Check Point warnt, dass Antidetect-Browser mit KI nicht nur Betrug und Kontoübernahmen erleichtern, sondern auch Einflusskampagnen vor Wahlen.
Antidetect-Browser steuern Tausende falsche Identitäten

Check Point Research hat in einer Untersuchung beschrieben, wie sogenannte Antidetect-Browser in Kombination mit KI den Betrieb großer Netzwerke gefälschter Online-Identitäten erleichtern können. Mit solchen Werkzeugen kann eine einzelne Person Tausende Browserprofile verwalten, von denen jedes wie ein anderer Nutzer mit eigenem Gerät und eigenem Standort wirkt. Die Werkzeuge haben legitime Einsatzzwecke, etwa die Verwaltung mehrerer Konten durch Agenturen. Laut Check Point werden sie aber auch in kriminellen Umfeldern für Kontoübernahmen, Zahlungsbetrug und das Anlegen gefälschter Konten eingesetzt.
Manipulierte Browser-Fingerabdrücke
Jeder Browser übermittelt Merkmale, anhand derer Websites Nutzer unterscheiden können, darunter Bildschirmauflösung, Zeitzone, Browsertyp, installierte Schriftarten, WebGL-Informationen und Hardware-Eigenschaften. Zusammen ergeben sie einen Browser-Fingerabdruck. Antidetect-Browser verändern diese Merkmale für jedes Profil. Eingesetzt werden sie laut Check Point häufig für Konten auf Plattformen wie Facebook, Instagram, TikTok, YouTube und X, aber auch im Onlinehandel, bei Finanzdiensten und in beruflichen Netzwerken.
Kontoübernahme mit gestohlenen Cookies
Kombinieren Angreifer gestohlene Sitzungs-Cookies mit Browserprofilen, die die Merkmale des echten Nutzers nachahmen, können sie laut Check Point auf Konten zugreifen, ohne Anmelde- oder Authentifizierungsprüfungen auszulösen. Beim Finanzbetrug helfen die Werkzeuge, mehrere Konten so zu betreiben, dass sie nicht miteinander in Verbindung gebracht werden. KI und Automatisierung ermöglichen es zudem, Inhalte zu erzeugen und Interaktionen über viele Konten hinweg zu steuern.
„Die Sorge gilt nicht mehr nur der Erstellung gefälschter Konten, sondern der Fähigkeit, Tausende von scheinbar unabhängigen digitalen Identitäten in großem Maßstab zu betreiben.”
Omer Dembinsky, Data Research Manager bei Check Point Research
Vor Wahlen könne dieselbe Infrastruktur genutzt werden, um Online-Diskussionen zu manipulieren und den Eindruck breiter öffentlicher Beteiligung zu erwecken. Konkrete Fälle solcher Einflusskampagnen nennt Check Point in der Mitteilung nicht.
Erkennung über einzelne Konten hinaus
Check Point empfiehlt Sicherheitsteams, die Erkennung auf die Ebene der Infrastruktur und der Sitzungen auszuweiten. Sie sollen auf Hinweise auf Antidetect-Browser, den massenhaften Einsatz von Residential Proxys und unterdrücktes WebRTC achten. Zudem sollten sie auffällige bereits authentifizierte Sitzungen und ungewöhnliche Abfolgen beim Einschleusen von Cookies erkennen. Kontrollen zur Betrugserkennung, die stark auf gleichbleibende Gerätemerkmale oder durchgehende Sitzungen setzen, sollten überprüft werden, da sich diese Signale manipulieren lassen. Verdächtiges Verhalten sollte über mehrere Konten hinweg ausgewertet werden statt nur für einzelne Profile.
(red/Check Point)




