Rechenzentrums-Investitionen

VMware Explore 2026: Das teure Detail?

VMware Explore 2026
Bildquelle: Broadcom

Private AI dominierte die Keynotes der VMware Explore 2026 die größeren Kosteneffekte liegen jedoch in unscheinbaren Infrastruktur-Neuerungen wie Memory Tiering. Ein Einblick aus der Projektpraxis von comdivision-CEO Yves Sandfort, der live vor Ort in Las Vegas war.

Private AI und neue Cloud-Funktionen bestimmten die großen Keynotes der VMware Explore 2026 in Las Vegas. Für viele IT-Entscheider dürften jedoch gerade die unauffälligeren Infrastruktur-Neuerungen am Ende die spürbareren Auswirkungen auf das Budget haben. Broadcom selbst beziffert das TCO-Einsparpotenzial durch NVMe Memory Tiering mit bis zu 40 Prozent. Ich war persönlich vor Ort und ordne aus der Projektpraxis ein, welche Ankündigungen tatsächlich Einfluss auf die Investitionsplanung deutscher Unternehmen haben, und warum sich für 2027 geplante Hardwarebeschaffungen in manchen Fällen lohnt, noch einmal zu überdenken.

Anzeige

Länger laufen statt früher tauschen

Ein wiederkehrendes Thema war, wie sich vorhandene Serverflotten besser ausnutzen lassen, statt sie im gewohnten Drei- bis Vier-Jahres-Rhythmus zu ersetzen. Die vorgestellten Konsolidierungs- und Effizienzverbesserungen in VMware Cloud Foundation zielen genau darauf: mehr virtuelle Maschinen pro Host, bessere Ressourcennutzung über den gesamten Cluster hinweg. Flankiert wird das durch eine erweiterte Kompatibilitätsliste: Broadcom hat deutlich mehr ältere Servermodelle offiziell als unterstützt eingestuft, als es viele Kunden erwartet hätten. Wer eine Neubeschaffung allein wegen fehlender Unterstützung der Bestandshardware geplant hatte, sollte diese Annahme vor der finalen Freigabe noch einmal gegen die aktuelle Liste prüfen.

Memory Tiering verändert die Rechnung

Die aus Sicht vieler Teilnehmer wichtigste technische Neuerung war Memory Tiering in VMware Cloud Foundation. Der Hypervisor unterscheidet zwischen häufig genutzten („heißen“) und selten genutzten („kalten“) Speicherseiten. Heiße Seiten bleiben im schnellen, teuren DRAM, kalte wandern auf günstigeren NVMe-Flash-Speicher für die virtuelle Maschine unsichtbar, ohne Anpassungen an Gastbetriebssystem oder Anwendung.

Broadcom beziffert das TCO-Einsparpotenzial mit bis zu 40 Prozent, eine Zahl, die aus meiner Sicht einordnungsbedürftig ist und an der eigenen Workload-Mischung gespiegelt werden sollte. Aus eigenen comdivision-Projekten kann ich sie aber durchaus bestätigen: Je nach Kundenumgebung wurden dort schon ähnliche oder höhere Einsparungen erzielt. Entscheidend dabei ist ein Punkt, der in der öffentlichen Diskussion oft untergeht: Es handelt sich nicht um aufwendig zu pflegende Einzeloptimierungen an einzelnen Workloads, sondern um einen automatisierten Prozess, der sich auf den gesamten Cluster auswirkt ohne dass Administratoren pro Applikation nachjustieren müssen.

Anzeige
Newsletter
Newsletter Box

Mit Klick auf den Button "Jetzt Anmelden" stimme ich der Datenschutzerklärung zu.

AI-Infrastruktur ohne neue Silos

Ein zweiter Schwerpunkt war die engere Verzahnung von Private AI mit der bestehenden VCF-Umgebung, statt AI-Workloads auf separaten GPU-Inseln zu betreiben. Das betrifft auch den Speicherbedarf: AI-Inferenz benötigt große Mengen an aktivem Speicher für Modellgewichte genau der Bereich, in dem Memory Tiering ansetzt.

Bemerkenswert ist zudem, dass sich die Hardwarebasis für Private AI spürbar verbreitert hat. Lange drehte sich die Diskussion fast ausschließlich um NVIDIA-GPUs. Auf der Explore wurden nun fertige, zertifizierte Baukastenlösungen vorgestellt, die VCF auch mit Intel- und AMD-Beschleunigern kombinieren etwa über die Zusammenarbeit mit AMD rund um deren Instinct-GPUs und das offene ROCm-Ökosystem sowie über Intels Gaudi-Beschleuniger. Für Unternehmen bedeutet das mehr Auswahl bei der Beschaffung und weniger Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter.

Vom Pilotprojekt zur Infrastrukturfrage

Private AI war in vielen Unternehmen bislang ein Pilotthema: einzelne Use Cases, überschaubare Umgebungen, oft ohne klaren Produktionspfad. Die Ankündigungen aus Las Vegas markieren aus meiner Sicht einen Wendepunkt, Private AI wird Teil der regulären Infrastrukturplanung, mit entsprechenden Anforderungen an Governance, Kapazitätsplanung und Speicherstrategie. Wer diesen Übergang nicht mitdenkt, riskiert, Pilotinfrastruktur aufzubauen, die für den Produktivbetrieb neu dimensioniert werden muss.

Was CIOs jetzt neu bewerten sollten

Ich rate, laufende Beschaffungsvorhaben für 2027 an drei Punkten zu prüfen: ob ungenutztes Konsolidierungspotenzial den Hardwarebedarf verschiebt, ob Memory Tiering für die eigene Workload-Mischung eine belastbare Kostenreduktion verspricht, am besten anhand eigener Messwerte statt Herstellerangaben, und ob geplante AI-Infrastruktur als Silo oder integrierter Teil der Private Cloud konzipiert wird.

Ein Nebeneffekt aus Kundengesprächen: Über den Lizenzkosten der letzten Jahre wird oft die Hardwareseite übersehen. Lassen sich durch Konsolidierung und Memory Tiering zweistellige Prozentsätze bei den Serverkosten einsparen, relativiert das aus meiner Sicht auch spürbare Preissprünge bei den Lizenzen schlicht, weil Hardware in der Gesamtkalkulation vieler Rechenzentren nach wie vor der größere Kostenblock ist.

Gerade weil viele dieser Effekte erst im Zusammenspiel entstehen, halte ich die Wahl des Umsetzungspartners für eine unterschätzte Stellschraube: Memory Tiering, erweiterte Kompatibilitätslisten und heterogene AI-Beschleuniger sauber zu dimensionieren, verlangt praktische Erfahrung aus mehreren Kundenumgebungen statt reines Produktwissen aus dem Datenblatt. Zertifizierungen wie der Broadcom-Knights-Status, nur an wenige ausgewählte Partnertechniker vergeben, sind dabei ein Indiz, aber kein Selbstzweck.

Keine der Explore-Ankündigungen wirkt für sich genommen revolutionär. In der Summe zeigen sie aber, dass Broadcom die VMware-Plattform gezielt in Richtung Kosteneffizienz und AI-Integration weiterentwickelt und dass sich daraus für viele Unternehmen ein konkreter Anlass ergibt, bereits budgetierte Hardwareentscheidungen noch einmal auf den Prüfstand zu stellen.

Yves Sandfort ist CEO der comdivision consulting GmbH.

Yves

Sandfort

CEO

comdivision consulting GmbH

Yves Sandfort ist CEO der comdivision consulting GmbH, Unternehmer und Experte für moderne IT-Infrastrukturen, Cloud-Strategien, digitale Souveränität und Enterprise-Transformationen. (Bildquelle: Fotografie Witte Wattendorff)
Anzeige

Weitere Artikel

Newsletter
Newsletter Box

Mit Klick auf den Button "Jetzt Anmelden" stimme ich der Datenschutzerklärung zu.