o rüsten sich die Datenwissenschaftler von morgen

Mit Geodaten gegen den Klimawandel

Schon heute lebt etwa die Hälfte der Weltbevölkerung in Regionen, die maßgeblich von den Folgen des Klimawandels betroffen sein werden. Das legt der aktuelle IPCC-Bericht nahe. Zu denen, die am heftigsten betroffen sein werden, zählen vor allem Kinder und Jugendliche.

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Grund dafür ist nicht nur die Tatsache, dass sie im Vergleich zu Erwachsenen physiologisch anfälliger sind. Immerhin werden sie und folgende Generationen diejenigen sein, die ihre Existenz in einer Welt bestreiten müssen, die zunehmend von Hitzewellen, Dürren oder Starkregen geprägt sein wird.

Angesichts dieser Tatsache ist es nicht verwunderlich, dass junge Menschen überall auf der Welt beschlossen haben, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Während Politik und Wirtschaft oft zu zögerlich reagieren, um gegen die drohenden Gefahren vorzugehen, haben Kinder und Jugendliche zwei essenzielle Dinge längst verstanden: Einerseits liegt die Zeit, zu handeln, im Hier und Jetzt und nicht irgendwann in der Zukunft. Und andererseits braucht es große Datenmengen und moderne Technologien, um Zusammenhänge, aber auch ungenutzte Potenziale erkennen und entsprechend reagieren zu können.

Geodaten machen den entscheidenden Unterschied

Egal, welchen Bericht man auch liest, die Zukunftsprognose für Kinder und Jugendliche gestaltet sich eher düster: Der von UNICEF herausgegebene Children’s Climate Risk Index belegt, dass beinahe jedes Kind dem Risiko mindestens einer größeren Klima- und Umweltkatastrophe ausgesetzt sein wird. Dabei sind die Gefahren für Kinder in Regionen Afrikas oder Asiens teilweise ähnlich hoch wie die für Kinder in Europa. Welche konkreten Auswirkungen dieses theoretische Risiko haben kann, verdeutlichte die Flutkatastrophe im Sommer 2021, von der nicht nur Teile Deutschlands, sondern auch Belgiens, Österreichs, der Schweiz und der Niederlande betroffen waren. Starkregenereignisse, die heftige Überschwemmungen wie diese zur Folge haben, werden sich in den kommenden Jahren immer stärker häufen. Laut einer Karte des Umweltbundesamtes wird zum Beispiel das Erzgebirge bereits in naher Zukunft neun Starkregentagen pro Jahr ausgesetzt sein. Aktuell liegt die Anzahl bei etwa 5,5 – eine Steigerung von fast 64 Prozent innerhalb nur weniger Jahrzehnte.

Um Katastrophen wie diese besser vorhersagen und die Bevölkerung entsprechend schützen zu können, spielen Geodaten eine zentrale Rolle. Ihre Bandbreite ist nahezu grenzenlos und erstreckt sich von Adressinformationen bis hin zu Satelliten- und Wetterdaten. Werden sie nicht im ausreichenden Maße berücksichtigt, verbleibt immer ein gewisses Restrisiko. Trotzdem bilden Geodaten eine Dimension, die von Datenwissenschaftler:innen aktuell noch häufig übersehen wird. Ihr Fokus liegt eher auf Daten, die sich auf Preise, Stückzahlen, Materialien oder einzelne Prozessabläufe beziehen. Das bedeutet, dass geobasierte Risiken häufig unentdeckt bleiben – und das gilt auch im Bezug auf den Klimawandel, der von Jahr zu Jahr weiter voranschreitet. Die aktuelle Holzknappheit ist ein gutes Beispiel für die Folgen, die ein solcher „toter Winkel“ nach sich ziehen kann. Grund für den Mangel dieser wichtigen Ressource ist nicht nur der massive Export. Auch wiederkehrende Dürreperioden sind ein großes Problem. Sie begünstigen die Ausbreitung des Borkenkäfers, wodurch Wälder zerstört werden und die Preise in die Höhe schießen. Unternehmen, die in der Lage sind, dies bereits frühzeitig zu berücksichtigen, können Alternativen finden und sich dadurch von der Konkurrenz abheben.

Junge Menschen üben sich in Datenwissenschaften

Zusammenhänge wie diese erkennen zu können, wird in Zukunft wichtiger denn je sein. Herkömmliche Ressourcen wie Öl oder Gas werden immer knapper. Dasselbe gilt auch für seltene Erden oder Lithium, das in der E-Automobilproduktion eine entscheidende Rolle spielt. Nur wer in der Lage ist, alle hiermit zusammenhängenden Geodaten in einen größeren Kontext zu setzen, hat auch die Chance, Risiken zu erkennen, bevor es zu spät ist – völlig unabhängig davon, ob es sich hierbei um einen Rohstoffmangel oder eine drohende Flutkatastrophe handelt. Jüngere Generationen, die bereits mit technologischen Mitteln aufgewachsen sind, haben die Wichtigkeit von Geodaten längst verstanden. In einer Vielzahl von Projekten analysieren und visualisieren sie diese mithilfe moderner GIS-Technologien. Dadurch eignen sie sich schon heute die Fähigkeiten an, auf die es zukünftig ankommen wird, um den Auswirkungen des Klimawandels selbstbewusst entgegenzutreten.

Bei einem dieser Projekte handelt es sich um North Coast World Earth. Der Verein wurde an der Nordküste Irlands gegründet, um die Umwelt der Region zu schützen und mehr Aufmerksamkeit für diese wichtige Thematik zu schaffen. Gemeinsam konnten bereits mehr als 3,5 Tonnen Müll entlang der Strände gesammelt werden, wobei alle hiermit zusammenhängenden Informationen in einem digitale Kartierungssystem erfasst und analysiert werden. Das macht nicht nur Muster sichtbar, die ansonsten im Verborgenen bleiben würden. Auch der Verwaltungsaufwand lässt sich dadurch deutlich reduzieren, sodass mehr Zeit für die wirklich wichtigen Aufgaben bleibt. Bereits Kinder im Grundschulalter lernen, mit Geodaten und der Software umzugehen. Dadurch bekommen sie nicht nur die Chance, das Ergebnis ihrer Arbeit zu verfolgen, sondern können auch nachvollziehen, um welche Art von Müll es sich handelt und wo dieser besonders häufig anfällt, um präventive Gegenmaßnahmen einzuleiten – beispielsweise im Aufstellen von Abfalleimern, wo sie am dringendsten benötigt werden.

North Coast World Earth 1

Bild: North Coast World Earth

Auch die niederländische Studentin Jet Kramer hat im Rahmen eines Projekts an der Universität Utrecht auf eine ähnliche Technologie zurückgegriffen, um ein steigendes Risiko besser greifbar zu machen: In Folge steigender Temperaturen wird es nämlich in den Städten vermehrt zu Hitzestaus kommen, unter denen besonders Kinder und ältere Menschen leiden. Studien zufolge geht sogar jeder dritte Todesfall bei Hitze auf das Konto des Klimawandels. Mithilfe des Dashboards, das die Studentin angesichts dieser Problematik entwickelt hat, können User einerseits prüfen, wie groß die Gefahr ist, die in ihrer eigenen Nachbarschaft besteht. Andererseits bietet es die Funktion, direkt Vorschläge einzureichen, wie die Stadt gegen die steigenden Temperaturen vorgehen kann.

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Vorbereitung auf eine ungewisse Zukunft

Fakt ist: Bisher wurde zu wenig getan, um den Klimawandel aufzuhalten. Die gesetzten Ziele waren nicht nur zu gering, sondern wurden außerdem in vielen Fällen verfehlt. Selbst dann, wenn die Erderwärmung auf 1,5°C reduziert wird, werden jüngeren Generationen sich künftig mit Umweltkatastrophen konfrontiert sehen, die ihre Umwelt bedrohen und Nahrungsknappheiten nach sich ziehen. Es gibt kaum eine Möglichkeit, dies aufzuhalten. Deshalb setzen immer mehr Kinder und Jugendliche schon heute auf den Einsatz moderner GIS-Technologien. Dank ihrer bereits frühzeitig erworbenen Fähigkeiten in diesem Bereich, können sie später maßgeblich dazu beitragen, Ressourcen smarter einzusetzen und Lösungen zu finden, damit ihre Heimatstädte auch weiterhin lebenswerte Orte bleiben.

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