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Alles spricht vom digitalen Wandel - aber nicht von den dafür ausgebildeten Menschen, die wir dazu brauchen und mitnehmen müssen. Wenn also Unternehmen ihre wirtschaftlichen Ziele mit der Lösung gesellschaftlicher Probleme verbinden, profitieren letztlich alle davon. Dazu muss Führung in Zukunft „neu“ gedacht und gelebt werden.

„Alte Denke“ schafft keine Zukunft

Leider spielen bei Fortbildung und Entscheidungen, Innovationen und Veränderungsprozessen menschlich-ethische Werte, wie Benehmen, Ehrlichkeit, soziale Verantwortung und Verlässlichkeit, in den Betrieben fast keine Rolle – sondern fast nur ökonomische Werte, wie „abgehobene(s)“ Profitstreben, Manipulations- und Maximierungsbefriedigung sowie Raubtierkapitalismus – auf Kosten anderer und / oder der Umwelt. Schon heute ist der digitale Medienkonsum (auch in den Führungsetagen) auf über ¼ des ganzen Tages (24h) angewachsen.

Fragen an den Leser: Wie können Menschen eigentlich da noch fokussiert und effizient arbeiten? Wann haben Sie noch Zeit, persönliche Kontakte, Beziehungen und Partnerschaften zu pflegen bzw. sich mit der „tickenden Umweltbombe“ zu beschäftigen?

„Die digital-technologische Transformation ist die größte Herausforderung (mit ihren Risiken und Chancen) für unsere Wirtschaft“, weiß Dr. Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer Branchenverband Bitkom. Was ist aber, wenn nur ca. 1/3 der Unternehmen überhaupt noch an „echten“ (Umwelt-)Innovationen interessiert sind. Investitionsausgaben schrumpfen auf durchschnittlich ca. 3% des Unternehmensumsatzes. Die Budgets für adäquate Fort- und Weiterbildung werden immer weiter heruntergefahren.

Das Verharren in „alten“ Denkstrukturen kostet die Gesellschaft Jahr für Jahr über 200 Mrd. an Umsatz- bzw. Einnahmenzuwachs. So bleibt für Investitionen in ein added-value (wertvolleres) Wachstum nur bedingt etwas übrig. Nur mit einer radikalen Umkehr zu einem wertehaltigen Denken + Handeln wird es möglich sein, dem Wandel zeitnah begegnen zu können (Studien: DIW, Universität St.Gallen / Schweiz und Massachusetts Institute of Technology, USA: „Mastering the Dynamics of Innovation“).

Gesellschaft braucht Zukunftstauglichkeit

Die Studie von PwC (Norbert Winkeljohann) „The World in 2050“ zeigt, dass Deutschland deshalb auf Platz 10 abrutschen wird. Da unsere Gesellschaft, so wie sie ist, nicht zukunftstauglich ist. Vom schnellen Umdenken + Handeln in den Führungsetagen (auch in Ämtern, Instituten, Medien, Parlamenten, Schulen und Verbänden) wird es abhängen, ob Deutschland den Innovationswettbewerb noch gewinnen kann.
Ich selbst unterrichte und entwickle (angehende) Führungskräfte und die haben z.T. wenig Lust auf hohe Einsatzbereitschaft und Kreativität. Vor allem sehen Sie (besonders die Frauen), dass Versprechen von Politikern und Managern leider „nur Versprechen“ bleiben.

Wenn wir als Gesellschaft, die zu erwartenden Turbulenzen in Zukunft überstehen und das Überleben nachfolgender Generationen auf unserer Erde sichern wollen, dann müssen Frauen (die gefördert werden müssen) und Männer gemeinsam die anstehenden gesellschaftlichen Herausforderungen meistern lernen.

Kreativität ist die Zukunft

Der disruptive technologische Wandel (auch in der Digitalisierung) wird nur von den Unternehmen geleistet werden können, die kreative und ganzheitliche Geschäftsmodelle in ihrer „festgezurrten“ Organisationsstruktur realisieren können. Warum geht es immer darum, wie lange jemand am Schreibtisch sitzt. Nein, es geht darum wie partnerschaftlich und vertraulich die Menschen mit anderen zusammenarbeiten.

Wenn wir aber unsere reale Welt gegen die digitale Welt eintauschen, fast keine echten „körperlichen“ Tätigkeiten mehr ausführen, wie z.B. Handwerk, Musik/Tanz/Theater, TeamSport, Schwimmen und andere natürlichen Bewegungsarten, dann reduzieren sich unsere digitalen Schaltzentren im Hirn, weil bestimmte Hirnwindungen nicht mehr gebraucht werden. So bleiben Kreativität, Fitness und reale Kommunikation auf der Strecke. Der Weg ist frei für Zivilisationskrankheiten wie Burnout, Demenz, Depression, Sucht und sog. Immun-/ Organschwächen (auch Krebs).

Ohne Education keine wertvolle Zukunft

Schon heute haben unsere Kinder nur eingeschränkte Koordinierungs- und Konzentrationsfähigkeiten. Ebenso hören und sehen sie immer schlechter. Schwimmen kann nur noch etwa jedes 3.Kind. Auch reduzieren sie durch die digitalen Medien ihren persönlichen Umgang mit anderen auf das niedrigste Niveau. Dadurch leiden Sprachvermögen und soziales Verhalten. Frage eines Passanten auf der Straße: „Können Sie mir bitte kurz sagen, wie ich zum Krankenhaus komme? Antwort: „Weiß ich doch nicht, schauen Sie doch in Ihr iPhone…“

Deshalb müssen wir uns wieder auf die „Zwischenmenschlichen Werte“ zurückbesinnen. Die Gestaltung von Beziehungen wird die wichtigste Fähigkeit der Menschen und Führungskräfte in diesem Jahrhundert. Der Wirtschaftsprofessor Erik Brynjolfsson an der Harvard University (MIT) mahnt daher dringend ein „neues Fortbildungssystem“ an, wo Menschen eine Balance aus Fachwissen, Fitness sowie kreativen und zwischenmenschlichen Fertigkeiten erhalten. „Unsere Heranwachsenden, MitarbeiterInnen, Führungskräfte werden aber nicht mit interdisziplinärem Wissen fortgebildet. Das Problem heute, sind nicht die über-intelligenten Maschinen, sondern die unter-qualifizierten Menschen…“ (Thomas Sattelberger, ehem. Personalvorstand Telekom, mm 02/2017).

Führungskräfte verantworten die Zukunft

Die Verantwortlichen in den männlich dominierten Betrieben sollten sich im Klaren sein, wie wichtig ihr Bildungsauftrag ist. Die disruptive Zukunft muss gemeistert werden, dazu sind aber state-of-the-art Fach- und Führungsarbeiter notwendig. Was nützen uns junge Menschen, die Ihr Wissen aus dem Wikipedia-Speicher entnehmen, aber über fachübergreifende Zusammenhänge und agiles Projektmanagement nicht Bescheid wissen.

Denn eines ist sicher: Zukünftig werden sich Organisationen nur noch durch ihr intelligentes Kunden-/ Nutzenmodell, als auch durch ihre schnelle Lern- und Realisationsfähigkeit unterscheiden. Was man als die Unique Value Proposition (UVP) eines Betriebes bezeichnet. 

So macht sich die Zukunftsfähigkeit auch daran fest, ob Führungskräfte diese doppelte digitale Transformation auch bewältigen wollen.

Nachfolgende Tipps könnten ihnen dabei helfen:

  • Führung stellt sich immer wieder neu auf technologische Veränderungen und Kundenbedürfnisse ein, d.h. Dazu-Lernen gehört zum täglichen Fitnessprogramm.
  • Führung hat die Aufgabe Potenziale / Talente zu erkennen und zu entfalten, – d.h. die Zeit und das notwendige Geld dafür müssen investiert werden.
  • Führung sollte „durchlässige“ Formen des Zusammenarbeitens zulassen und dabei die richtig „tickenden Köpfe“ miteinander (auch digital) vernetzen – ganz gleich welcher Hierarchieebene.
  • Führung ist verpflichtet zu evaluieren – ob das was er/sie und andere tun – auch sinnhaft, ethisch-menschlich und umweltgerecht ist.

Fazit

Der technologische Wandel betrifft also nicht nur neue digitale Geschäftsmodelle, Prozesse / Systeme, sondern auch die Veränderung der digitalen Denkstruktur in den Köpfen der Menschen (sog. Doppelte Digitale Transformation nach Schust). Wissenschaftliche Untersuchungen machen schon lange deutlich, dass viele Organisationen mit ihrer „alten“ Führungsstruktur nicht zukunftstauglich sind. Heute werden schnellst möglichst neue Ideen und (digitale) Lösungen verlangt. Deshalb müssen interdisziplinäres Wissen, Kompetenzen und Erfahrung so vernetzt werden, damit der höchstmögliche Wirkungsgrad erzielt wird. So stellen Arbeitgeber 10-20 Prozent der Arbeitszeit zur Verfügung, um Mitarbeitern Zeit zur Realisierung neuer Ideen zu geben.

Aktuelles Beispiel ist die BOSCH GROUP: Die „Concept-Time“ für Kommunikationsinseln bzw. Plattformen mit Kreativ- und Schlüsselköpfen. Ebenso ABB, Apple, Cisco, Google, 3M, Microsoft, ZF u.a. Alle diese Firmen entwickeln sich mit Ihren Erfolgszahlen wesentlich besser als der Wettbewerb.

Prof. Günther Schust

Autor:
Prof. Günther H. Schust ist DKfm, DWI, Ex. MBA Uni St.Gallen/Schweiz. Er ist Human Performance Consultant, Trainer und Weiterbildner. Als ehemaliger Personalmanager ist Mitarbeiterführung einer der Schwerpunkte, mit dem er sich seit über 20 Jahren beschäftigt. So ist er Gastdozent für Leadership, Kommunikation und Innovation an mehreren Hochschulen in Bayern und in der Schweiz. Auch begleitet er namhafte Firmen bei ihrem qualitativen Wachstum, der Suche + Auswahl + Education von (IT-) Experten und Führungskräften.
 


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