte Richtlinie ist jedoch nicht mehr gültig und wurde durch die Datenschutz Grundverordnung am 25. Mai 2018 abgelöst. Spätestens mit dem oben im Text erwähnten Fall des  EU-US-Privacy Shields steht fest, dass der Einsatz von US-Konferenz-Tools an Schulen nicht DSGVO konform ist.

 

2. Keine Digitalisierung nach Lehrplan  

Die Klarheit um diese Tatsache, gekoppelt mit partieller Digitalverweigerung und personellen  Engpässen – das sind die Stolpersteine auf dem Weg zur datensicheren Videokonferenz im  Unterricht. Es braucht ein umfassendes Verständnis, warum Datenschutz an Schulen wichtig ist – und  ein Umdenken bei den Verantwortlichen im Lehrerzimmer und im Direktorat. Kurzum: Lehrkräfte  benötigen für den Wechsel ein anderes Mindset. Ein Mindset, in dem sie mit Selbstverständlichkeit  Datenschutz im Distanzunterricht priorisieren und auch begleitend durch Externe überall da an die  Hand genommen werden, wo interne IT- und Datenschutzbeauftragte fehlen. Das ist die eigentliche  Hausaufgabe. Im Rahmen von Schulungen zum Umgang mit digitalen Räumen sollten Themen wie  Passwortvergaben und das Erkennen von DDoS Angriffen auf dem Lehrplan stehen.

 

3. Support your local Service  

Die Wahl für oder gegen US-Software und IT-Strukturen der großen Hyperscaler hat auch eine  wirtschaftliche Ebene. Diese betont auch eine Initiative von Lehrer-, Eltern- und Schülerverbände in  Baden-Württemberg. Alleine aus wirtschaftlichen Gründen sei auf das Produkt des US-Konzerns zu  verzichten, so heißt es in der Erklärung: „Wer in Baden-Württemberg Arbeitsplätze und Know-how  sichern will, sollte vorrangig heimische Unternehmen einbinden und deren Produkte bei der  Bildungsplattform einsetzen.“1 

In Deutschland gibt es nun verschiedene Anbieter, die eine steigende Nachfrage nach geschütztem  und DSGVO-konformen Online-Austausch mit Schülern und dem Kollegium bedienen können. Als  Software-Basis kommen hier zumeist Open Source Lösungen wie Jitsi Meet zum Einsatz, die  verschlüsselte Videokonferenzen möglich machen und auf individuelle Anforderungen von  Bildungseinrichtungen eingehen. Im Vergleich zu US-Standardlösungen stehen dem Lehrpersonal  persönliche Berater zur Seite, die die Implementierung über Monate begleiten können. Betrieben auf  eigenen Managed Servern in Deutschland, garantieren sie sichere digitale Meetings per Web Browser. Die Einrichtung von Meetings und Teilnahme ohne Client-Installation gewährleistet die  nahtlose Integration aller Endgeräte unter Einhaltung der Compliance. Bei genauerer Betrachtung der Lizenzverträge sind diese lokalen Lösungen zudem günstiger.
 

Was spricht für europäisch-unabhängige Lösungen  

  • Lokaler Ansprechpartner vor Ort, der auch Lehrer schult, wie sie Schulserver aufsetzen  sollten  
  • Verlässliche Handlungssicherheit für Schulverantwortliche in Krisenzeiten durch  datenschutzkonforme Systeme  
  • Kein Zugriff auf Schülerdaten durch US-Sicherheitsbehörden

Andres Dickehut, geschäftsführender Gesellschafter bei Consultix, www.consultix.de


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