Drei Fragen, drei Antworten

Virtualisierte Entwicklung für Software-defined Vehicles

Fahrzeug-Software

Wir alle wissen: Moderne Fahrzeuge sind mittlerweile fortschrittliche Computer auf Rädern mit bequemen Sitzen. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Software.

Deren Qualität, Verfügbarkeit und Integration in die einzigartige Markenidentität und das Angebot des OEMs entscheidet letztlich über den kommerziellen Erfolg. Um Automobilherstellern in der zunehmend Software-getriebenen Automotive-Welt einen Vorteil zu verschaffen und Markteinführungen zu beschleunigen, um mit der Gewschwindigkeit chinesischer Hersteller mithalten zu können, hat HERE Technologies, gemeinsam mit Amazon Web Services und weiteren Partnern, den SDV Accelerator ins Leben gerufen.

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1. Was ist der SDV Accelerator und wofür ist er gut?

Der SDV Accelerator ist eine cloudbasierte Virtualisierungs- und Entwicklungsplattform von HERE Technologies und Amazon Web Services (AWS). Er dient als zentrale Umgebung, um Anwendungen für Software-defined Vehicles (SDV) zu bewerten, zu entwickeln, zu testen, zu simulieren und bereitzustellen. Die Plattform bietet eine Cloud-native Umgebung mit Lösungsanleitungen, Beispielcode und Architekturreferenzen. Entwickler können hier digitale Zwillinge schaffen un einsetzen, die das Verhalten eines realen Fahrzeugs oder Cockpits exakt widerspiegeln.

Zahlreiche Partner wie Arm, Elektrobit, QNX oder Panasonic stellen ihre Softwarelösungen bereits vorintegriert zur Verfügung. Diese Komponenten können mit nur einem Klick über den AWS Marketplace in Projekte eingebunden und sofort in einer simulierten Umgebung getestet werden. Das führt zu einem deutlich geringeren manuellen Integrationsaufwand. Dank Servern mit derselben Prozessortechnologie wie in modernen Fahrzeugen können Entwickler die SDV-Architektur ihrer Wahl in der Cloud ausführen, noch bevor die Hardware verfügbar ist. Ziel der Plattform ist es, die traditionell hardware-zentrierte Fahrzeugentwicklung auf einen Software-first- und Virtualized-first-Ansatz umzustellen. Im Ergebnis lässt sich der SDV Accelerator als ein „Entwicklungs-Turbo“ verstehen, der die Komplexität moderner Fahrzeugsoftware durch Virtualisierung und ein starkes Partner-Netzwerk beherrschbar macht.

2. Wie beschleunigt der SDV Accelerator die Fahrzeugentwicklung konkret?

Der SDV Accelerator beschleunigt die Fahrzeugentwicklung durch die konsequente Virtualisierung von Softwarekomponenten, aber auch virtualisierten Chipsätzen. Dabei kann die Software in einer cloudbasierten Umgebung getestet und validiert werden, lange bevor physische Prototypen verfügbar sind. Entwickler nutzen digitale Abbilder des Cockpits und mehr und mehr des gesamten Fahrzeugs, um Anwendungen wie Navigation, Infotainment oder Fahrerassistenzsysteme wie unter realen Bedingungen zu simulieren und zu verfeinern. Ein besonderer Vorteil ist die Hardware-Unabhängigkeit: Entwickler müssen nicht auf spezielle Steuergeräte oder Testfahrzeuge warten und Schlange stehen, sondern arbeiten direkt in der virtuellen Umgebung.

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Durch virtualisierte Hardware lässt sich die Kompatibilität der Software mit verschiedenen Hardware-Komponenten bereits im Vorfeld sicherstellen. Zudem ebnet der Plattformansatz den Weg für virtualisierte Tests und dem Ausspielen von Updates in großem Umfang, was wiederum den Aufwand für manuelle Workflows deutlich verringert. So ließe sich laut Einschätzung von Experten ein Team von 400 Ingenieuren durch die Vorintegration im Ökosystem auf etwa 10 Personen verschlanken. Zusammenfassend verlagert der SDV Accelerator den zeitintensiven Integrations- und Testprozess von der Straße und der Werkstatt direkt in die Cloud, was Software-Innovationen deutlich beschleunigt.

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3. Welche Vorteile bietet die Partnerschaft zwischen HERE und AWS?

Automobilhersteller (OEMs) und Zulieferer profitieren von signifikanten technologischen und wirtschaftlichen Vorteilen: So kombiniert die Zusammenarbeit die Expertise von HERE in der Navigation, Assistenzsystemen, automatisiertem Fahren und digitalen Standort- sowie Kartentechnologie mit der omnipräsenten Cloud-Infrastruktur von AWS. OEMs können mithilfe der Plattform die Entwicklungszyklen um bis zu 70 Prozent verkürzen. Durch die Virtualisierung entfällt das Warten auf physische Prototypen, da Software in der Cloud in realistischen Umgebungen getestet werden kann, die aus der Ground Truth der HERE-Karte und Location Intelligence stammen. So wird die Virtualisierung realistischer und bedeutingsvoller. Zudem lassen sich die Forschungs- und Entwicklungskosten um bis zu 30 Prozent senken.

Ein zusätzlicher Vorteil: Durch die mehrfach erweiterten Testkapazitäten in der virtuellen Umgebung werden Fehler frühzeitig erkannt, was die Qualität der Software im Fahrzeug deutlich erhöht und Anlaufschwierigkeiten beim Einsatz neuer Technologien reduziert. Hinzu kommt, dass OEMs innovative Systeme wesentlich schneller zur Serienreife bringen können. Dies sichert ihnen insbesondere im Wettbewerb mit chinesischen Herstellern entscheidende Vorteile.

Darüber hinaus unterstützen moderne Software-Entwicklungspraktiken in der Cloud die Unternehmen bei der Zusammenarbeit in ihrem Partner-Ökosystem und sogar bei der Talentgewinnung: Hochqualifizierte Software-Experten lassen sich leichter rekrutieren und langfristig binden. Im Ergebnis ermöglicht die Partnerschaft zwischen HERE und AWS den Übergang von einer hardwarezentrierten zu einer softwarebasierten Entwicklungsphilosophie, die effizienter, skalierbarer und innovativer ist.  

Timmer

Remco

Timmer

SVP Product & Technology

HERE Technologies

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