Anzeige

Digitalisierung

Die langwierigen Brexit-Verhandlungen ließen den Unternehmen kaum Zeit, auf die Realitäten zu reagieren, wie die Handelsbeziehung nach dem 1. Januar 2021 aussehen würde. Die Unternehmen wussten, dass etwas passieren würde, was genau, blieb bis Ende Dezember unklar.

Wenn man in Echtzeit reagieren muss, braucht man etwas, das in Echtzeit funktioniert. Leider war das nicht der Fall, denn das ganze System, das dem globalen Handel zugrunde liegt, ist nach wie vor stark auf Papier angewiesen.

Eine Studie von AP Moeller Maersk ergab, dass für die Verschiffung eines Containers von Kenia in die Niederlande mehr als 200 Dokumente zwischen 100 verschiedenen Personen ausgetauscht werden mussten, wodurch ein 25 cm hoher Papierstapel entstand. Schon jetzt klagen Spediteure über 400 Seiten an Dokumenten, die für den Versand von Artikeln wie Käse, Meeresfrüchten oder Vieh erforderlich sind. 

Für die mit der Umstellung betrauten Beamten wird dies keine Überraschung gewesen sein. Vor zwei Jahren warben Regierungsminister für die Blockchain-Technologie als effektive Lösung für grenzüberschreitende Kontrollen. Daraus können wir mehrere Schlüsse ziehen. Erstens: Die Minister wussten, dass es wahrscheinlich ein Problem geben würde. Zweitens wussten sie, dass die Technologie eine Lösung bietet. Drittens hatten sie keine Ahnung, wie man das Problem tatsächlich lösen könnte. 

Wie ein Kommentator es ausdrückte, war der Blockchain-Plan eine "wunderbar schreckliche Idee". Blockchain mag spannende potenzielle Anwendungen haben, aber die Betonung sollte hier auf "potenziell" liegen. Mit anderen Worten: Sie ist in einem skalierbaren Kontext unbewiesen. Die Vorstellung, sie könnte die Herausforderungen lösen, mit denen britische Spediteure und ihre Kollegen in Europa heute konfrontiert sind, ist reine Augenwischerei. Selbst der enthusiastischste Blockchain-Befürworter würde zugeben, dass die Entwicklung und Implementierung einer solchen Lösung Jahre dauern würde. 

Die Minister haben zu Recht nach technologiebasierten Alternativen zu den derzeitigen papierlastigen Zollprozessen gesucht. Was wir brauchen, sind Back-Office-Systeme, die automatisch die erforderliche Dokumentation liefern können. Sie haben jedoch eine falsche Abzweigung genommen, als sie anfingen, ihre Hoffnungen auf unerprobte Technologien zu setzen. 

Stattdessen sollten wir unser Augenmerk auf Lösungen richten, die heute im großen Maßstab funktionieren, und untersuchen, wie diese im aktuellen Kontext angewendet werden können. 

Die Abkehr von der derzeitigen Papierdokumentation erfordert eine Standardisierung und die flächendeckende Einführung integrierter IT-Anwendungen, die die Erstellung und Verarbeitung relevanter Informationen über verschiedene Parteien hinweg automatisieren können. Kleinere Exporteure in Großbritannien und in der EU werden ebenfalls Hilfe benötigen, um diesen Übergang zu vollziehen und von der manuellen Eingabe von Informationen von einem System in ein anderes wegzukommen. 

Die offizielle Position zu den aktuellen Problemen ist nach wie vor, dass es sich um "Kinderkrankheiten" handelt. Daran ist zweifellos etwas Wahres dran. Die Unternehmen werden sich mit der Zeit anpassen, wie sie es immer tun. Die Diskussionen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich deuten auch darauf hin, dass wir uns auf eine Vereinfachung der aktuellen Regeln zubewegen. Aber wenn die zugrunde liegenden Prozesse gleich bleiben, dann werden sie immer anfällig für Störungen sein.

Genau das haben wir während COVID gesehen, als es physisch unmöglich wurde, Papierdokumente zu erstellen und zu verarbeiten. Die Waren blieben in den Häfen liegen, und die Lieferanten wurden nicht bezahlt, weil die Rechnungen in den Shared Services Centern verstaubten. 

Wir haben jetzt also die Wahl. Entweder wir versuchen, das Problem zu umgehen, oder wir konzentrieren unsere Bemühungen auf eine langfristige Lösung. Meine Hoffnung ist Ersteres, meine Befürchtung ist Letzteres.

Mikkel Hippe Brun, Mitbegründer und Senior Vice President
Mikkel Hippe Brun
Mitbegründer und Senior Vice President, Tradeshift

Artikel zu diesem Thema

Cloud Computing
Dez 28, 2020

Modernes und leistungsfähiges Dokumentmanagement

Wie lassen sich alle Funktionen einer Enterprise Content Management (ECM) Lösung nutzen,…
E-Mails
Nov 30, 2020

E-Mail-Kommunikation mittels Blockchain: totemomail Verified

Die E-Mail ist gerade im Geschäftsleben nach wie vor das universelle…

Weitere Artikel

Heimnetzwerk

Heimvernetzung: Internetstörungen oft hausgemacht

Nie war ein stabiles Heimnetzwerk wichtiger als heute. Doch genau daran mangelt es in vielen Haushalten. Unprofessionell eingerichtete WLAN-Netzwerke sorgen häufig für unnötigen Frust beim Kunden und Aufwand beim Anbieter. Doch mit Mesh-Geräten und…
KI

RPA und KI – zwei Technologien, die immer noch Verwirrung stiften

CIOs implementieren sowohl RPA als auch KI in einem immer schnelleren Tempo in dem Bestreben, deren Bereitstellungen zu beschleunigen, um die inhärente Geschwindigkeit und Kosteneinsparung zu gewährleisten, die die beiden Technologien bieten. Die jüngsten…
KI

So macht KI Unternehmen menschlicher

So paradox es auch klingen mag: Künstliche Intelligenz kann Unternehmen tatsächlich ein Stück weit menschlicher machen. Pegasystems erläutert, wie das geht.
Home Office

Die drei wichtigsten Säulen beim Homeoffice

Dringende Homeoffice-Appelle aus der Politik an Unternehmen jeder Größe: Die Corona-Situation stellt viele Firmen weiterhin vor die Herausforderung, Homeoffice-Arbeitsplätze für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schaffen. Viele Unternehmen haben sich zu…

Anzeige

Jetzt die smarten News aus der IT-Welt abonnieren! 💌

Mit Klick auf den Button "Zum Newsletter anmelden" stimme ich der Datenschutzerklärung zu.