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Automatisierung

Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass Unternehmen im Jahr 2020 aufgrund der Krisenlage ihre Digitalisierungsstrategie schneller und spontaner umsetzen mussten als geplant.

Die dadurch beschleunigten Transformationsprozesse waren notwendig, um mit den Business Trends Schritt halten zu können. Wie adäquates Qualitätsmanagement gelingt und wie Automatisierung und Künstliche Intelligenz (KI) dabei helfen können – das verrät Raffi Margaliot von Micro Focus.

Angesichts der Veränderung des Marktes der letzten zwölf Monate mussten Unternehmen in sämtlichen Branchen zwangsläufig ihre Digitalstrategien überdenken, was in neuen Transformationsinitiativen resultierte bzw. jene, die bereits in vollem Gange waren, beschleunigte. Viele von ihnen richteten Online Services ein, die es vorher noch nicht gegeben hatte, um alternative Umsatzströme zu erzeugen – schließlich verbrachte ein Großteil ihrer Kundschaft die Zeit voller Beschränkungen, neuen Regelungen und Vorgaben sowie Angst, sich mit der Krankheit anzustecken, zu Hause. Der Umsatzanstieg von 18 Prozent an den Aktionstagen im vergangenen November unterstreicht diese primäre Nutzung von Online-Diensten und digitalen Anwendungen im letzten Jahr.

Viele Unternehmen, die unter dem Druck der Krisensituation standen, entwickelten ad hoc Online Services und stellten diese der breiten Öffentlichkeit in wenigen Wochen zur Verfügung. Doch aus anderen Bereichen wissen wir: Je mehr man für eine bestimmte Aufgabe unter Druck gesetzt wird und je schneller diese Aufgabe umgesetzt werden muss, desto höher ist das Fehlerrisiko. Bei Online Services bedeutet es, dass sowohl die Anwendungssicherheit als auch die Customer Experience des Endnutzers und folglich seine Zufriedenheit darunter leiden – ganz zu schweigen von der Reputation des Unternehmens. Langfristig gesehen können diese Faktoren für Kundenverluste und Umsatzeinbußen sorgen.

An dieser Stelle kommen die Qualitätssicherung (QS) und mit ihr Testautomatisierung ins Spiel.  

Qualitätssicherung in der Anwendungsentwicklung

In den letzten Jahren entwickelte sich die Qualitätssicherung mehr und mehr von einer unterstützenden Funktion für Software-Delivery-Unternehmen zu einem wesentlichen Bestandteil sowohl bereichsübergreifend als auch im gesamten Softwareentwicklungszyklus. Dies bestätigt der aktuelle World Quality Report (WQR) 2020-21 von Capgemini, Sogeti und Micro Focus. Für die Mehrheit der befragten Unternehmen ist das oberste Ziel der Qualitätssicherung – und damit einhergehend des Testings – darin, einen Mehrwert für Unternehmenswachstum und Geschäftsergebnisse zu schaffen.

Gleichzeitig sinkt seit einigen Jahren das Budget stetig, das Unternehmen für die Qualitätssicherung einplanen: Von 35 Prozent im Jahr 2015 auf 22 Prozent in 2020. Die Kombination aus IT-Budget-Kürzungen und einer verstärkten Hinwendung zur überwiegend digitalen Umgebung zieht zwangsläufig einen Innovationsschub bzw. die Entwicklung von Alternativen nach sich, damit Unternehmen weiterhin effizient und flexibel vorgehen können. Dies betrifft vor allem die Bereiche Einzelhandel, eCommerce und das Gesundheitswesen. So implementierten beispielsweise Unternehmen neue IT-Architekturen, damit sich ihre Supply Chain ebenfalls schnell und flexibel an die veränderten Anforderungen anpassen konnte.

Qualität und Sicherheit trotz Remote Work gewährleisten

Während sich Teams weltweit aufgrund des physischen Sicherheitsrisikos in ihre Heimbüros zurückziehen mussten, stieg die Anzahl sicherheitsrelevanter Vorfälle und Cyber-Attacken. Dies führte dazu, dass 83 Prozent der CIOs und IT-Leiter mehr Bedenken hinsichtlich der Anwendungssicherheit aussprachen. Dies wiederum hatte direkte Auswirkungen auf die Strategien zur Qualitätssicherung und eine zunehmende Nutzung von Cloud-Infrastrukturen zur Folge. Laut WQR sehen 34 Prozent der Befragten die Notwendigkeit, ihren Teams einen sicheren und effizienten Fernzugriff auf Testsysteme und -umgebungen zu ermöglichen, um Qualität und Sicherheit bei der Anwendungsentwicklung trotz verteilter Teams zu gewährleisten.

Testautomatisierung von Anfang an

Laut dem WQR schnellte im vergangenen Jahr die Implementierungsrate agiler DevOps-Modelle in die Höhe, da Unternehmen den Fokus besonders auf Testautomatisierung und die Umsetzung eines Shift-Left-Ansatzes – also die frühe Identifizierung und Behebung von Codefehlern über die gesamte Anwendungsentwicklung hinweg – legten. Dem gegenüber steht ein Mangel an Fachwissen hinsichtlich Qualitätssicherung und Testautomatisierung sowie In-Sprint-Automatisierung, die nur von wenigen Entwicklern genutzt wird. Bei letzterem handelt es sich um Tests, die während desselben Sprints automatisiert durchgeführt werden, indem die Funktionalität entwickelt oder geändert wird.

Intelligentes Testing und Testautomatisierung stellen mittlerweile einen wichtigen Faktor dar, wenn es um die zuverlässige Entwicklung und Bereitstellung von Software geht. So sind sich die im Rahmen des WQR befragten Unternehmen sicher, dass KI und Automatisierung die am stärksten wachsenden Bereiche ihrer Testaktivitäten sind (88 Prozent) und dass KI ein Schlüsselkriterium bei der Auswahl neuer QS-Lösungen ist (86 Prozent). Immerhin verschafft Testautomatisierung den verantwortlichen Teams ein großes Maß an Kontrolle und Transparenz über die Testaktivitäten sowie eine höhere Fehlerbehebungsrate. 

Zwei Drittel der für den WQR befragten Studienteilnehmer klagen über die hohe Frequenz, mit der sich Anwendungen ändern – was sich so anfühlen kann, dass Automatisierung an dieser Stelle dann einfach nicht mehr mithalten können. Das könnte unter anderem mit dem Reifegrad des DevOps-Modells innerhalb eines Unternehmens oder einer fehlenden Kontrolle über einzelne Tools oder den gesamten Technologie-Stack zusammenhängen. Darüber hinaus sind lediglich 37 Prozent der Ansicht, dass sich ihre Investitionen sowohl in die richtigen Automatisierungstools als auch die Zeit für Testautomatisierung auszahlen. 

Fazit

Unter den derzeit gegebenen Umständen – Online Services, die schnell bereitgestellt werden müssen– sollte für Unternehmen die Verbindung ihrer Test-Ökosysteme von hoher Priorität sein. Damit wird eine Testautomatisierungsplattform geschaffen, die sich an den Bedürfnissen des Unternehmens orientiert. Ein umfassendes Qualitätsmanagement, dass KI-getriebene Testautomatisierung mit einbezieht, hilft dabei, Herausforderungen frühzeitig und über den gesamten Entwicklungszyklus hinaus effektiv anzugehen – von der Idee bis zur Ausführung. Dazu gehört ebenfalls, die Kompetenzen der verantwortlichen Teams in den Bereichen (Test-) Automatisierung, Test-Data- und Test-Environment-Management sowie KI auszuweiten.

 

Raffi Margaliot, Senior Vice President und General Manager im Bereich Application Delivery Management
Raffi Margaliot
Senior Vice President und General Manager im Bereich Application Delivery Management, Micro Focus
Raffi leitet den Produktbereich Application Delivery Management bei Micro Focus und verfügt über mehr als ein Jahrzehnt Erfahrung in der Entwicklung von Geschäftsstrategien, der Produktentwicklung und der Bereitstellung innovativer Technologielösungen, die Kundenprobleme adressieren. Raffi war einer der Gründer der heutigen Application-Lifecycle-Management-Plattform und kam durch die Übernahmen von HPE Software und HPs Übernahme von Mercury Interactive zu Micro Focus. Er schloss die Hebrew University of Jerusalem in Israel sowohl mit dem Bachelor- als auch dem Master-Abschluss in Informatik ab.

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