Deutsche Unternehmen beziehen digitale Schlüsseltechnologien überwiegend aus dem Ausland.
Deutsche Unternehmen bleiben von ausländischer Digitaltechnik abhängig

Laut einer Bitkom-Umfrage könnten sie einen vollständigen Ausfall dieser Importe im Durchschnitt nur 16 Monate verkraften. Gleichzeitig wächst die Sorge vor geopolitischen Risiken und fehlenden Alternativen.

China und USA als zentrale Risikofaktoren
96 Prozent der befragten Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten importieren digitale Technologien oder Dienstleistungen. Dazu gehören vor allem Smartphones und Notebooks, Hardwarekomponenten, Cloud-Dienste, Software, Cybersicherheitslösungen und KI-Anwendungen. Die Abhängigkeit ist entsprechend hoch: 94 Prozent der Unternehmen sehen Deutschland bei digitalen Technologien und Leistungen aus dem Ausland als stark oder eher abhängig an.
Besonders ausgeprägt ist die Abhängigkeit von China. 88 Prozent der Unternehmen, die Digitaltechnik importieren, geben an, von chinesischen Anbietern abhängig zu sein. Bei den USA liegt dieser Anteil bei 87 Prozent. Auch die EU bleibt ein wichtiger Bezugspunkt: 83 Prozent beziehen digitale Produkte oder Dienstleistungen von dort.
Die Sorge vor möglichen politischen oder wirtschaftlichen Konflikten nimmt zu. 79 Prozent der Unternehmen beunruhigt die digitale Abhängigkeit Deutschlands von China. Bei den USA ist dieser Anteil innerhalb von zwei Jahren von 38 auf 73 Prozent gestiegen.
Ausfälle würden das Kerngeschäft treffen
Ein Wegfall digitaler Importe hätte weitreichende Folgen. 93 Prozent der Unternehmen erwarten Auswirkungen auf die Produktion oder ihre Leistungserbringung. 91 Prozent rechnen mit Folgen für Vertrieb und Verkauf, 87 Prozent für Logistik und Lieferketten. Auch Beschaffung, Kundenservice und der Betrieb der IT-Infrastruktur wären betroffen.
Die durchschnittliche Zeit, die Unternehmen einen vollständigen Ausfall digitaler Importe überstehen könnten, ist gegenüber 2025 von 14 auf 16 Monate gestiegen. Die grundsätzliche Abhängigkeit bleibt jedoch bestehen. Zwei Drittel der Unternehmen gehen davon aus, dass sie in den kommenden fünf Jahren weiter zunimmt.
Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst sieht deshalb Handlungsbedarf bei Unternehmen und Politik. Internationale Arbeitsteilung sei zwar ein wirtschaftlicher Vorteil, dürfe aber nicht dazu führen, dass Unternehmen in Krisen ihre Handlungsfähigkeit verlieren. Ziel müsse es sein, einseitige Abhängigkeiten zu verringern, ohne sich international abzuschotten.
Mehr Anbieter und eigene Kompetenzen
Viele Unternehmen versuchen bereits, Risiken zu begrenzen. 44 Prozent setzen verstärkt auf Anbieter aus Deutschland und Europa. 41 Prozent legen größere Vorräte wichtiger Bauteile und Komponenten an. 40 Prozent bereiten sich darauf vor, zentrale Anbieter oder Systeme bei Bedarf auszutauschen.
Weitere Maßnahmen betreffen den Aufbau eigenen technischen Know-hows und die Verteilung von Aufträgen auf mehrere Lieferanten. 32 Prozent investieren in eigene technische Kompetenzen, während 31 Prozent wichtige Produkte, Komponenten oder Dienstleistungen von mehreren Lieferanten beziehen. Lediglich drei Prozent haben bislang keine entsprechenden Maßnahmen ergriffen.
Allerdings sind die Möglichkeiten begrenzt. 85 Prozent der Unternehmen halten ihre globalen Wertschöpfungsketten für zu stark verflochten und sprechen sich für eine stärkere Regionalisierung aus. 68 Prozent sehen für bestehende Abhängigkeiten von ausländischen Geschäftspartnern keine Alternative.
Sicherheit konkurriert mit Kosten
Bei der Auswahl ausländischer Lieferanten stehen weiterhin die finanziellen Konditionen im Vordergrund. Für 97 Prozent der Unternehmen sind sie ein entscheidendes Kriterium. 93 Prozent achten auf das technologische Know-how des Partners. IT-Sicherheitsstandards spielen für 89 Prozent eine wichtige Rolle, die Rechtssicherheit im jeweiligen Land für 82 Prozent.
Gleichzeitig steigt die Bereitschaft, Risiken in Kauf zu nehmen. 73 Prozent der Unternehmen, die digitale Technologien oder Leistungen international beziehen oder anbieten, sehen sich angesichts der politischen Verhältnisse in den Partnerländern zu solchen Risiken gezwungen. 2024 lag der Anteil noch bei 53 Prozent. 59 Prozent erklären zudem, dass sie sich kaum gegen Druck ausländischer Unternehmen oder Regierungen wehren könnten.
Forderung nach Investitionen in Schlüsseltechnologien
Die Unternehmen sehen vor allem die Politik in der Pflicht. 97 Prozent fordern höhere Investitionen in digitale Schlüsseltechnologien. Ebenso viele sprechen sich dafür aus, die digitale Souveränität Deutschlands dringend zu stärken. 84 Prozent wünschen sich einen stärkeren Einsatz europäischer Handelsschutzinstrumente.
Bitkom leitet daraus mehrere Handlungsfelder ab: bessere Bedingungen für Innovationen und Investitionen, gezielte Förderung von Halbleitern, künstlicher Intelligenz und Cloud-Technologien sowie eine widerstandsfähigere digitale Infrastruktur. Hinzu kommen diversifizierte Lieferketten, sichere und interoperable Systeme, offene Standards und mehr digitale Kompetenzen.
Die Ergebnisse der repräsentativen Befragung von 602 Unternehmen zeigen damit ein Spannungsfeld: Die deutsche Wirtschaft ist auf internationale Technologiepartner angewiesen, will aber ihre Abhängigkeit von einzelnen Ländern verringern. Digitale Souveränität bedeutet dabei nicht vollständige Unabhängigkeit, sondern vor allem, im Krisenfall über Alternativen zu verfügen.
(red/Bitkom)






