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Low Code

Im Interview spricht Matt Calkins, CEO bei Appian, über die Relevanz sowie Herausforderungen von Hyperautomatisierung und Low Code – und welche Vorzüge sie Unternehmen bieten.

Low-Code und Automatisierung. Wie passt das zusammen?

Matt Calkins: Die Geschäftswelt befindet sich derzeit in einer der größten Umwälzungen seit Jahrzehnten. Unternehmen reagieren darauf, indem sie sich schneller anpassen, als sie es bisher für möglich hielten. Dabei ist Low-Code eine wesentliche Technologie, die den Wandel erlaubt. Sie wird auch zukünftig unverzichtbar sein, wenn Organisationen eine hohe Fähigkeit und Flexibilität beibehalten wollen, um ihre Geschäftstätigkeiten zu verändern. Es lässt sich in drei Punkten zusammenfassen, wie Low-Code Veränderungsprozesse in einer Organisation unterstützt. Diese nenne ich auch „das Low-Code-Versprechen“:

Unternehmen können eine Anwendung in einem Zehntel der Zeit im Vergleich zu traditioneller Anwendungsentwicklung erstellen. Die Kosten reduzieren sich um 50 Prozent und zugleich erhalten Firmen bessere Funktionen, verglichen mit bisherigen Entwicklungsmethoden. Low-Code lässt sich noch effizienter einsetzen, wenn es mit Automatisierung orchestriert wird. Bei Low-Code geht es um die Erstellung von Anwendungen durch Zeichnen eines Workflows. Automatisierung fokussiert sich darauf, einen Workflow zu nutzen, um die Arbeit zwischen verschiedenen Arten von Mitarbeitern zu koordinieren – Robotic Process Automation (RPA), künstliche Intelligenz (KI) und Menschen. Diese Bereiche gehören zusammen und der entsprechende Workflow macht diese Konvergenz unausweichlich.

COVID-19 – Glauben Sie, dass die Pandemie das Wachstum von Low-Code-Entwicklungstools vorantreibt?

Matt Calkins: Jeder sieht, dass die Geschäftswelt im letzten Jahr agiler geworden ist und sich schneller als je zuvor verändert hat. Denn von Unternehmen wird heute erwartet, dass sie in der Lage sind, Veränderungen schnell umzusetzen – von ihrem Management, von ihren Investoren und von ihren Kunden. Agilität ist damit ein zentraler Grund für den anhaltenden Einsatz von Low-Code. Es ist aber nicht der einzige Grund. Mobilität ist heute ein notwendiger Bestandteil jeder Anwendung. Und das wird die Entwicklung zu Low-Code-Plattformen weiter vorantreiben. Außerdem steigt die technische Verschuldung in Zeiten des Wandels, was wiederum den Einsatz von Low-Code-Tools weiter erhöhen wird.

Stichwort Hyperautomatisierung – ein Trend oder mehr als das?

Matt Calkins: Hyperautomatisierung ist mehr als nur ein Trend. Es ist Automatisierung mit Geschwindigkeit. Hyperautomatisierung kombiniert die richtigen Technologien, um verschiedene Arbeitsabläufe und Prozesse im gesamten Unternehmen zu automatisieren, zu vereinfachen, zu erkennen, zu gestalten, zu messen und zu koordinieren. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Prozessebene. Es handelt sich dabei um eine Automatisierung auf Enterprise-Niveau mit Work Routing, Regeln, Co-Location, Skalierbarkeit und Sicherheit – ausgelegt für skalierbare, geschäftskritische Prozesse. Es ist eine wichtige Technologie, die sich mit Low-Code überschneidet.

Was unterscheidet Hyperautomatisierung von intelligenter Automation und RPA?

Matt Calkins: Grundsätzlich ist intelligente Automatisierung gleichbedeutend mit Hyperautomatisierung. Verschiedene Analysten verwenden unterschiedliche Begriffe. Gartner nennt es Hyperautomation, Forrester „Digital Process Automation“ und IDC „Intelligent Process Automation“. Die Lösung hinter jedem Begriff ist jedoch die gleiche. Generell geht Hyperautomatisierung weit über RPA hinaus; RPA ist ein Bestandteil einer intelligenten Automatisierungslösung.

Warum brauchen Unternehmen Hyperautomatisierung und was ist der Mehrwert für sie?

Matt Calkins: Hyperautomatisierung bietet Unternehmen eine Vielzahl von Vorteilen. Zum Beispiel sind die Mitarbeiter effizienter: Viele Prozesse, die sie früher manuell erledigt haben, sind nun automatisiert. Außerdem sind IT und Business im Einklang: Dank KI gewinnen Unternehmen Erkenntnisse über den ROI der Automatisierung. Gleichzeitig ermöglicht KI auch eine intelligente End-to-End-Automatisierung. Dadurch können Organisationen nicht nur insgesamt effizienter arbeiten, sondern erhalten auch einen Wettbewerbsvorteil durch eine schnellere Time-to-Market von Produkten und Dienstleistungen.

In welchen Bereichen gibt es die vielversprechendsten Anwendungsmöglichkeiten?

Matt Calkins: Letztlich müssen Unternehmen dies für sich selbst definieren. Eine Analyse des Ist-Zustands kann ihre Entscheidung unterstützen. Unternehmen müssen dann entscheiden, wo intelligente Automatisierung ihnen den größten Effizienzgewinn und Wettbewerbsvorteile bietet. Ein Schritt wäre, manuelle Abläufe zu identifizieren, die Mitarbeiterressourcen binden, ein hohes Fehlerpotenzial oder Qualitätsprobleme aufweisen. Anhand der Ergebnisse sollten Organisationen festlegen, wie sich diese Abläufe automatisieren lassen und schrittweise vorgehen.

Was sind die größten Herausforderungen für die Hyperautomatisierung eines Unternehmens?

Matt Calkins: Für die Hyperautomatisierung und für die Anwendungsentwicklung im Allgemeinen ist die vielfach immer noch vorhandene siloartige Speicherung der Daten im Unternehmen eine große Herausforderung. Die Datenintegration erfordert traditionell eine Vielzahl von speziellen Datenbankprogrammierkenntnissen. Zudem lässt sich schwer identifizieren, wo die Daten abgelegt sind, sowie entsprechende Zugriffsberechtigungen zu erhalten und Multi-Datenbank-Zusammenlegungen durchzuführen. Der Grad der Komplexität ist so hoch, dass Hyperautomatisierungsprojekte oft verworfen werden, weil die gewünschte Lösung nicht auf die richtigen Datensätze zugreifen kann. Das Ergebnis ist eine erhebliche Unterauslastung der Daten in den meisten Unternehmen. Jeder Versuch der Hyperautomatisierung, der nicht die richtigen Daten zur richtigen Zeit liefert, ist eine vergebliche Mühe. Der Grund: Daten, die sich im Moment der Entscheidung nicht nutzen lassen, sind verschwendete Daten.

Wie lassen sich die Herausforderungen lösen?

Matt Calkins: Die Lösung: Low-Code-Daten. Mit anderen Worten: die Anwendung der gleichen Prinzipien der Low-Code-Anwendungsentwicklung auf Datendesign und -integration. Dann sind Datensilos kein Mysterium mehr. Die Low-Code-Plattform identifiziert automatisch jedes Datenelement und macht es einfach, dieses auszuwählen und in neue Anwendungen zu integrieren. Datenexpertise ist nicht erforderlich, selbst wenn Elemente aus verschiedenen Datenquellen ausgewählt und kombiniert werden müssen. Das bedeutet, dass Beziehungen zwischen verschiedenen Datenquellen visuell kombiniert, erweitert und modelliert sowie Datensätze automatisch für die Leistung optimiert werden können – ohne Kodierung oder Datenbankprogrammierung. Low-Code-Daten ermöglichen es Unternehmen, ihre Daten in all ihren Anwendungen vollständig zu nutzen, anstatt eine enge Sicht auf die Daten in einem einzelnen Silo einnehmen zu müssen. Nur mit dieser vollständigen Sicht und Nutzung von Daten im Kontext sind Firmen in der Lage, den geschäftlichen Wert von Hyperautomatisierung zu realisieren.

Welche Auswirkungen haben Hyperautomatisierung und Low-Code im Vergleich zu traditioneller Software?

Matt Calkins: In dieser neuen Ära des schnellen Wandels ist Agilität die wichtigste Unternehmenseigenschaft. Organisationen müssen in der Lage sein, ihre Anwendungen schnell umzustellen. Sie haben keine Zeit, um lästige „technische Schulden“ – sozusagen Kosten, um alte Anwendungen auf dem neuesten Stand zu halten – zu verwalten. In Zeiten des Wandels veralten Anwendungen schneller und die technischen Schulden lähmen die Handlungsfähigkeit von Unternehmen. Low-Code und Hyperautomatisierung sind das Mittel gegen technische Schulden. Denn diese Plattformen halten Anwendungen automatisch auf dem neuesten Stand, während traditionelle Software nur schwer zu ändern ist.

Zum Schluss – können Sie uns einen kurzen Ausblick auf die Zukunft geben?

Matt Calkins: Während das volle Ausmaß des Jahres 2020 für die Geschäftswelt nicht vorhersehbar war, ist die künftige Arbeitsweise von Organisationen klar: Agilität ist die wichtigste Unternehmenstugend. Die Implementierung von Hyperautomatisierung und Low-Code hilft Firmen, die mobile Nutzung zu erleichtern, technische Schulden zu beseitigen und sich in die Lage zu versetzen, sich schnell anzupassen, ihr Business zu modernisieren und zu skalieren.

Matt Calkins, CEO
Matt Calkins
CEO, Appian

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