Low-Code & No-Code: So lässt sich der Entwicklungsstau lösen

Laut OECD-Schätzungen werden digitale Technologien in den nächsten zehn Jahren mehr als eine Milliarde Arbeitsplätze verändern. Das ist fast ein Drittel aller Jobs. Dabei zeichnet sich eine Kluft zwischen den benötigten und vorhandenen Qualifikationen ab.

Einerseits wird Digitalisierung und Automatisierung viele Arbeitsabläufe verändern, andererseits werden aber auch Experten benötigt, um neue Technologien zu entwickeln und zu betreiben. So berichtet der Branchenverband Bitkom, dass die Zahl an freien Stellen für IT-Fachkräfte in Deutschland im vorigen Jahr auf 96.000 angestiegen ist; das sind zwölf Prozent mehr als im Vorjahr: Die angespannte Situation auf dem IT-Arbeitsmarkt bremst die Digitalisierung. Mit großem Abstand sind dabei Software-Spezialisten am begehrtesten: 41 Prozent der befragten Unternehmen mit vakanten IT-Jobs sind auf der Suche nach diesen Experten. Und die weiteren Aussichten versprechen keine Besserung. So sind zwei Drittel der Unternehmen der Meinung, dass sich der IT-Fachkräftemangel in Zukunft noch weiter verschärfen wird.

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Nur mit neuen Tools und Strategien lässt sich diese Expertise-Lücke schließen. An dieser Stelle kommen Low-Code/No-Code (LC/NC) Methoden ins Spiel, also Software-Entwicklung ganz ohne oder mit geringen Programmierkenntnissen. Statt mit textbasierten Programmiersprachen wird mit visuellen Applikationsdesign-Werkzeugen und anderen grafischen Modellierungsverfahren gearbeitet. IDC Analysten sind der Meinung, dass der Einsatz von LC/NC ein effizientes Werkzeug zur Entwicklung neuer Lösungsansätze ist. So meinen 24 Prozent der von IDC befragten IT-Chefs, dass LC/NC die Implementierung von individuellen Geschäftsprozessen deutlich beschleunigt und vereinfacht. Die Folge ist, dass LC/NC inzwischen der Top-IT-Trend geworden ist. Gartner erwartet, dass sich dessen Einsatz bis 2025 fast verdreifachen wird; dann sollen 70 Prozent aller neuen Anwendungen auf LC/NC basieren.

Neu Wege müssen her!

Aber auch wenn die Software-Entwicklung mit LC/NC schneller und effizienter vonstattengeht, so fallen die dafür erforderlichen Entwickler nicht vom Himmel. Notwendig sind Weiterbildungsprogramme oder individuelle Initiativen, um die erforderlichen LC/NC-Qualifikation zu erlernen. Hierzu bietet beispielsweise SAP den Unternehmen verschiedene Möglichkeiten an, um geeignetes LC/NC-Knowhow aufzubauen. Dazu gehören Kurse für nichttechnische Mitarbeiter, die bislang nur wenig oder gar keiner Erfahrung im Programmieren haben. Die Kurse vermitteln Kenntnisse darüber, wie sich LC/NC-Technologien einführen lassen. Sie bieten einen Überblick über die grundlegenden Konzepte der LC/NC-Anwendungsentwicklung mit denen mobile Apps sowie App-Erweiterungen erstellt werden können. Und schließlich werden die Kursteilnehmer von Experten über Hackathons und andere erprobte Vorgehensweisen zur Förderung eigener Entwickler-Communities angeleitet. Das Ziel dieser kostenfreien Kurse ist eine Zertifizierung als so genannter Citizen Developer, um mithilfe der persönlichen Anwendungskompetenz entsprechende LC/NC-Programme zu entwickeln und zu betreiben. Auf diese Art entlasten die Citizen Developer die professionellen Entwickler von einfachen Routine-Programmierungen, sodass sich diese zunehmend in die strategischen Arbeiten der Anwendungsentwicklung einbringen können. Unternehmen, die LC/NC einsetzen, können ihre intern vorhandenen Talente nutzen, um Anwendungen schneller zu entwickeln und bereitzustellen. Die Weiterentwicklung des Fachexperten zum Citizen Developer bedeutet nicht nur eine schnellere Anwendungsentwicklung, sondern auch, dass die Fachexpertise noch mehr bei der Erstellung solcher Lösungen genutzt wird.

LC/NC ist aber nicht nur etwas für diejenigen, die sich diese Qualifikation als Zusatzwissen aneignen, auch professionelle Entwickler greifen zunehmend darauf zurück. Beispielsweise bei Aufgaben, die für einen „normalen“ Citizen-Developer weiterhin zu komplex sind, wie Sicherheitsfunktionen (Single-Sign-On), außergewöhnliche API-Aufrufe oder Responsezeit-sensitive Fertigungsschnittstellen. Hier ist weiterhin das Wissen von erfahrenen Software-Entwicklern vonnöten – doch mithilfe von LC/NC können sie solche Funktionen schneller und sicherer entwickeln, um sie dann in einer Bibliothek für alle Citizen-Entwickler bereitzustellen.

Fazit

Es ist also durchaus möglich, dass die eingangs geschilderte Wissenslücke schon bald überwunden werden kann, denn LC/NC hat sich zu einer leistungsstarken Software-Kategorie entwickelt. Richtig eingesetzt, kann LC/NC zur De-facto-Standardmethode für die Erstellung fast aller Programme werden. LC/NC-Plattformen können genutzt werden, um ein Ökosystem zu schaffen, mit dem viele neue Apps schnell und reibungslos erstellt und produktiv eingesetzt werden können. Das wird auch Auswirkungen auf die gesamte Software-Entwicklung haben. Laut Gartner werden Anwendungen künftig von den Teams entworfen und entwickelt, die sie auch anschließend nutzen. Damit werden die bisherigen technologischen und organisatorischen Silos der Anwendungsentwicklung, wie Automatisierung, Integration und Governance obsolet, so die Meinung von Gartner Analysten.

Autoren: Sebastian Schrötel, Vice President, Head of LCNC Products, Head of Intelligent RPA, Timo Schütte, Vice President Head of SAP Product Learning CoE, www.sap.com/germany/index.html

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