Mit einer gefälschten WhatsApp-Nachricht und einer KI-geklonten Stimme brachten Betrüger die Intesa-Tochter Fideuram dazu, 95 Millionen Euro zu überweisen.
Betrüger haben die italienische Privatbank Fideuram mit einer gefälschten WhatsApp-Nachricht und einer per KI geklonten Stimme dazu gebracht, rund 95 Millionen Euro ins Ausland zu überweisen. Fideuram ist die Private-Banking-Tochter von Intesa Sanpaolo, der größten Bank Italiens. Über den Fall berichtete zuerst der Corriere della Sera. Die Details stammen aus einem Beschlagnahmebeschluss, den eine Ermittlungsrichterin in Mailand im Mai erlassen hat.
Falscher Konzernchef, falscher Anwalt
Am 23. Februar 2026 erhielt der damalige Fideuram-Präsident Paolo Molesini auf seinem Diensthandy eine WhatsApp-Nachricht, die scheinbar von Intesa-Sanpaolo-CEO Carlo Messina stammte. Der angebliche Messina kündigte die Übernahme einer internationalen Bank an, die Intesa wegen eines Informationslecks und eines drohenden Eingreifens der Börsenaufsicht Consob nicht direkt abwickeln könne. Die Transaktion solle deshalb über Fideuram laufen.
Anschließend rief ein vermeintlicher Paolo Nastasi an, Managing Partner der Kanzlei A&O Shearman in Italien, den Molesini persönlich kennt. Seine Stimme war laut den Ermittlern mit KI geklont, Nastasi hat mit dem Fall nichts zu tun. Molesini erhielt elf Dokumente, darunter eine Vertraulichkeitsvereinbarung, eine scheinbar von Messina unterzeichnete Sondervollmacht und Überweisungsanweisungen auf Briefpapier der Kanzlei. Am selben Tag wurde auch der Leiter der Fideuram-Tresorerie kontaktiert.
Überweisungen nach Portugal und China
Zwischen dem 23. und 25. Februar flossen rund 95 Millionen Euro auf Konten in Portugal und China, darunter 42,5 Millionen Euro auf ein Konto der Bank of China. Molesini und der Tresorerie-Leiter gaben die Zahlungen laut der Richterin frei, „gegenseitig überzeugt von der Richtigkeit, Dringlichkeit und Vertraulichkeit der Operation, ohne die Führung von Fideuram oder Intesa Sanpaolo zu kontaktieren, da sie an die Vertraulichkeitsvereinbarung gebunden waren“.
Fideuram bemerkte die Unregelmäßigkeiten schnell und aktivierte die internationale Zusammenarbeit der Banken. In China wurden 40 Millionen Euro blockiert und zurückgegeben, in Portugal weitere 13 Millionen Euro mit Unterstützung von Eurojust beschlagnahmt. Nach Angaben italienischer Medien fehlen noch zwischen 36 und 39,5 Millionen Euro. Das Geld wurde über ausländische Konten verschoben und in Kryptowährung umgewandelt.
Rücktritt im März
Molesini trat im März aus persönlichen Gründen zurück. Er wird in dem Verfahren nicht als Beschuldigter geführt. Die Mailänder Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Computerbetrugs gegen einen Verdächtigen, laut Il Fatto Quotidiano einen israelischen IT-Spezialisten.
(red)