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Software Testing

Softwaretests wurden noch vor einiger Zeit als lästiges Übel klassischer Entwicklungsprojekte angesehen. Doch viele Unternehmen haben mittlerweile ihren Standpunkt geändert und geben einen erheblichen Teil ihres IT-Etats für das Testen von Software aus. Denn nur so können langfristig die Qualitätserwartungen der Kunden erfüllt werden.

Allerdings: Welche Teststrategie ist die richtige? Welche Risiken gibt es und wie plant und organisiert man am besten Softwaretests?

Die neue Buchungsplattform ist endlich online, doch aus softwaretechnischen Gründen fällt sie am ersten Tag immer wieder aus. In einem Online-Marketplace kommt es durch Sicherheitslücken im System zum Diebstahl von Kunden- oder Kreditkarteninformationen. Oder, jüngstes Beispiel, die Corona-Massentests in Österreich starteten mit massiven IT-Pannen, weil das System für die elektronische Erfassung der Daten immer wieder ausfiel und schließlich alles auf Papier notiert werden musste. Diese Beispiele zeigen ganz klar, dass durch fehlende effiziente Softwaretests erhebliche kommerzielle, materielle und auch Imageschäden entstehen können.

Um nicht erst mit Software-Qualitätsproblemen konfrontiert zu werden, wenn es eigentlich schon zu spät ist, nehmen viele Unternehmen das Testen vor der Einführung sehr ernst. Laut dem Continuous Testing Report von Capgemini, der auf Basis einer Umfrage unter 500 leitenden Entscheidungsträgern in der Unternehmens-IT entstand, hat eine Mehrheit (55 Prozent) der befragten Unternehmen inzwischen einen Ansatz für kontinuierliche Tests eingeführt, Tendenz steigend. „Eine gut durchdachte und fundierte Testplanung ist der Schlüssel für ein erfolgreiches Testprojekt, auch wenn das Testen über den Lebenszyklus einer Applikation betrachtet zwischen 25 und 50 Prozent der anfallenden Gesamtkosten in Anspruch nimmt”, so Frank Witte, Inhaber der Firma Testmanagement.de, die sich auf Strategie, Monitoring und Controlling von Softwaretests in Unternehmen spezialisiert hat.

Was sind Risiken und Herausforderungen von Softwaretests in Unternehmen?

Bevor Softwaretests konzipiert und geplant werden, ist es wichtig, sich über die Probleme und Risiken klar zu werden. So kann man diese von vornherein ausschließen oder zumindest darauf vorbereitet sein. Der Testmanager fühlt sich dann nicht als Getriebener im Reaktionsmodus, sondern kann von Anfang an aktiv agieren. Auch wenn dieser Fakt vielleicht überrascht, so haben laut Capgemini Studie 62 Prozent der Befragten Schwierigkeiten, qualifizierte Fachkräfte für Strategie, Konzeption, Aufbau und Umsetzung kontinuierlicher Softwaretests zu finden.

Das Personal ist gemäß Wittes Erfahrung tatsächlich eine Herausforderung bei der Planung von Softwaretests. Die Unternehmen sollten vorher abklären, ob genügend erfahrene Tester zur Verfügung stehen und ob sie motiviert sind. „Dafür spielt auch eine Rolle, ob der Mitarbeiter überhaupt Ressourcen hat oder ob er überlastet ist. Das Unternehmen sollte auch abklären, ob es persönliche Differenzen im Team gibt”, so Witte. Sein weiterer Rat: Das Team überschaubar halten, um die Kommunikationswege zu reduzieren, und Aufgabenstellungen klar formulieren.

Wenn der Softwaretest hinterfragt wird: das Risiko in Euro umrechnen

Neben dem Faktor Personal kann auch die Priorität des Projektes innerhalb des Unternehmens eine Herausforderung sein. Laufen zeitgleich andere Projekte, die der Geschäftsführung wichtiger sind, kann es ebenfalls zu Schwierigkeiten im Ablauf kommen. Gleiches gilt, wenn das Management überzogene Erwartungen hinsichtlich Terminsituation, Kosten und Qualität stellt. Neben diesen „soften“ Faktoren gibt es auch einige hard facts zu bedenken. Eine Umstellung der Server oder der Datenhaltung in der Cloud kann etwa Auswirkungen auf die zu testende Software haben, genauso wie die Änderung von Datenbanken. Wenn generell der Sinn des Softwaretests hinterfragt wird, hilft es, vorhandene Risiken in Euro umzurechnen, hat Witte festgestellt: „Zu sagen, wegen mangelhafter Testabdeckung beträgt das Risiko 750.000 Euro, ist natürlich wesentlich eindringlicher als zu sagen, dass wahrscheinlich fünf Prozent der geplanten Testfälle nicht termingerecht getestet werden können”.

Strategie für Softwaretests sollte sich an der IT-Strategie orientieren

Wenn die Herausforderungen hinreichend bekannt sind, kann mit der Konzeption, Planung und Organisation des Tests begonnen werden. Erster Schritt ist das Erarbeiten einer Teststrategie als Grundlage für die richtigen Testprozesse. Die Strategie sollte zudem unternehmensweit gültig sein und sich an der IT-Strategie orientieren. In der Dokumentation sollten mit Hilfe einer Testrichtlinie auf hohem Abstraktionsniveau die Prinzipien, der Ansatz und die wichtigsten Ziele einer Organisation in Bezug auf das Testen zusammengefasst werden. Handelt es sich um ein kleines Projekt von nur wenigen Tagen, zum Beispiel für die Einführung einer App, können nur Teile der Testrichtlinie umgesetzt werden. Es empfiehlt sich, für die Umsetzung der Projektstrategien und Erfolgskontrolle geeignete Metriken und Balanced Scorecards zu verwenden.


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