Laut Gartner müssen Finanzchefs ihre KI-Investitionen gezielter steuern, realistische Erwartungen setzen und die KI-Kompetenz im Team stärken.
Da sich der Einsatz von KI im Finanzbereich zunehmend über die reine Experimentierphase hinaus entwickelt, müssen Finanzchefs (CFOs) nach Einschätzung des Marktforschungsunternehmens Gartner ihr KI-Portfolio künftig deutlich disziplinierter steuern. Finanzverantwortliche setzen diesen disziplinierteren Ansatz um, indem sie realistische Erwartungen an die Zeit bis zum spürbaren Nutzen definieren, kurzfristige Produktivitätsgewinne mit breiteren Geschäftszielen abwägen und die KI-Kompetenz innerhalb ihrer Finanzteams gezielt stärken.
Unterschiedliche Zeit bis zum Nutzen je nach Anwendungsfall
Eine Gartner-Umfrage unter 160 leitenden Führungskräften aus dem Finanzbereich, durchgeführt zwischen Januar und April 2026, ergab, dass Anwendungsfälle wie Datenextraktion, die Automatisierung von Kreditoren- und Debitorenbuchhaltung sowie die Erstellung von Berichten in der Regel bereits nach neun bis zehn Monaten einen messbaren Nutzen liefern. Komplexere Aufgaben wie Datenmanagement, die Gewinnung von Erkenntnissen aus Daten sowie Prognosen benötigen dagegen typischerweise eine deutlich längere Entwicklungszeit, bevor sich ein Mehrwert einstellt.
Fokus auf schnelle Produktivitätsgewinne als Risiko
Marco Steecker, Senior Director Analyst in der Gartner-Finance-Praxis, erklärt dazu:
„Der Einsatz von KI hat einen Punkt erreicht, an dem CFOs ein bewussteres Portfoliomanagement betreiben müssen. Ziel ist es nicht, Experimentierfreude zu unterdrücken, sondern zu wissen, wo investiert werden sollte, wann leistungsschwache Initiativen beendet werden sollten und welche grundlegenden Fähigkeiten beschleunigt aufgebaut werden sollten, gerade weil KI-Technologie zunehmend benutzerfreundlicher wird und die Hürden für Experimente sinken.“
Marco Steecker, Senior Director Analyst in der Gartner-Finance-Praxis
Nach Angaben von Steecker konzentrieren sich KI-Investitionen im Finanzbereich derzeit vor allem auf Anwendungsfälle mit kurzer Zeit bis zum Nutzen, die die Produktivität steigern, etwa Berichtserstellung und Prozessautomatisierung. CFOs sollten jedoch nicht zulassen, dass die Attraktivität schneller Ergebnisse komplexere Anwendungsfälle verdrängt, die zwar länger zur Reife brauchen, dafür aber die Entscheidungsfindung verbessern, Risiken besser steuern und Umsatzwachstum unterstützen können.
KI-Kompetenz als größte Hürde
Die Gewinnung geeigneter Fachkräfte galt bislang als größtes Hindernis für den Erfolg von KI-Initiativen im Finanzbereich. Mit der wachsenden Verfügbarkeit agentenbasierter Programmierwerkzeuge hat sich diese Hürde nach Einschätzung von Gartner jedoch zur mangelnden KI-Kompetenz innerhalb der Teams verschoben. Steecker führt dazu aus: „Geringe KI-Kompetenz ist inzwischen das bedeutendste Hindernis, das Finanzverantwortliche angehen müssen. CFOs sollten Mitarbeitenden praktische Gelegenheiten geben, KI einzusetzen, etwa über Projektzuweisungen, Sandbox-Experimente und kurze, arbeitsbegleitende Übungen. Das hilft Finanzteams, die Fähigkeiten und das Vertrauen aufzubauen, die nötig sind, um mehr Nutzen aus KI zu ziehen.“
(red)